Interview

Verschwinden Corona-Antikörper? RKI-Studie in Bad Feilnbach könnte auch darauf Antworten geben

Eine Aufnahme von Coronaviren (SARS-CoV-2) unter dem Elektronenmikroskop.
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Das große Unbekannte: Eine Aufnahme von Coronaviren (SARS-CoV-2) unter dem Elektronenmikroskop. Bei einigen früh erkrankten Patienten sollen die Antikörper gegen das Virus schon wieder weg sein. Das RKI erhofft sich auch darüber Erkenntnisse aus der Feilnbach-Studie.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Bad Feilnbach – Deutschlands erster Covid-19-Patient behauptet, keine Antikörper gegen das Corona-Virus mehr zu haben. Was heißt das für die Studie in Bad Feilnbach? Die OVB-Heimatzeitungen fragten Projektleiterin Claudia Santos-Hövener. Sie sagt: Die Studie bringt auf jeden Fall wichtige Erkenntnisse.

Patient 1 gibt an, keine Antikörper mehr zu haben. Darüber hinaus gibt es Studien, die zum selben Ergebnis kommen: Anti-Körper können wieder verschwinden. Wie sind Ihre Erkenntnisse?

Claudia Santos-Hövener: Da gibt es verschiedene Studien, die zeigen, dass der Antikörpernachweis runtergeht. Aber dazu können wir so noch nichts sagen. Es ist so, dass wir die Erkenntnisse anderer Studien einbeziehen, und dann kann man das hochrechnen. Man muss auch die Sensitivität und Spezifität verschiedener Testungen betrachten (Sensitivität bedeutet, wie sicher ein Test Krankheit erfasst, Spezifität gibt an, wie zuverlässig ein Test einen Gesunden erkennt).

Projektleiterin Claudia Santos-Hövener.

Würde das nicht die Studie des RKI in Bad Feilnbach entwerten?

Santos-Hövener: Wir wenden ein aufwändiges und konservatives Verfahren an. Zum Beispiel machen wir einen Neutralisationstest, um Wechselwirkungen mit anderen Viren auszuschließen. Wir tun das, was wir tun können. Es kann sein, dass bei einigen Menschen tatsächlich keine Antikörper nachzuweisen sind. Wir fragen aber auch, wer eine Infektion hatte, also würden die uns nicht komplett durch die Lappen gehen. Wie viele von denen, die angegeben haben, dass sie infiziert waren, jetzt keine Antikörper mehr haben: Auch das wäre eine wichtige Erkenntnis.

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Die Studien ergeben überhaupt ein uneinheitliches Bild. Die einen berichten von geringer Letalität, die anderen, zuletzt aus Italien, lassen Corona als viel gefährlicher sogar für Junge erscheinen…

Santos-Hövener: Das liegt an der Population. Man muss sich die Grundgesamtheit der Bevölkerung ansehen. Wenn da mehr Ältere leben, mehr Menschen mit Vorerkrankungen, dann ist die Wahrscheinlichkeit auf eine höhere Sterblichkeit größer, als wenn man sich eine Bevölkerung mit vielen jungen und gesunden Menschen anschaut. Dann die Möglichkeiten der Versorgung, die haben auch einen Einfluss darauf, wie viele Menschen sterben, ebenso, wie schnell sie zum Arzt gehen. Da gibt es sehr viele unterschiedliche Faktoren.

Was können Sie denn nun schon über Bad Feilnbach sagen?

Santos-Hövener: Wir wissen, dass wir über die erforderliche Marke von 2000 Teilnehmern gekommen sind. Wir sind in der Phase der Laborauswertung. Wir sind optimistisch, dass wir Ende August Ergebnisse haben werden. Es wird dann eine Pressekonferenz vor Ort geben.

Gibt es Trends in Bad Feilnbach?

Santos-Hövener: Gibt es noch nicht. Derzeit wird immer noch Langfragebogen abgefragt, deswegen können wir da nichts sagen. Wir haben die Fragen nach verschiedenen Veranstaltungen in den Fragebogen aufgenommen, die können noch bis in den August hinein ausgefüllt werden. Was Sie übrigens wirklich gerne nochmals schreiben könnten...

...ja, bitte?

Santos-Hövener: Dass die Leute bitte mitmachen sollen. Wir wollen die Leute nochmals erinnern, wir wollen ja, dass möglichst viele mitmachen und den Bogen ausfüllen. Von möglichst vielen Teilnehmern an der Studie brauchen wir den Langfragebogen. Erst nach Abschluss dieser Umfrage werden wir sehen, was wir daraus ableiten können.

Corona-gebeutelte Gemeinde: Anfang April mussten aus einem Senioren- und Pflegeheim zahlreiche Bewohner verlegt werden, nachdem das Coronavirus dort massiv um sich gegriffen hatte.

Ob zum Beispiel so etwas wie das Alpen-Brass-Festival als Beschleuniger gewirkt hat...

Santos-Hövener:...oder ob es, wie Bürgermeister Anton Wallner sagt, Rückkehrer aus dem Skiurlaub waren. Wie sehen uns die Reisetätigkeit genauso an wie viele anderer Bereiche, wie soziale Kontakte, Schulabschluss, Verhalten in Alltag und Freizeit, körperlichen Zustand und Vorerkrankungen und vieles mehr.

Das könnte manchem Feilnbacher Sorgen machen, man forsche ihn aus.

Santos-Hövener: Die Antworten sind nicht zu einer Person zurückzuverfolgen, die Menschen bleiben anonym.

Apropos Urlaub: Wird‘s Ihnen angesichts der vielen Menschen, die in Frankreich oder gar Spanien mit seinen steigenden Fallzahlen Urlaub machen, Angst und bang?

Santos-Hövener: Angst und bang nicht. Wir beobachten das natürlich. Es ist noch nicht klar, was das für Deutschland bedeutet. Was wir sagen können: Es ist wichtig, eine gute Teststrategie zu beobachten. Das ist wichtig, für uns ist das sehr relevant: dass wir weiter beobachten.

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