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Kliniken und Hausärzte extrem belastet

Alarmstufe Dunkelrot und Druck auf Ungeimpfte: Impfnachfrage in der Region Rosenheim steigt

Keine dritte Impfung: Beim Rosenheimer Impfzentrum ist ein Rohrdorfer damit gescheitert, seinen Impfschutz auffrischen zu lassen.
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Das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim auf der Loretowiese.
  • Rosi Gantner
    VonRosi Gantner
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Der Druck auf Ungeimpfte wächst: 2G in Hallenbädern, Fitnessstudios, Kinos, Clubs und Theater - Ungeimpfte müssen draußen bleiben. Das scheint zu wirken: Die Nachfrage nach an einer Corona-Impfung zieht wieder an, zumindest in der Region Rosenheim. Gleichzeitig melden Hausärzte und Kliniken Dunkelrot.

Rosenheim – In den Hotspot-Regionen im Südosten Oberbayerns gelten die verschärften Corona-Regeln bereits seit vergangener Woche, nun greifen sie bayernweit. Sportstätten, Fitnessstudios, Theater, Kinos, Clubs und Seilbahnen bleiben von Dienstag, 9. November, an nur noch Geimpften und Genesenen vorbehalten („2G“). In Gaststätten und Hotels gilt „3G plus“ (PCR-getestet). Der Druck auf Ungeimpfte steigt – und damit auch das Interesse an der Corona-Impfung?

Lage weiter angespannt

In der Region Rosenheim, wo die Lage in den Kliniken und auch bei Hausärzten extrem angespannt ist, ist zumindest in punkto Impfung ein leichter Hoffnungsschimmer zu bemerken. Das bestätigen unisono das Impfzentrum wie auch Hausärztevertreter.

Anstieg um 60 Prozent

Allein im gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Landkreis auf der Loretowiese ist die Zahl der Erstimpfungen in der ersten Novemberwoche gegenüber der Vorwoche um etwa 60 Prozent gestiegen (von 557 auf 890; Zweitimpfung: 713 auf 739). Mit dieser steigenden Tendenz rechnet die Stadt Rosenheim, die das Impfzentrum betreibt, auch in dieser Woche. Zwischenzeitlich sind wieder vier Impfstraßen in Betrieb. „Da neben den gestiegenen Zahlen auch mehr Beratungsaufwand notwendig ist“, wie ein Sprecher auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen erläutert.

Die Impfquote in Stadt und Landkreis Rosenheim (Stand 7. November 2021).

Großes Interesse am Booster

Groß ist das Interesse zudem an den Booster-Impfungen. Deren Anzahl hat sich seit Anfang Oktober mehr als verdreifacht - von 264 in der ersten Oktoberwoche auf 1018 in der ersten Novemberwoche. Anspruch auf eine Auffrischungsimpfung hat inzwischen jeder Impfwillige, sofern sein vollständiger Impfschutz sechs Monate zurückliegt. Aufgrund des zunehmenden Interesses empfiehlt die Stadt Rosenheim Interessierten, einen Termin zu vereinbaren (online unter impfzentrum.bayern oder Telefon 0 80 31/365-88 99).

Beim Sonderimpftag der VHS Rosenheim bildeten sich lange Schlangen in den Fluren. Das Interesse war groß.

Ansturm bei VHS-Sonderimpftag

Das plötzliche Interesse verspürte ganz aktuell auch die VHS Rosenheim, die Montag zum Sonderimpftag eingeladen hatte – und sich plötzlich vor Impfwilligen kaum mehr retten konnte. In den Fluren bildeten sich lange Schlangen. Die Impfbereiten: aus der gesamten Region, von Aschau bis Raubling, von Oberaudorf bis Kolbermoor. Die einen kamen zur Booster-Impfung, die anderen, weil das Angebot schnell und unkompliziert erreichbar war, quasi ums Eck von der Arbeit aus. Wieder andere schlugen bei der VHS auf, weil aufgrund der Regelverschärfungen hin zu 2G der Druck in der Tat wächst – „man darf ja sonst nichts mehr machen“, bemerkte dazu ein junger Mann mit Zähneknirschen.

Lesen Sie auch: Maskenpflicht in Schulen und Auffrischungsimpfungen sollen gegen hohe Inzidenz helfen

Hausärzte bemerken zunehmendes Interesse

Eine Erfahrung, die zunehmend auch die Hausärzte machen. „Das Interesse an einer Impfung ist deutlich gestiegen“, sagt Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands mit Hausarztpraxis in Rosenheim. „Die Flaute ist vorbei.“ So mancher Impfskeptiker ließe sich nun doch überzeugen. „Sie kommen schön langsam aus ihren Verstecken raus.“

Nach wie vor Sorgen bereiten ihm indes die „Hardcore-Verweigerer“, von denen es noch viel zu viele gebe. „Es ist inzwischen eine Pandemie der Umgeimpften“, beklagt Ihler. „Wir können froh sein, wenn wir unserem Versorgungsauftrag noch nachkommen können, als Hausärzte wie auch die Kliniken.“ Denn der Andrang auf die Praxen nehme weiter zu. „Die Sprechstunden werden dominiert von grippalen Infekten mit und ohne Corona, wir sind an der Belastungsgrenze“, betont er.

Der Politik wirft Ihler „Führungsversagen“ vor: Man hätte den Druck weit früher erhöhen müssen. „Jetzt haben wir eine Notsituation, mir ist unbegreiflich, wie man so lange warten konnte.“

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Dr. Klecker: Worauf warten wir - bis alles zusammenbricht?

Dem kann Dr. Nikolaus Klecker, Vertreter des Bayerischen Hausärzteverbands in der Region mit Hausarztpraxis in Rosenheim, nur beipflichten: „Pflegepersonal, Ärzte, Mitarbeiter, wir sind alle am Limit. Wir arbeiten bis zur Erschöpfung, und die Politik macht die Augen zu.“ Seine Meinung: Der Druck auf Ungeimpfte müsse weiter erhöht werden.

Kleckers Forderung: zumindest flächendeckend 2G wie im Nachbarland Österreich, wenn nicht gar eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie Pflegekräfte und Mediziner. Klecker: „Österreich hat einen mutigen und richtigen Schritt getan, doch worauf warten wir? Bis alles zusammenbricht?“

Klinik-Ampeln auf Dunkelrot

In den Romed-Kliniken ist die Lage weiter höchst angespannt, wie eine Sprecherin aktuell erklärte. Die Ampeln leuchten dunkelrot. Inklusive Verdachtsfälle ist die Zahl der Covid-Patienten am Montag auf 105 angestiegen, womit erstmals in dieser vierten Welle die Marke 100 gerissen wurde.

Besagte Patienten verteilen sich auf 92 bestätigte Fälle, die sich in stationärer Behandlung befinden (Freitag: 74), davon 16 auf Intensivstation (Freitag: 14), und 13 Verdachtsfälle. Zwei Intensivpatienten müssen beatmet werden.

Krisensitzung am Dienstag

In einer Krisensitzung wird am Dienstag in den Romed-Kliniken erneut über die prekäre Lage beraten und nach Möglichkeiten gesucht, die Kapazitäten zu erweitern.

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