Corona hat die Region fest im Griff

Haben ein Ausnahmejahr hinter sich: die Ärzte und Pflegekräfte an den Romed-Kliniken in der Region – hier auf der Covid-Intensivstation in Rosenheim.
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Haben ein Ausnahmejahr hinter sich: die Ärzte und Pflegekräfte an den Romed-Kliniken in der Region – hier auf der Covid-Intensivstation in Rosenheim.

Rosenheim – Die Corona-Pandemie hat die Region Rosenheim auch zum Jahresende fest im Griff.

Die Lage: einmal mehr angespannt, die Fallzahlen auf einem hohen Niveau. Spitz auf Knopf stand es bereits zum Höhepunkt der ersten Welle im April: als das Romed-Klinikum Rosenheim mit knapp 200 Covid-Patienten am Rande seiner Kapazitätsgrenze war.

Dabei begann alles so harmlos: Ein erster Corona-Fall in Siegsdorf (Traunstein) Ende Januar schreckte zwar auf, als ein Webasto-Mitarbeiter und dessen Familie positiv getestet worden waren. Doch die Verläufe am Klinikum Trostberg: milde, ähnlich einer Grippe. Erst einen Monat später, Ende Februar, registrierte das Gesundheitsamt Rosenheim einen ersten Corona-Fall: ein Skifahr-Rückkehrer aus Südtirol – auch er mit nur leichten Symptomen.

Klinikenam Limit

Doch im Romed-Klinikum war man längst alarmiert, verfolgte man doch die Bilder aus Bergamo mit überfüllten Kliniken und Soldaten, die Corona-Tote abtransportierten, mit großer Sorge. Was, wenn die Welle über die Alpen schwappt? Man entwarf Notfallpläne, rüstete sich, tauschte sich mit Kollegen jenseits der Alpen aus, welche Behandlungsmethoden erfolgversprechend sind. Während unweit vom Klinikum entfernt, in der Inntalhalle, zum Anstich geblasen wurde, die Masskrüge hoch – beim Starkbierfest. Entgegen der klaren Empfehlung von Gesundheitsamts-Chef Dr. Wolfgang Hierl wollte sich Rosenheim das Feiern nicht verbieten lassen – und stellte das feucht-fröhliche Treiben erst nach dem ersten Wochenende ein.

Studie zuStarkbierfesten

In der Region explodierten wenig später die Fallzahlen. Und während die Stadt Rosenheim nach wie vor jeden Zusammenhang mit der Veranstaltung von sich weist, hat inzwischen eine Studie des Helmholtz-Zentrums München ergeben, dass es in eben jenen Orten mit Starkbierfesten zu „signifikant mehr Fällen“ gekommen sei. Ein weiterer Pandemie-Treiber laut der Studie: die Kommunalwahlen Mitte März.

Es folgten Wochen im Ausnahmezustand: die Kliniken am Limit, die Intensivstationen übervoll, dazu Ausbrüche in Pflegeheimen, die viele Todesopfer forderten. Die bittere Bilanz nach der ersten Welle: 222 offiziell registrierte Covid-Tote (199 Landkreis, 23 Stadt) – weit mehr als in so manchem Bundesland (Thüringen 186, Saarland 174, Sachsen-Anhalt 65; Stand 14. August).

Dies machte sich auch in der Sterbefallstatistik von besonders betroffenen Städten und Gemeinden bemerkbar. Die Stadt Rosenheim verzeichnete im ersten Halbjahr bereits eine Zunahme bei den Sterbefällen gegenüber dem Vorjahr (1. Halbjahr 2020: 614; 2019 gesamt: 1114). Deutlich fiel die Übersterblichkeit mitunter im Raum Wasserburg aus: mit 304 Verstorbenen im ersten Halbjahr gegenüber 441 im gesamten Jahr 2019. Und im regionalen Hotspot Aschau, wo unter anderem ein Seniorenheim schwer betroffen war (April: 15 Covid-Tote), waren Ende Juni bereits mehr Menschen verstorben (73) als im gesamten Vorjahr (72).

Urlaubsrückkehrerlassen Zahlen steigen

Von Mitte Mai an ebbte schließlich die erste Welle ab. Am 16. Juni hob Bayern den Katastrophenfall auf. Doch die „Verschnaufpause“ währte nicht lange, schon im August war Corona in der Region zurück – vor allem wegen heimkehrender Urlauber. Und wenig später, am 28. August, hatte Rosenheim einen ungeliebten „Titel“ zurück: als bundesweiter Corona-Hotspot mit den damals höchsten Fallzahlen.

Bayern und die Region stemmten sich noch im Spätsommer mit aller Macht gegen das Aufflammen, Teststationen nahmen ihren Betrieb auf, erst an den Autobahnen A93 (Inntal-Ost) und A8 (Hochfelln), schließlich an der Loretowiese. Es folgte die Maskenpflicht an den Schulen, was insbesondere besorgte Grundschul-Eltern auf die Barrikaden steigen ließ. Und trotz aller Vorkehrungen kam es vermehrt zu Corona-Fällen an Schulen. Für viele Klassen und teils ganze Jahrgänge bedeutete das: Reihentestung und Quarantäne.

Mitte Oktober war die Pandemie dann endgültig zurück in der Region: mit einem starken Anstieg der Fallzahlen. Die zweite Welle: Sie nahm Fahrt auf. Vorläufiger Höhepunkt bei den Fallzahlen: Mitte November mit Spitzenwerten bei der Sieben-Tage-Inzidenz von 312 für die Stadt Rosenheim und 302 im Landkreis.

Seither verharrt der Inzidenzwert auf einem hohen Niveau um die Marke 200. Und beinahe täglich taten sich Schreckensmeldungen von Ausbrüchen in Kliniken, Einrichtungen sowie Alten- und Pflegeheimen auf. Die Lage in den Kliniken: angespannt. Und auch die Zahl der Toten, die in Verbindung mit Covid-19 registriert wurde, stieg deutlich an: allein bis Weihnachten auf 333 Sterbefälle.

Was bleibt: ein banges Warten, ob der harte Lockdown von Mitte Dezember greift. Und gleichzeitig die Hoffnung auf den Impfstoff, der in einem ersten Schritt die Risikogruppen schützen soll.

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Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Region Rosenheim ging im Herbst wieder sprunghaft nach oben. Mitte November wurden gar Spitzenwerte von über 300 in Stadt (rot) und Landkreis (blau) erreicht.Klinger
Die Altersstruktur der Covid-19-Fälle in der Region seit Anfang November. Zu einem Großteil sind die Unter-60-Jährigen betroffen (Stand 18. Dezember).klinger
Dirigent Sepp Mangstl

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