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Inzidenz in Rosenheim nährt sich der 1000

Drohen Gerichtsprozesse? Gemischte Reaktionen auf Söders harte Corona-Notbremse

Ministerpräsident Markus Söder (Archivbild).
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Ministerpräsident Markus Söder (Archivbild).
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die von Ministerpräsident Markus Söder angekündigte „harte Corona-Notbremse“ findet nicht überall Zustimmung. Die Region Rosenheim gehört zu den Kandidaten für einen Lockdown.

Rosenheim – Sie steigen. Mal rasanter, mal sanfter. Zuletzt sprangen sie sogar: Die Inzidenzzahlen im Landkreis und in der kreisfreien Stadt Rosenheim steuern hart auf die Marke von 1000 zu. Die Pegelstände am Freitagabend: gut 970 im Landkreis Rosenheim, die kreisfreie Stadt bei 819.

Volle Kraft voraus auf die Sandbank: Bei der Dynamik ihres Infektionsgeschehens scheint die Region den Lockdown kaum mehr vermeiden zu können.

Damit droht die „harte Notbremse“, die Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittag angekündigt hatte. Bei Hotspots mit der Inzidenz über 1000 müsse „alles geschlossen werden“, Gastronomie, Hotellerie, Sport, Kultur, Friseur.

Rosenheims OB Merz sieht Lockdown kommen

„Das sehe ich so kommen“, sagte Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März (CSU) am Freitagabend den OVB-Heimatzeitungen. „Ich glaube, dass es nicht mehr anders geht, insofern sind die Maßnahmen angemessen.“ Bei der explosiven Dynamik des Infektionsgeschehens im Südosten Oberbayerns kann er sich sogar weitergehende Maßnahmen wie Impfpflicht und Kontaktbeschränkungen vorstellen.

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Auch Landrat Otto Lederer (CSU) äußert Verständnis für den erneuten harten Kurs der Staatsregierung. Er halte die Maßnahmen, so drastisch sie seien und so schwierig sich die Situation für Betroffene darstelle, für „geeignet, das Infektionsgeschehen mit seinen Folgen für das Gesundheitswesen einzudämmen“. Grundsätzlich solle man sich nach den bestehenden Grundsätzen wie den AHA-Regeln orientieren und auch Kontakte so weit wie möglich einschränken. Aber: „In der jetzigen Situation braucht es wohl tatsächlich schärfere Maßnahmen.“

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Die Frage ist wohl nicht mehr ob, sondern wann die Region die Lockdown-Latte reißt. Anfang der kommenden Woche könnte der kritische Punkt erreicht sein. Stark betroffen wäre wie schon Ende des vergangenen Jahres die Gastronomie. Das Gastgewerbe reagierte gestern „fassungslos“ auf die Verschärfungen, wie es in einer Pressemitteilung des Verbands hieß.

Die Entwicklung der Corona-Lage in der Region Rosenheim binnen einer Woche (Stand 19. November 2021).

Gastronomie erwägt rechtliche Schritte

„Wir behalten uns vor, dies auch gerichtlich auf Verhältnismäßigkeit zu prüfen“, sagt der Dehoga-Landesgeschäftsführer, Thomas Geppert aus Bad Aibling. Auch der AfD-Landtagsabgeordnete Franz Bergmüller aus Feldkirchen-Westerham, bezeichnete die Regeln für die Gastronomie als „schlichtweg unverhältnismäßig“.

Auf wenig Gegenliebe stößt die drohende „Notbremse“ bei der Dehoga-Kreisvorsitzenden Theresa Albrecht: Sie sei „nicht praktikabel für die Branchen, die Vorlauf brauchen“. Außerdem findet sie es „unfair, dass die Geimpften wegen der vielen Ungeimpften Einschränkungen erdulden müssten“. Da ist sie nicht die einzige, wie Andreas März‘ bedauerndes Fazit verdeutlicht: „Es ist schade, man hätte es so gut abfedern können, wenn sich viel mehr Leute hätten impfen lassen.“

Eine Mischung aus Verständnis, Frust und Ärger: So kann man die Reaktion auf die Entscheidung der Staatsregierung beschreiben. Zu den Betroffenen gehört auch Max Fahrenschon aus Großkarolinenfeld. Als Schausteller bedauert er etwa die Absage der Christkindlmärkte. Aber er äußert auch Verständnis. Man müsse die Allgemeinheit im Auge haben, „wir leben ja nicht auf einer Insel“.

Allerdings ärgert auch er sich, „dass wir und die ganze Branche, dazu Kultur und Hoteliers die Zeche dafür zahlen müssen, dass viele Leute leichtsinnig sind“. Ach, das Impfen: Auch Otto Lederer appelliert eindringlich an die Menschen, das nachzuholen.
Aber: Selbst wenn die Impfkampagne wieder ins Laufen kommen sollte, ist die zeitweilige Überlastung des Gesundheitssystems womöglich nicht mehr aufzuhalten.

„Stimmung ist katastrophal“

„Die Stimmung ist katastrophal“, berichtet OB März aus seinen Gesprächen mit dem Romed-Klinikumsverbund. Das Personal sei ziemlich am Ende, und noch habe die Welle das Klinikum gar nicht voll erwischt. „Da werden drei Wochen Lockdown möglicherweise gar nicht ausreichen“, schwant es dem Oberbürgermeister.

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