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Rosenheimer Ärztevertreter warnen

Angebot ohne Nachfrage? Die Apotheken-Impfung sorgt nicht nur bei Ärzten für Verwunderung

Auch in der Rosenheimer Heilig-Geist-Apotheke von Dominik Simon können sich Impfwillige seit heute gegen das Corona-Virus impfen lassen. 
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Auch in der Rosenheimer Heilig-Geist-Apotheke von Dominik Simon können sich Impfwillige seit heute gegen das Corona-Virus impfen lassen. 
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  • Nicolas Bettinger
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Ab Dienstag (8. Februar) gehören auch die Apotheker zum Personal der Corona-Impfkampagne. Mit einem großen Ansturm rechnen die Pharmazeuten nicht. Und auch niedergelassene Ärzte wundern sich, warum es nun noch Apotheker braucht, um zu impfen.

Rosenheim – Es ist nicht so, dass Dr. Fritz Ihler das Gefühl hat, die Apotheken nähmen ihm die Kundschaft weg. Der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim hat personell keine Schwierigkeiten, die Impfwünsche seiner Patienten zu erfüllen. „Sowohl im Impfzentrum als auch bei den niedergelassenen Ärzten haben wir ausreichende Kapazitäten“, findet Ihler. Und seit heute kommt eine weitere Anlaufstelle hinzu, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen: die Apotheken.

Kein Ansturm zu erwarten

Einen Ansturm an Impfwilligen erwartet man dort nicht. „Wir impfen im Moment noch gar nicht. Das liegt daran, dass die Nachfrage gar nicht so groß ist“, schildert Jörg Heider, Inhaber der Wasserburger Apotheke am Burgerfeld. „Wir bereiten zwar im Hintergrund vor und stehen bereit, sollte die Nachfrage steigen, aber auch die Ärzte in Wasserburg sind derzeit nicht ausgelastet, was das Impfen angeht“, gibt der Apotheker zu bedenken.

Bevor dies nicht der Fall sei, halte man sich zurück. „Sollte die Nachfrage aber durch den neuen Novavax-Impfstoff nochmal steigen, stehen wir bereit“, versichert Heider. Dann jedoch in Zusammenarbeit mit einem Arzt, der die Injektionen vornehmen soll. „Apotheker können dies zwar auch – das ist ja kein Hexenwerk – aber eine solche Lösung ist einfach entspannter für mich“, sagt Heider.

Ausbildung für einfachen Handgriff

Denn einfach so impfen, dürfen die Apotheker freilich nicht. Das berichtet auch Dominik Simon, Inhaber der Rosenheimer Heilig-Geist-Apotheke. Zwei seiner Pharmazeuten haben eigens einen Kurs absolviert, damit sie die Corona-Impfstoffe verabreichen dürfen. Ein wenig Praxis, ein wenig Theorie, vor allem aber Erste Hilfe seien Bestandteil des Kurses gewesen. Wie reagiert man richtig, wenn der Impfling auf die verabreichte Dosis allergisch reagiert?

Das sei wohl auch der Grund, warum man den Apothekern den doch eher einfachen Handgriff, eine Injektion in den Oberarm zu verabreichen, nicht ohne Vorbereitung zugestehen wollte, vermutet Mediziner Fritz Ihler. Denn auf diese sogenannten Anaphylaxien richtig zu reagieren, gehöre für impfende Ärzte zur Routine. Entsprechend versteht er nicht, warum nun auch die Apotheker in die Impfkampagne einbezogen werden sollen. Zumal es nicht so ist, dass Impfkandidaten Ihlers Hausarzt-Kollegen oder dem Impfzentrum derzeit die Bude einrennen würden.

Mangel an Räumen und Personal

Das ist auch der Grund, warum sich beileibe nicht alle Apotheken an der Impfkampagne beteiligen. Darunter in Bad Aibling. Dort arbeitet Elke Wanie sowohl in der Linden- als auch in der Frühlingsapotheke. Keine der beiden will sich vorerst an der Impfkampagne beteiligen, berichtet das Vorstandsmitglied der bayerischen Landesapothekenkammer.

Dass man sich hier zunächst nicht an der Impfaktion beteiligt, liege demnach nicht nur an den Anforderungen, wie einer speziellen Fortbildung oder einer Auffrischung des Erste-Hilfe-Ausweises des entsprechenden Apothekers.

Auch der Mangel an Räumen und die Personalnot, die nicht zuletzt durch Corona- und Quarantäne-Ausfälle herrsche, verhindere, dass in vielen Aiblinger Apotheken geimpft werde. „Dazu muss man auch sagen, dass wir hier in Bad Aibling sehr gut aufgestellt sind mit impfenden Ärzten und der Impfstation“, sagt Wanie. In anderen Regionen, etwa dort, wo es weniger Impfangebote gibt, sei eine Beteiligung von impfenden Apotheken noch wichtiger.

„Wir schaffen es locker“

Der Rosenheimer Dr. Nikolaus Klecker ist Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands. Er und seine ärztlichen Kollegen seien von der Entscheidung der Politik, Apotheker gegen das Corona-Virus mitimpfen zu lassen, alles andere als begeistert. Gelinde gesagt. „Sie merken, wir sind angefressen“, sagt der Internist und Allgemeinmediziner im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Für ihn ist es völlig unverständlich, warum noch Apotheker und andere Fachgruppen in die Impfungen miteingebunden werden sollen. Zumal erst jetzt, wo das Interesse an Impfungen merklich abnehme. „Wir schaffen es locker“, sagt Klecker. Und er warnt. Nicht, weil er den Apothekern nicht zutraut, dass sie eine einfache Injektion in Oberarm eines Menschen zustande brächten. „Darum geht es hier nicht“, sagt Klecker. Aber um die Komplikationen, die sich durch eine allergische Reaktion ergeben können. Um hier richtig und zügig reagieren zu können, reiche ein Schnellkurs über einige Stunden nicht aus.

Ärztevertreter warnt vor Risiken

Klecker ist nicht nur als Hausarzt tätig, sondern fährt auch Notarztschichten. Gerade in der angespannten Corona-Lage sei es längst nicht mehr gewährleistet, dass neben dem Rettungsdienst auch ein Notarzt rechtzeitig vor Ort sein kann, der im Zweifel auch unter schwierigen Bedingungen in der Lage ist, einen Zugang für die intravenöse Gabe von Medikamenten zu legen. Er kann Apotheker nur davor warnen, selbst Impfungen an Patienten vorzunehmen.

Heidi Jungbeck, Inhaberin der Apotheke im Ärztezentrum Bernau, hat besagte Fortbildung schon Anfang Januar durchlaufen und fühlt sich gut gewappnet. Ob weitere Mitarbeiter geschult werden, hänge von der Nachfrage ab, die sie noch gar nicht abschätzen könne. In der Apotheke an der Chiemseestraße ist schon ein eigener Impfraum eingerichtet worden, denn die Patienten sollen sitzend auf einer Liege geimpft werden.

Professor Dr. Angelika Mautes, Inhaberin der Katharinen-Apotheke in Prien, hat die geforderten Lernmodule zum Teil schon mit ihrem Personal durchgearbeitet und wird selbst am Wochenende noch an einer letzten Schulung teilnehmen. Eine Liege für die Impfpatienten hat sie schon bestellt.

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