Vor über 70 Jahren gegründet

Christbaumkugeln für Rosenheim und die Welt: Die Geschichte des Familienunternehmens Krebs

Christbaumkugel-Trends der Marke „Krebs und Sohn“ und „Krebs Glas Lauscha“
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Christbaumkugel-Trends der Marke „Krebs und Sohn“ und „Krebs Glas Lauscha“
  • vonKatharina Heinz
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Nicht nur Kinderaugen strahlen bei diesem Anblick: Ein festlich geschmückter Christbaum lässt das Herz höherschlagen. Wer etwas Besonderes an den Baum hängen will, der greift zur edlen Christbaumkugel aus Glas – und kommt am Firmennamen „Krebs“ nicht vorbei.

Von Katharina Heinz

Rosenheim – Vor über 70 Jahren gegründet, hat das Unternehmen bis heute nach eigenen Angaben einige 100 Millionen Weihnachtskugeln verkauft. Was heute vielen Rosenheimern vielleicht gar nicht mehr bewusst ist: Die Krebs-Christbaumkugeln stammen ursprünglich von hier.

Gegründet wurde die Produktion von Glas-Christbaumschmuck in Rosenheim im Jahr 1947, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, von Erika Krebs und ihrem Sohn Helmut. Erika Krebs verfügte über gute Kenntnisse in dieser Branche, da sie bis dahin einen Betrieb in Gablonz im Sudetenland geleitet hatte.

Christbaumkugeln made in Rosenheim

Nun folgten ereignisreiche Jahre für das Unternehmen. Der älteste Sohn Wolfgang übernahm die Firma in Rosenheim, die unter dem Namen „Krebs und Sohn“ bekannt wurde. Er musste sie aber in den 90er-Jahren aufgeben. Heute liegen die Namensrechte von „Krebs und Sohn“ bei der Firma Brauns Heitmann.

Der zweitälteste Sohn, Eberhard, gründete in den 70er-Jahren in Roswell in den USA die Firma „Christmas by Krebs“, die heute der Kern des Unternehmens ist. Laut Firmensprecher Bernd Feindor ist das der letzte große Hersteller von Glas-Christbaumschmuck, besitzt auch eine Produktionsstätte in Mexiko und wird inzwischen in der vierten Generation der Familie Krebs geführt. Den jüngsten Sohn, Michael Krebs, zog es an die Geburtsstätte der Christbaumkugel – nach Lauscha.

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Im thüringischen Lauscha spielt Christbaumschmuck aus Glas seit jeher eine große Rolle. Während der 50er-Jahre entstand dort eine große, zentrale Produktionsstätte, die „VEB Thüringer Glasschmuck“. Nach der Wende allerdings war nicht klar, wie es mit dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern weitergehen soll. Doch die Rosenheimer Familie Krebs wurde schließlich auf die Firma aufmerksam, übernahm 1991 die Produktionsstätte und führte die Herstellung von Christbaumkugeln unter der Leitung von Michael Krebs fort. Krebs Lauscha bedient heute den europaweiten Markt, teils mit mundgeblasenen und handgefertigten Unikaten. „In Rosenheim ist leider keine Produktion verblieben“, so Feindor. Einige Designer aus Rosenheim seien aber noch heute für die Krebs-Gruppe tätig und so bleibe noch immer ein Stück Rosenheim in vielen Produkten enthalten.

Krebs-Enkelin mit dem „Kugel-Fieber“

Eine letzte Bastion der Familie Krebs gibt es aber auch heute noch in der Region: Mit Sabine Bürger aus Großkarolinenfeld hat sich auch die Tochter von Wolfgang Krebs dem Christbaumschmuck verschrieben. Die Betriebswirtin führt seit zwölf Jahren einen Stand am Rosenheimer Christkindlmarkt, auf dem sie unter anderem die Krebs-Christbaumkugeln verkauft. „Als die Firma ,Krebs und Sohn‘ in Rosenheim aufgelöst wurde, ging es auch mit dem Christkindlstand zu Ende“, berichtet sie.

Der Wirtschaftliche Verband Rosenheim sei damals auf sie zugekommen, ob sie ihn nicht weiterführen wolle. Mit der Unterstützung ihrer Onkel legte sie los. 2009, zum Jubiläum des Marktes, kreierte sie erstmals eine Krebs-Rosenheim-Kugel. Seitdem gibt es jedes Jahr ein besonderes Motiv, das sie selbst gestaltet und in Lauscha produzieren lässt. Die Grundlage sind eigene Fotos oder Aufnahmen des Rosenheimer OVB-Fotografen Peter Schlecker.

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Heuer allerdings schaut die Vorweihnachtszeit auch für Sabine Bürger anders aus. Der Christkindlmarkt ist coronabedingt ausgefallen und ein Teil-Lockdown trübte die Weihnachtsstimmung. Statt am Max-Josefs-Platz Christbaumschmuck zu verkaufen, setzte die vierfache Mutter auf einen Garagenverkauf bei sich daheim

Trend: Heuer wird es klassisch

Das „Kugel-Fieber“, wie sie es selbst nennt, hat sie heuer dennoch gepackt. Als Expertin für Christbaumschmuck wählt sie jedes Weihnachten aus fünf verschiedenen Stilen, um den familien-eigenen Baum zu schmücken. Es gibt ein skandinavisches Design in Rot und Weiß, den besonders bei den Kindern beliebten „Disney-Baum“, den „Country-Baum“ in Wattefarben, das russische Design mit Väterchen-Frost-Motiven und Matruschkas oder den Klassiker in Cognac und Weinrot.

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„Ich denke, heuer wird es der klassische Baum“, meint sie. Generell, so beobachtet die Krebs-Enkelin, gebe es beim Christbaumschmuck keinen klaren Trend mehr. Erlaubt sei, was gefällt – oder eben klassisch in Rot-, Silber- und Goldtönen. „Gerade in schweren Zeiten sehnen sich die Menschen nach Tradition und Festlichkeit“, so Bürger. So hilft vielleicht ein prächtig geschmückter Baum in diesem Jahr, den ganzen Corona-Trubel kurzzeitig zu vergessen. Zumindest aber sorgt er für ein Strahlen in den Augen – nicht nur bei den Kindern.

Die Geburtsstätte der Christbaumkugel

Früchte und Nüsse aus bunt bemaltem Glas – vermutlich war es ein armer Glasbläser, der 1847 in Ermangelung echter Äpfel und Nüsse für seinen Weihnachtsbaum, die ersten Vorreiter der heutigen Christbaumkugeln schuf. Er stammte den Überlieferungen zufolge aus Lauscha in Thüringen, wo die erste urkundlich erwähnte Glashütte stand. Sie wird auf das Jahr 1657 datiert. 1898 wurden dort erstmals Weihnachtskugeln aus Glas produziert.

Kräftiges Pink und Erdtöne

Verspielt und natürlich – das ist das aktuelle Motto beim Christbaumschmuck der Marke „Krebs und Sohn“, die heute zum Unternehmen Brauns-Heitmann gehört. „Die Trends des Jahres 2020 gehen vom Verspielten in zarten bis kräftigen Pinktönen bis hin zum Thema Natur in Erdtönen“, erklärt Verena Voß von Brauns-Heitmann aus Warburg.

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