Corona-Angst in Rosenheimer Asylunterkunft: „Wissen nicht, wie wir uns schützen sollen“

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17 der 50 Bewohner der Unterkunft an der Karlsbader Straße sind positiv auf das Coronavirus getestet worden.
  • Katrin Woitsch
    vonKatrin Woitsch
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Mehrere Asylbewerberheime in Stadt und Landkreis Rosenheim sind unter Quarantäne gestellt worden, nachdem sich Bewohner mit dem Coronavirus infiziert haben. Andere Landkreise versuchen in derartigen Fällen, Gesunde und Infizierte räumlich zu trennen. „Diese Möglichkeit haben wir nicht“, sagt die Stadt.

Rosenheim – Leon Abimbola (Name geändert) hat Angst. Davor sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Oder dass sich seine schwangere Freundin oder die beiden kleinen Kinder anstecken. Und er hat Angst, seine Arbeitsstelle als Lagerrist bei einem Lebensmittelbetrieb zu verlieren. Beide Ängste sind nicht unbegründet. Denn der 42-Jährige lebt in einer Asylbewerberunterkunft in Rosenheim. 17 der rund 50 Bewohner sind vor wenigen Tagen positiv auf das Coronavirus getestet worden, die Einrichtung wurde komplett unter Quarantäne gestellt. Keiner der Bewohner darf mehr raus. Auch nicht zur Arbeit.

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Leon Abimbola hat seinen Arbeitgeber informiert – aber die nötige Bestätigung, dass die Asylunterkunft unter Quarantäne steht, kann er nicht vorlegen. Er hat sie noch nicht bekommen. „So wie mir geht es vielen Bewohnern hier“, sagt er am Telefon. Einige sind nicht da, sie sind nicht mehr erschienen, seit sie gehört haben, dass es Coronafälle gibt. Abimbola hat Angst vor der Ansteckung. „Wir benutzen dieselben Küchen, dieselben Toiletten und Duschen wie die Infizierten“, sagt er. Einmal sei Mundschutz ausgeteilt worden. Doch den hätten viele inzwischen nicht mehr. Auch das Desinfektionsmittel ist aufgebraucht. „Wir wissen nicht, wie wir uns schützen sollen“, sagt er.

Schutzmasken für alle Bewohner

Die Stadt Rosenheim, die die Unterkunft betreibt, bestreitet, dass es für die Bewohner keine Schutzausrüstung gebe. „Alle haben Schutzmasken bekommen und auch Desinfektionsmittelspender und Seife stehen zur Verfügung“, betont Sprecher Thomas Bugl. Mehr davon könne über den Sicherheitsdienst angefordert werden.

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Allerdings sagt er auch, dass es in der Unterkunft räumlich keine Möglichkeit gebe, die Infizierten zu isolieren. „Deshalb musste die Quarantäne für die gesamte Unterkunft ausgesprochen werden.“ Die Stadt weiß, dass die Folge zwangsläufig sein könnte, dass sich die meisten Bewohner infizieren und danach gegen das Virus immun sein werden. „Alle werden regelmäßig getestet“, betont Bugl. Wann die Quarantäne wieder aufgehoben werden kann, könne er aktuell nicht sagen. Zumindest die Bescheinigungen für die Arbeitgeber hätten die Flüchtlinge inzwischen aber erhalten.

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Nicht nur in Rosenheim sind die Asylunterkünfte ein Brennpunkt, was die Infektion mit dem Virus betrifft. Die Menschen leben auf engem Raum zusammen, nicht alle schätzen das Virus richtig ein oder sind ausreichend über Vorsichtsmaßnahmen informiert.

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Einige Landkreise gehen andere Wege als Rosenheim, um zu vermeiden, dass sich mehr und mehr Bewohner infizieren. So ist in Bad Tölz-Wolfratshausen beispielsweise eine leere Unterkunft für Corona-Infizierte in Betrieb genommen worden. „Diese Möglichkeit haben wir schlichtweg nicht“, sagt Bugl. In Rosenheim gebe es keine leeren Unterkünfte. Die Stadt könne nicht mehr tun, als sie bereits getan habe.

Ausnahmen nur bei Immunität

Für Leon Abimbola und die anderen Bewohner bedeutet das, dass sie die Unterkunft so schnell nicht mehr verlassen werden. Vermutlich wird die Quarantänezeit wegen Neuinfektionen deutlich länger als zwei Wochen dauern. Aufgehoben wird sie nur für die Bewohner, die das Virus hatten und bereits nachweislich dagegen immun sind.

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