Homeoffice statt Büro: Diese Bahn-Pendler aus der Region dürfen auf Kulanz hoffen

  • vonVolkhard Steffenhagen
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Mit der Coronakrise verschlug es tausende Pendler in der Region von einem auf den anderen Tag ins Homeoffice. Die Jahreskarten für die Regionalbahnen? Plötzlich nutzlos. Die Aussichten auf eine Rückerstattung erscheinen jedoch verschwindend gering.

Rosenheim – Auf den Bahnsteigen der Bahnhöfe im Rosenheimer Land kehrt langsam das gewohnte Leben wieder ein. Wo sich sonst Hunderte von Pendlern vom Meridian zu ihren Arbeitsplätzen chauffieren ließen, hatte seit dem Lockdown Stille geherrscht. Und noch jetzt arbeiten viele Menschen zu Hause, im Homeoffice.

Einbruche von bis zu 90 Prozent bei den Fahrgastzahlen

Mit schwerwiegenden Folgen gerade für die regionalen Mobilitätsanbieter. Die Fahrgastzahlen des ersten Quartals seien um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, sagt ein Sprecher von Bayerischer Oberlandbahn und Regionbahn.

„Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die massiven Einbrüche der Fahrgastzahlen aufgrund der Corona-Krise erst ab Mitte März zum Tragen kamen“, sagt der Sprecher. „Da hatten wir Einbrüche von bis zu 90 Prozent zu verzeichnen.“ Noch jetzt befinde man sich erst auf 60 Prozent des normalen Aufkommens.

Verkehrskapazitäten runtergeschraubt

Aufgrund der aktuellen Situation belieben Konsequenzen für den laufenden Bahnbetrieb nicht aus. „Wir haben in Absprache mit den zuständigen Behörden unsere Verkehrsleistungen im Schnitt jedoch auf lediglich 80 Prozent reduziert", erklärt ein Sprecher der Bayerischen Oberlandbahn GmbH, beziehungsweise der Bayerischen Regiobahn GmbH (BRB). So wolle man Menschen in systemrelevanten Berufen ermöglichen, den Weg zwischen Zuhause und Arbeitsplatz mit der Bahn zurückzulegen.

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Was bleibt dem Arbeitnehmer im Homeoffice? Die Erinnerungen ans Pendeln, wenn die Kosten für das Abo-Ticket abgebucht werden. Immerhin kostet ein Monatsticket zwischen Rosenheim und München gute 220 Euro. Der Vertrag lässt oftmals keine kurzfristigen Kündigungen zu. In anderen vom Corona-Virus betroffenen Bereichen werden Gutscheine oder andere Ausgleiche diskutiert. Dazu der Sprecher der BRB: „Unsere Tarifbestimmungen sehen eine Erstattung nicht vor, zumal das Verkehrsangebot weiterhin bestand.“

Erstattungen hängen vom Unternehmen selbst ab

Grundsätzlich hängen Erstattungen vom jeweiligen Eisenbahnunternehmen oder Verkehrsverbund ab. Eine Sprecherin der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, im Auftrag des Freistaats Bestellerin des Nahverkehrsangebotes, berichtet über die Möglichkeit einer Kulanzregelung. Es gebe gerade Verhandlungen zwischen Eisenbahnverkehrsunternehmen, dem Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und dem Tarifverband der Bundeseigenen und Nicht-Bundeseigenen Eisenbahnen (TBNE).

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Wie das aussehen könnte, sei noch nicht ganz geklärt. Ziel sei es, eine möglichst bundeseinheitliche Entscheidung zu treffen, die gleichermaßen Interessen der Kunden und der Verkehrsunternehmen berücksichtigt.

Bayern-Tickets konnten storniert werden

Für einige Kunden gelten Sonderregelungen, erklärt der BRB-Sprecher: Reisende im Nahverkehr mit einer Einzelfahrkarte oder einem Pauschalpreisticket des DB-Tarifs – etwa Bayern-Ticket oder Schönes-Wochenende-Ticket – konnten ihre Reise „kostenfrei stornieren“.

Das Bearbeitungsentgelt sei entfallen, für die Stornierung habe sich der Reisende an das verkaufende Unternehmen wenden müssen. Folglich habe man nur die Tickets erstattet, „die auch bei uns gekauft wurden“. Einzelfahrkarten und Pauschalpreistickets des Haustarifs wie das BOB-MVV-Ticket wurden ebenfalls kostenfrei erstattet.

Abo-Kunden haben das Nachsehen

Auf der Strecke bleiben die Abo-Kunden. „Für Zeitkarten und Verbundfahrkarten gelten die Tarifbestimmungen“, erklärt der BRB-Sprecher. Heißt: „Es ist keine Erstattung vorgesehen.“ Die Corona-Krise macht auch dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) schwer zu schaffen, allein schon dadurch, dass viele Fahrgäste in den schönen Frühlingstagen der Bahn lieber fernblieben.

Ob angesichts dieser Situation die Abo-Kunden mit einer Kulanzregelung rechnen können, bleibt offen. Fraglich ist auch, ob die Abo-Kunden ihrem Verkehrsbetrieb treu bleiben und nicht doch wieder auf das Auto umsteigen. Angesichts stark ausgelasteter Züge zu den Hauptverkehrszeiten fürchten noch immer viele Menschen eine erhöhte Ansteckungsgefahr.

Wie in Bahnen Corona vorgebeugt wird

„Für Fahrten mit uns können wir sagen: Wir haben massive Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt, die von Beklebungen an den Außenseiten der Türen bis hin zu Durchsagen bei der automatischen Türöffnung gehen. Alle Mitarbeitenden sind mit Mund-Nasen-Bedeckungen ausgestattet. Die Reinigungsmaßnahmen an Bord unserer Züge, die ohnehin bereits sehr intensiv waren, haben wir zusätzlich intensiviert“, sagt der BRB-Sprecher.

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