Corona-Krise: Rosenheimer bangen um ihr Herbstfest – Entscheidung vertagt

Die Corona-Krise hat die diesjährigen Planungen fürs Rosenheimer Herbstfest, das am 29. August beginnen sollte, komplett auf den Kopf gestellt. Stuffer
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Kommt es, oder kommt es nicht? Nach dem Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August bangen die Rosenheimer ums Herbstfest. Eine Absage würde nicht nur Wirte hart treffen – deswegen will man weiter abwarten...

Update 17. April:

Entscheidung vertagt

Nach der Entscheidung der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern bis einschließlich 31. August 2020 sämtliche Großveranstaltungen, einschließlich Volksfeste, zu untersagen, hat sich der Wirtschaftliche Verband Rosenheim e.V. als Veranstalter des Rosenheimer Herbstfestes zur Sachlage beraten. Eine Entscheidung über eine Absage oder zu einer möglichen Durchführung wird zunächst auf einen späteren Termin Mitte Mai vertagt.

16. April

Herbstfest steht auf der Kippe

Rosenheim - Beginnen sollte es am 29. August, möglicherweise wird es verschoben, doch auch die Absage steht im Raum, wenn morgen  der Gesamtverstand des Wirtschaftlichen Verbandes der Stadt und des Landkreises Rosenheim berät, und zwar „in Abstimmung mit der Stadtverwaltung“, wie Verbandsvorsitzender Renhold Frey auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen berichtete.

Alles hängt von der Wiesn ab

So lange richten sich bange Blicke nach München, Schauplatz des größten aller Volksfeste und sogar noch drei Wochen später als die Rosenheimer Wiesn. Ob das Oktoberfest heuer gefeiert wird? Zunehmend unwahrscheinlich, Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht das Fest mit seinem höchst internationalen Publikum „auf der Kippe“. Gestern bei der Pressekonferenz fügte er hinzu, dass man die Frage nach dem Oktoberfest noch „bewerten“ wolle. Bis 31. August aber gelte „keine Feste, Bierzelte, große Veranstaltungen“, bekräftigte Söder.

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In engem telefonischen Kontakt mit Markus Söder steht der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner. Er sieht die Chance des Rosenheimer Herbstereignisses allenfalls bei „50 zu 50“. Sicherlich sei das Herbstfest eher ein Ereignis für die Region und für Familien, habe es mithin bei weitem nicht die weltweite Ausstrahlung und damit Gefahrenlage wie das Oktoberfest, aber: „Es wird sehr, sehr schwierig“.

Angst könnte die Zelte leerhalten

Zwar werden die Menschen Hunger auf Geselligkeit und Feste haben, aber auch Angst vor einer Ansteckung. „Jeder erwartet ein volles Haus, aber diese Erwartung wird sich nicht erfüllen“, sagt Stöttner, „das wären dann halbleere Festzelte“. Auch Stöttner kann sich im übrigen nicht vorstellen, dass sich Rosenheim über ein Münchner Beispiel einer Oktoberfestabsage hinwegsetzen würde. Nun gelte es zu beobachten, wie sich die Corona-Lage entwickle, da könne man definitiv vielleicht erst im Mai oder Juni etwas sagen.

Wirte schwer angeschlagen

Es ist nicht leicht in diesen Tagen, einen Gastronomen ans Telefon zu bekommen. Die Stimmung ist spürbar am Boden, man kämpft mit den schlechten Aussichten vielleicht noch verzweifelter als mit den momentanen Engpässen. Wie es gerade geht? Karel Kiesl vom „Tatzlwurm“ wirkt deprimiert. „Die Frage erübrigt sich“, sagt er. Und fügt hinzu: „Wir haben seit 16. März zu. Die Lage ist sehr ernst für alle.“

Marisa Steegmüller, geschäftsführende Gesellschafterin der Flötzinger Brauerei, fürchtet um die „vielen Existenzen“, die mit dem Herbstfest verbunden sind. Schon merkte die Brauerei die Folgen, das werde noch ärger, je länger Corona andauere. Das Herbstfest, bei dem Flötzinger traditionell mit einem Riesenfestzelt mit 8500 Plätzen vertreten ist, ist ein zentrales Datum im Geschäftsjahr der Brauerei.

Schon jetzt fehlt jede Menge Geld

Die Wirte seien nun mal auch aufs Frühjahrs- und Sommer-Geschäft angewiesen. „Die wirtschaftliche Krise macht mir sehr viele Sorgen“, sagt sie. „Es stehen viele Existenzen auf dem Spiel. Es wird nichts mehr so sein wie vor der Krise.“ Und sie zählt auf, wer sein Geld, seinen Lebensunterhalt mit Veranstaltungen wie dem Herbstfest verdient, vom Brauer über den Festwirt bis hin zu Künstlern, Schankkellnern und Schaustellern.

Hilfe für Gastronomen

Gastronomie für Groß-Feste wie das Rosenheimer Herbstfest hat in normalen Zeiten goldenen Boden. Jetzt wirkt alles wie auf Sand gebaut, auch bei der Fischbraterei Bierbichler, wo man sich noch mit Kurzarbeit der Krise erwehrt. Das machten viele so, bestätigt Marisa Steegmüller, und macht sich auch deswegen Sorgen. Mit der Arbeitszeit wird ja auch der Lohn gekürzt. „Es werden manche bald die Miete nicht mehr zahlen können.“

So war’s 2019: Fotoserien zum Herbstfest Was sagt das Orakel in München? Man werde bald über Profi-Fußballspiele in leeren Stadien nachdenken, erklärt Markus Söder, weil an Fußball ja nicht nur ökomisches Interesse hänge, er sei vielmehr auch fürs Nervenkostüm vieler Menschen wichtig. Die ersten Festwirte könnten derlei bald auch für sich beanspruchen.

Klaus Stöttner rät zum sorgfältigen Prüfung der Lage und kündigt weiteren Einsatz für besonders hart getroffene Bereiche der heimischen Wirtschaft an. Das betrifft die Gastronomie, aber auch die Hotellerie.

„Wir müssen uns überlegen, wie die mittelständischen Hotels, die als erste zugemacht haben und als letzte aufmachen werden, überleben gebe. Da muss es Lösungen geben“, sagt Stöttner, er sei in beständigem Austausch auch mit dem Ministerpräsidenten. Reservierungsbeginn fürs Herbstfest 2020, das steht noch auf der Homepage von Flötzinger zu lesen, sei am 27. Juli. „Vor diesem Termin sind keine Reservierungen möglich.“ Was alles den Bach runtergeht, wenn auch danach keine Reservierungen mehr möglich sind: Darüber denkt derzeit kein Wirt gerne nach.

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