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Richtiges oder falsches Signal?

Impfpflicht wird ausgesetzt? Das sagen Pflegeheim-Leiter der Region dazu

Pflegefachkräfte sind jetzt schon begehrt. Betreiber rechnen damit, dass die partielle Impfpflicht ab 16. März den Druck noch verschärft.
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Pflegefachkräfte sind jetzt schon begehrt. Betreiber rechnen damit, dass die partielle Impfpflicht ab 16. März den Druck noch verschärft.
  • VonPaula L. Trautmann
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Bayern will die einrichtungsbezogene Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen Ministerpräsident Markus Söder zufolge vorerst nicht umsetzen, da der Bund bislang noch „keine praxistauglichen Vorgaben“ gemacht habe. Das sagen die Leiter von Senioren- und Pflegeheimen im Mangfalltal dazu.

Mangfalltal – „Prinzipiell bin ich schon für die Impfpflicht, wenn sie alle betrifft. Entweder alle oder keiner“, sagt Michael Koller. Er leitet das „Haus der Betreuung und Pflege am Wendelstein“ in Kolbermoor. Es sei eine „Spagatwanderung“ für den sozialen Sektor, wenn die Impfpflicht nur für Mitarbeiter in Krankenhäusern, Altenheimen oder Rehas gelte. Die Einrichtungen würden etliche Angestellte verlieren, die dann in der freien Marktwirtschaft arbeiten, wo keine Impfpflicht gelte.

„Schon so viel Zeit investiert“

Dass die Regierung die Impfpflicht voraussichtlich lockert, erleichtert ihn dennoch nicht: „Wir haben jetzt schon so viel Zeit investiert, dass ich das eigentlich nicht begrüße.“ Er habe vorab alle Impfnachweise von seinen Mitarbeitern eingeholt und angefangen nach Ersatz zu suchen. Obwohl die Situation in dem Kolbermoorer Pflegeheim „nicht dramatisch“ sei. Nur ein Mitarbeiter in der Pflege sei ungeimpft.

Anders sieht es im Pensionistenheim Höllmüller in Bad Aibling aus. Dort würden Leiterin Isabel Bergbauer zufolge sechs Angestellte von 70 ausfallen. „Wir könnten die Qualität in der Pflege so nicht mehr aufrechterhalten.“ Es sei unmöglich, so schnell sechs neue Pflegekräfte zu finden.

In einem halben Jahr gehe meist nur eine Bewerbung ein. „Fachkräfte sind zurzeit wirklich eine Rarität“, sagt die Leiterin. Deshalb brauche sie jeden Mitarbeiter. Die müssten sich jeden Tag testen – ob ungeimpft, geimpft oder genesen.

Es sei fatal, wenn sie Menschen, die in der Pflege arbeiten wollen, wegen deren Impfstatus ausschließen müsste. „Ich fände es sehr gut, wenn die Impfpflicht gelockert wird. Wir haben sowieso einen wahnsinnigen Fachkräftemangel“, weiß Bergbauer.

Fünf von 30 Pflegekräften ungeimpft

„Es wäre ein großes Problem, wenn Mitarbeiter wegfallen würden. Wir sind eine kleine Einrichtung“, sagt auch Maria Vologina, Pflegedienstleiterin des Altenheims Sankt Lukas in Bad Feilnbach. Rund 30 Mitarbeiter hat die Einrichtung, fünf seien nicht geimpft. Die Pflege ohne diese Angestellten wie bisher zu ermöglichen, sei schwierig.

Es sei ohnehin schon schwer, Mitarbeiter zu finden – auch ohne die Impfpflicht. Deshalb ist Vologina für deren Lockerung.

„Falsches Singal“ und Erfolg für Ungeimpfte

Doppelschichten für die Angestellten werde es nicht geben, auch wenn die Impfpflicht eintritt. „Da müssen wir uns was anderes überlegen“, sagt die Pflegedienstleiterin. Aktuell werde jeder Pfleger täglich getestet – ob geimpft oder ungeimpft. Besucher seien nicht erlaubt, das belaste die Bewohner und deren Verwandte.

Auch im „Haus Hoheneck“ in Aschbach bei Feldkirchen-Westerham müssen sich ungeimpfte Mitarbeiter täglich testen, genesene oder geimpfte drei Mal die Woche. „Bei allen Schwierigkeiten hätte ich mir gewünscht, dass die Impfpflicht durchgesetzt wird“, sagt Leiter Ulrich Güthe. Es sei ein „falsches Singal“ und ein Erfolg für Ungeimpfte, wenn sie gelockert werde. Dann würden sie die Impfung Güthe zufolge als unnötig ansehen.

Das fände er besondersschade, da es schon einen Corona-Ausbruch in dem Heim gegeben habe. Die Situation sei herausfordernd für alle Beteiligten gewesen. Viele Pflegekräfte seien ausgefallen. „Da hätte ich mir gewünscht, dass sich alle Mitarbeiter aus Solidarität impfen lassen“, sagt Güthe und bedauert, dass das nicht passiert ist.

Teilzeitmitarbeiter würden mehr arbeiten

50 Mitarbeiter hat das Wohnheim, vier davon sind ungeimpft. Das „Haus Hoheneck“ ist zweigeteilt, es gibt einen Pflegeeinrichtungsteil und einen Behinderteneinrichtungsteil. Im Pflegebereich würde niemand ausfallen aufgrund einer Impfpflicht, die Lage sei „nicht dramatisch“. Im Bereich für Menschen mit Behinderung jedoch schon, sagt Güthe: „Da wäre es tatsächlich schwierig.“ Jedoch habe er Kontakt zu drei Teilzeitmitarbeitern, die im Notfall bereit wären, mehr oder sogar Vollzeit zu arbeiten. „Wir hätten den Ausfall also kompensieren können, aber natürlich mit Mühe“, sagt der Leiter.

„Flut an Arbeit“ für Gesundheitsämter

Ob die Impfpflicht kommt oder nicht – für Güthe sei von Anfang an klar gewesen, dass die Gesundheitsämter die damit verbundene „Flut an Arbeit“ nicht schaffen können. Es sei kein Geheimnis, dass es Monate dauern würde, bis die ersten Mitarbeiter ein Beschäftigungsverbot vom Gesundheitsamt bekämen.

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