AKTUELLE FALLZAHLEN AUS ROSENHEIM

Corona-Mutation in Rosenheim massiv auf dem Vormarsch: Gesundheitsamt nennt Lockerung „kontraproduktiv“

Die Entwicklung der Corona-Lage in der Region Rosenheim im Vergleich zur Vorwoche (seit 26. Februar).Sautter
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Die Entwicklung der Corona-Lage in der Region Rosenheim im Vergleich zur Vorwoche (seit 26. Februar).
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Die britische Mutation des Corona-Virus ist weiter auf dem Vormarsch, die Fallzahlen steigen erneut.. Darf sich Rosenheim weiter Hoffnungen auf Lockerungen machen? Was Experten sagen.

Rosenheim – Lockerungen in der Region? So wie am Mittwoch auf Bundesebene besprochen und am Donnerstag für Bayern beschlossen? Noch scheinen Erleichterungen möglich zu sein, allerdings machen die steigenden Zahlen Sorgen.

Die Stadt Rosenheim nähert sich mit einer 7-Tage-Inzidenz von 91,3 der Marke 100, die auch eine Öffnung der Schulen wenigstens für Wechselunterricht ab 15. März verbieten würde.

Dr. Wolfgang Hierl kritisiert Beschlüsse

Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Hierl hält von Lockerungen derzeit nichts, er übte deutliche Kritik an den Beschlüssen: „Bei allem Verständnis für die finanziellen, pädagogischen und psychosozialen Auswirkungen des Lockdowns sehe ich die Beschlüsse der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs für den Infektionsschutz in der Region als kontraproduktiv.“

Corona-Fallzahlen: Ende des Sinkflugs

Sicher ist: Der Sinkflug der Corona-Fallzahlen endete vor zwei Woche. Seitdem kennt die Linie nur eine Richtung: aufwärts. Am 18. Februar war der niedrigste Inzidenzwert seit Einsetzen der zweiten Welle bekannt gegeben worden: 36,2.

Die aktuelle Impfquote der Region Rosenheim im Überblick.

Im Landkreis Rosenheim fielen die Zahlen bis auf 42,5 (13. Februar). Nunmehr stehen sie im Landkreis bei 85,3. Hierl: „Stadt und Landkreis stehen kurz davor, die Marke von 100 in der 7-Tage-Inzidenz zu überschreiten.“

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Offenbar ist die Mutation B.1.1.7, also die so genannte britische Variante, massiv auf dem Vormarsch. Bislang wurden dem Gesundheitsamt 330 Fälle einer bestätigten besorgniserregenden Variante gemeldet, 143 mehr als vergangene Woche.

Diese 143 bestätigten Fälle stellen mehr als die Hälfte der Neuinfektionen, deren exakte Zahl bei 281 liegt.

Im Landkreis sind die hohen Zahlen auch auf den massiven Ausbruch bei der Firma Fritzmeier Composite in Bruckmühl-Hinrichssegen zurückzuführen. Dort waren nach Angaben des Gesundheitsamts bislang 68 von rund 500 Mitarbeitern positiv getestet worden. Weitere Reihentestungen laufen noch.

Weiter Ansteckungen im privaten Umfeld

Insgesamt gehen die Ansteckungen laut Gesundheitsamt weiterhin vor allem auf Kontakte im privaten Umfeld zurück. Einzelne Fälle ereigneten sich laut Hierl auch in der vergangenen Woche an Schulen und Kitas, zuletzt im „Villa Familia Haus für Kinder“ in Bad Aibling sowie an der FOS/BOS Rosenheim.

Impfkampagne mit langsamem Fortschritt

Insgesamt sind seit Impfstart rund 28 200 Impfungen seit Impfstart vor allem in Pflegeheimen, Krankenhäusern sowie dem gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim auf der Loretowiese vorgenommen worden. 18 936 davon waren Erstimpfungen, 9266 Zweitimpfungen.

Insgesamt 7774 dieser Impfungen wurden in stationären Einrichtungen sowie betreuten Wohnformen in Stadt und Landkreis Rosenheim verabreicht. Mit 5,8 Prozent Erstgeimpften und 2,9 Prozent Zweitgeimpften hinkt die Region Rosenheim dem Freistaat (6,2 beziehungsweise 3,1 Prozent) weiter hinterher.

Auch Priorität eins noch lange nicht durchgeimpft

Damit ist man in der Region immer noch weit davon entfernt, auch nur alle Menschen der ersten Kategorie – rund 25 000 – mit einem Impfschutz versehen zu haben. Derzeit wird nach den Worten des Landratsamts „intensiv an einer weiteren Erhöhung der Impfkapazitäten“ gearbeitet.

Im ersten Schritt wurden bereits seit dem 1. März die Öffnungszeiten des Impfzentrums erweitert. Unterdessen haben sich erneut Experten für eine Übertragung von Impfaufgaben auch an die Hausärzte ausgesprochen.

„Die Hausärzte müssten mit im Boot sein, ganz klar“, sagte etwa Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Er nennt das Vertrauen, das die Hausärzte bei ihrer Klientel genießen, als Vorteil.

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Derweil appellieren Landrat Otto Lederer und Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März an die Bürger, sich online zu registrieren. „Nur, wer sich registriert, kann auch einen Impftermin erhalten“, sagt Lederer. Durch die Zulassung des Impfstoffes von Astra-Zeneca haben auch jüngere Menschen und Personen, die nicht zur Gruppe 1 mit höchster Priorität gehören, bereits jetzt die Chance, eine Impfung gegen das Coronavirus zu erhalten.

„Viele Menschen denken, dass sie aufgrund ihres Alters erst in ein paar Monaten dran sind und registrieren sich darum noch nicht. Das ist ein Irrtum“, sagt März. Es ist bereits jetzt für alle Impfwilligen möglich, sich online für eine Impfung zu registrieren.

Die Einladung zum Impftermin erfolgt automatisch über die Software, den Ausschlag geben die bei der Registrierung eingetragenen Daten und der Vorrat an Impfstoff. Impfstoff sei bisher immer ausreichend vorhanden gewesen, es habe aber auch praktisch keine „Überbleibsel“ gegeben, sagt Bugl. Man rechne mit rund 6.000 Impfdosen pro Woche.

Fallzahlen in der Region

Seit dem Bericht vom vergangenen Freitag wurden dem Gesundheitsamt 281 neue Fälle, 17 mehr als in der Woche zuvor gemeldet. Damit sind seit Beginn der Pandemie insgesamt 13.747 Fälle einer Corona-Infektion in Stadt und Landkreis Rosenheim aufgetreten (Landkreis: 10.826, Stadt: 2921).

Mittlerweile wurde bei mindestens 12.487 Personen seitens des Gesundheitsamtes eine Genesung dokumentiert. 475 Menschen sind bisher in Verbindung mit dem Corona-Virus gestorben (Landkreis: 422, Stadt: 53), in der vergangenen Woche starb ein Mensch.

103 (am 25. Februar 97) Covid-19-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär behandelt, davon 18 Patienten (zuletzt 12) auf einer Intensivstation.

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