Ein liebevoller Ort für Sterbende

Chiemseehospiz in Bernau eingeweiht: Sicheres Zuhause für die letzte Lebensphase

Der Innenhof ist schon bepflanzt. Berger
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Der Innenhof ist schon bepflanzt. Berger
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Nur eine Handvoll Gäste konnte am Dienstagnachmittag bei einem denkwürdigen Moment dabei sein: In Bernau wurde das Chiemseehospiz eingeweiht. Ab 9. November können die ersten Patienten aufgenommen werden. Es stehen zehn hochmoderne Pflegebetten zur Verfügung und zwei Zimmer für Angehörige.

Bernau – Nach jahrelangen Planungen und gut eineinhalb Jahren Bauzeit gibt es jetzt einen Ort, wo Sterbende liebevoll und professionell betreut werden können: das Chiemseehospiz. Es ist die erste und einige stationäre Einrichtung dieser Art in der Region. Die Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land sowie die Stadt Rosenheim haben sie mit ihren ehrenamtlichen Hospizvereinen für 6,2 Millionen Euro an der Baumannstraße mitten in Bernau geschaffen.

Die Einweihungszeremonie am Dienstagnachmittag war von der Corona-Pandemie überschattet. Nur wenige handverlesene Gäste durften Günther Pfaffeneder, den Vorstandsvorsitzenden des gemeinsamen Kommunalunternehmens (gKu) der drei Landkreise und der Stadt Rosenheim beim Rundgang begleiten – allen voran Alois Glück. Der frühere bayerische Landtagspräsident und CSU-Politiker gilt als Motor der Hospizbewegung in der ganzen Region. Dank seiner Initiative entstand vor 15 Jahren der erste Hospizverein im Kreis Traunstein. Glück ist Vorsitzender des Fördervereins Chiemseehospiz. Er würdigte den Schulterschluss von vier Kommunen als „große Leistung“ und die Rolle des Hospiz als „große Entlastung für Angehörige“.

Übernachtung für Angehörige auf Wunsch möglich

Voraussichtlich ab 9. November können die ersten Patienten aufgenommen werden. Zehn Zimmer mit Duschen stehen für ebenso viele unheilbar kranke Menschen zur Verfügung, Angehörige können auf Wunsch dort mit übernachten. Zusätzlich gibt es zwei Gästezimmer.

Der „Raum der Stille“.

Betreut werden die Patienten von 16 professionellen Pflegekräften aus dem Kreis der 23 festangestellten Mitarbeiter, bei Bedarf zusätzlich von ehrenamtlichen Hospizhelfern sowie ambulant durch ihren Hausarzt oder einen niedergelassenen Arzt. Die Betreuung wird im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr gewährleistet.

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Zur Anlage, deren Bau  die Leser der OVB-Heimatzeitungen bei der Weihnachtsspendenaktion 2017 mit 600 000 Euro mit ermöglicht haben, gehören auch ein Pflegebad, eine Terrasse mit schönem Ausblick, ein „Raum der Stille“ für Gottesdienste und zur würdevollen Verabschiedung, der Patio (Innenhof) und eine Dachterrasse sowie ein Aufenthaltsraum mit Küche. Architektin Claudia Specht hob hervor, dass in den 30-Quadratmeter-Zimmern, die alle im Erdgeschoss nach Süden oder Westen liegen, genug Platz für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten sei, damit sich die Bewohner eine vertraute Atmosphäre schaffen können.

Von vielen Seiten Unterstützung für das Hospiz-Projekt

Rosenheims Landrat Otto Lederer, zugleich Verwaltungsratsvorsitzender des gKu, zeigte sich nach einem Rundgang sehr angetan von „Funktionalität und Emotionalität“ des Gebäudes.

Seelsorger der katholischen und evangelischen Kirche aus den örtlichen Pfarreien stehen zur Verfügung. Rosenheims Dekan Daniel Reichel segnete die Räume bei der Einweihung. Besorgungen des täglichen Bedarfs der Bewohner erledigen Mitarbeiter der Hauswirtschaft und das Pflegepersonal für die Patienten.

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Der Aufenthaltsraum mit Küche.

Unterstützung kam neben den OVB-Lesern auch von vielen anderen Seiten. „Es ist eine elementare gesellschaftliche Aufgabe, sterbende Menschen in der ihnen verbleibenden Lebenszeit zu begleiten“, kommentierte Bezirkstagspräsident Josef Mederer zum Beispiel einen Zuschuss von 100 000 Euro. Der Rotaryclub Rosenheim sammelte bei seinen Mitgliedern 30 000 Euro ein und ermöglichte so den Kauf zehn hochmoderner Pflegebetten.

Wenn die Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist

Für Patienten wird der Aufenthalt kostenlos sein. Die Philosophie des Personals, den unheilbar kranken Menschen eine Umgebung zu schaffen, in der sie ihren letzten Lebensweg gut behütet und in Ruhe bewältigen können, macht Pflegedienstleiterin Ruth Wiedemann deutlich: „Ein Hospiz ist vor allem ein Ort des Lebens, der uns alle betrifft. In dieser letzten Phase die größtmögliche Lebensqualität, unter Berücksichtigung der persönlichen Bedürfnisse zu schaffen, ist unser Ziel.“

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Die 52-Jährige hat viele Jahre Erfahrung in der Betreuung schwerkranker Menschen als stellvertretende Leiterin in einer Palliativstation und war 30 Jahre am Klinikum in ihrer Heimatstadt Traunstein beschäftigt.

Ein Blick in eines der Zimmer.

Das Chiemseehospiz Bernau wird erwachsenen Menschen mit unheilbaren Krankheiten und begrenzter Lebenserwartung (von wenigen Wochen oder Monaten) die Möglichkeit einer Unterbringung bieten, wenn ein Krankenhausaufenthalt nicht erforderlich ist, eine Pflege zu Hause aber nicht ausreicht oder nicht möglich gemacht werden kann. Nötig sind eine Bescheinigung des behandelnden Arztes und eine Genehmigung der Krankenkasse zur stationären Versorgung im Hospiz. Die beiden nötigen Formulare können bald auf der Homepage www.chiemseehospiz.de heruntergeladen werden.

Der Aufenthalt ist für Patienten kostenlos. Er finanziert sich zu 95 Prozent durch die Kranken- und Pflegekassen. Die verbleibenden fünf Prozent übernimmt der Träger der Einrichtung.

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