Urlaub dahoam - aber verträglich für alle

Kommt der zweite Corona-Ansturm? Berggemeinden der Region rüsten sich für die Wintersaison

Als Reaktion auf den Besucheransturm stellten in Bad Feilnbach Anlieger an Mega-Ausflugstagen wie Christi Himmelfahrt und Pfingsten in diesem Jahr am Unteren Jenbachtal-Parkplatz ihre Wiesen als Parkfläche zur Verfügung. Der obere Parkplatz war teils morgens um 9 Uhr bereits voll.
+
Archiv-Bild: Als Reaktion auf den Besucheransturm stellten in Bad Feilnbach Anlieger an Mega-Ausflugstagen wie Christi Himmelfahrt und Pfingsten in diesem Jahr am Unteren Jenbachtal-Parkplatz ihre Wiesen als Parkfläche zur Verfügung. Der obere Parkplatz war teils morgens um 9 Uhr bereits voll.
Alle Autoren
    schließen
  • Heidi Geyer
    Heidi Geyer
  • Barbara Forster
    Barbara Forster
  • Eva Lagler
    Eva Lagler
  • Tina Blum
    Tina Blum

Wildparker, Blechlawinen, die durch die Orte rollen und herumliegender Müll – der Ansturm auf die Berge im Sommer, der vor allem der Corona-Pandemie geschuldet war, hat in den Berggemeinden Spuren hinterlassen. Die Anwohner sind genervt, die Verwaltungen suchen nach Lösungen.

Rosenheim/Traunstein – Jetzt stehen die Weihnachtsfeiertage und die Wintersaison vor der Tür und die Gemeinden vor neuen Herausforderungen. Die Grenzen sind weitgehend dicht.

Um im Winter Herr der Lage zu werden, haben sich die Bürgermeister der Alpengemeinden von Lindau bis Berchtesgaden zusammengeschlossen, um gemeinsam an Lösungen und Strategien zu arbeiten und voneinander zu lernen. Dazu fand vor Kurzem virtuell der erste Workshop statt. Aus jedem Landkreis nahm je ein Rathauschef und die Geschäftsstelle des Bayerischen Gemeindetags teil.

Sommer der Herausforderung

Für den Landkreis Rosenheim war Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallnner dabei. „Überall, wo es bei uns schön ist, sind auch viele Besucher – solange nicht über ein Meter Schnee liegt“, sagt er. Doch als Ausflügler-Hotspot in Coronazeiten wuchsen dem Ort die Herausforderungen im Frühjahr fast über den Kopf.

Überfüllte Parkplätze und wildes Campen, eskalierender Konflikt zwischen Almbauern und rücksichtslosen Zeitgenossen wegen verletzten Jungviehs und gewilderter Auerhühner, aufgezwickter Zäune, niedergetrampelter Weiden und ausgerupfter geschützter Pflanzen – dreimal schon tagte deshalb ein runder Tisch mit den unterschiedlichen Interessenvertretern im Rathaus. Davon berichtete Wallner auch in der Videokonferenz.

„Aufklären, dass die Natur auch ihre Ruhe braucht“

Welche Lehren man aus dem Jahr 2020 gezogen hat? „Dass wir temporär zusätzliche Parkflächen zur Verfügung stellen, wenn schönes Wetter angesagt ist. Dass wir mit den Gästen noch mehr in den Dialog gehen. Dass wir aufklären, dass die Natur auch ihre Ruhe braucht.“ Dazu beauftrage die Gemeinde auch eine Agentur, die hilft, Ideen für weitere Kommunikationsformen oder Beschilderungen zu entwickeln.

Von politischer Seite sollte, so Wallner, auch darüber nachgedacht werden, ob E-Bikes als motorisierte Fahrzeuge angesehen werden, ob Ranger für mehr Aufklärung eingesetzt werden oder wie man festlegen kann, welche Steige mit dem Rad benutzt werden dürfen und welche nicht.

Digitale Lösungen für das Verkehrsproblem

Von ähnlichen Zuständen berichtet auch Aschaus Bürgermeister Simon Frank. „Morgens und abends gab es Autoschlangen ab der Autobahnausfahrt bis nach Sachrang“, erinnert er sich. Ein wichtiges Thema sei daher die digitale Verkehrslenkung. Der Kommunale Zweckverband Oberland habe dafür bereits Pilotmodelle in Arbeit. „So könnte der Verkehr überregional gesteuert werden“, hofft Frank.

Denn die Erfahrung habe gezeigt, dass Appelle wenig bewirken, meint Georg Huber, Samerbergs Bürgermeister. „All die von den belasteten Anliegern geforderten Verbote sind aber nur dann etwas wert, wenn es eine Rechtsgrundlage dafür gibt und wenn es auch kontrolliert wird“, sagt er. Ab 2021 wolle auch die Gemeinde Samerberg mit dem Zweckverband zusammenarbeiten und die kommunale Verkehrsüberwachung massiv ausweiten.

Ruhpolding setzt auf gratis ÖPNV

Extremes erlebte Justus Pfeifer, Bürgermeister von Ruhpolding: „In der Urschlau kam ein Notarzt nicht durch, weil dort so viele Autos geparkt waren“, erläutert er. Die Gemeinde habe daraufhin ein sehr striktes Parkverbot erlassen. Die Situation habe sich dadurch kurz- und mittelfristig stark gebessert. Außerdem werde der ÖPNV in Ruhpolding gratis angeboten, was sehr gut angenommen werde. Mit dem Bus kommt man direkt an die Wanderwege.

Über Pistenpräparierung noch nicht entschieden

In der kalten Jahreszeit will Ruhpolding die Parkraumüberwachung auf die Hotspots umdisponieren. „Wir ermuntern auch im Winter die Gäste, mit dem Bus zu ihrem Ziel zu fahren“, zeigt sich Pfeifer optimistisch. Der fahre auch zum Unternberg, einem beliebten Rodel- und Skitourenberg. Sollten die Beschränkungen über den 10. Januar hinausgehen, müsse der Gemeinderat entscheiden, ob die Loipen präpariert werden sollen, so Pfeifer.

Zusätzliche Parkplätze

Gelassener bleibt Matthias Schlechter, Bürgermeister von Reit im Winkl: „Wir haben das nicht so schlimm empfunden, wie manche Nachbargemeinden“, sagt er. Auf der Winklmoosalm hätte zum Teil viel Betrieb geherrscht, sodass die Gemeinde teilweise die Anzahl der Autos auf der Mautstraße begrenzen musste. Für den Winter vermute er, dass Skitouren und Schneeschuhwanderungen zunehmen. „Solange die Lifte nicht gehen, mache ich mir keine Sorgen, dass unsere Parkplätze knapp werden. Wir haben zwei zusätzliche Parkplätze im Ortsgebiet, außerdem werden wir Loipen und Warteplätze verbreitern.“

Langlaufen und Skitouren erlaubt

„Individualsport an der frischen Luft ist alleine, mit einer weiteren Person aus einem anderen Haushalt oder mit dem eigenen Haustand erlaubt“, so Oliver Platzer, Pressesprecher des Bayerischen Staatsministeriums. Geschlossen bleiben aber nach wie vor alle Sportstätten. Eine Piste beziehungsweise Loipe zähle laut Platzer nicht dazu.

Mehr zum Thema

Kommentare