Chaos-Sonntag in Samerberg und Aschau: In den Bergen steigt die Blechlawinen-Warnstufe

Land-Lust nach den Lockdown-Wochen, kombiniert mit schönem Wetter nach Bibber-Tagen: Mit Blechlawinen hatte man in der schönen Region Rosenheim rechnen können. In Bad Feilnbach, am Samerberg und in Aschau aber sprach nicht nur die Polizei von teilweise chaotischen Zuständen.

Hoch „Quinlan“ trieb die Menschen ins Freie – und mancherorts den Blutdruck in die Höhe. „Das war Chaos“ sagte Samerbergs Bürgermeister Georg Huber über den Besucherandrang vor allem am Sonntag. Auch die Polizei registrierte einen deutlich stärkeren Ausflugsverkehr am vergangenen Wochenende. Das traumhaft sonnige Wetter habe „vielerorts Einheimische sowie auch zahlreiche Ausflügler aus dem Münchner Umland“ in das Inntal gelockt, berichtete Polizeioberkommissar Patrick Kern von der Polizeiinspektion Brannenburg.

Auf der Straße parken ist teuer

Vor allem im Bereich von Bad Feilnbach und Samerberg kam es nach Angaben der Polizei durch die vielen Ausflügler an den Wanderparkplätzen „immer wieder zu erheblichen Verkehrsbehinderungen“. Schon gegen 10 Uhr vormittags waren die ersten Wanderparkplätze überfüllt. Was die Polizei zu erhöhter Betriebsamkeit veranlasste: Rund 60 Fahrer dürften sich bei der Rückkehr von ihrem Sonntagsspaziergang über einen Strafzettel wegen Falschparkens gegrämt haben.

Die Polizei appellierte an die Besucher, nur die ausgewiesenen Wanderparkplätze zu benutzen. Wer beispielsweise wider das Verbot außerorts auf Vorfahrtsstraßen parkt oder sein Auto so abstellt, dass neben dem Ato nicht einmal mehr drei Meter Fahrbahn bleiben, wird zur Kasse gebeten. Derlei wird „konsequent beanstandet“, sagt Kern.

Von „Verkehrschaos“ am Sonntagvormittag am Kampenwand-Parkplatz Hintergschwendt bei Aschau sprach Polizeiobermeister Dominik Steinmetz von der Polizeiinspektion Prien. Dort ging das Treiben der Wildparker so weit, dass ein Landwirt an seinen Mäharbeiten gehindert wurde. Auch in Aschau muss es am Sonntagnachmittag ein paar lange Gesichter gegeben haben, denn auch dort verteilte die Polizei Bußgeldbescheide.

Wildparker blockieren Bauern

Der bei Kampenwand-Gipfelstürmern auch bei weniger gutem Wetter außerordentlich beliebte Parkplatz Hintergschwendt sei schnell voll belegt gewesen, berichtet die Polizei. Nun gibt es zwar in und um Aschau noch weitere Parkplätze, den Weg aber scheute offenbar so mancher Wanderer. Viele Besucher hätten an und sogar auf der von Haus aus engen Zufahrtsstraße nahe dem Parkplatz geparkt, berichtet Dominik Steinmetz: „Völlig rücksichtslos“.

Wiederum andere Besucher stellten ihre Autos auf Wiesen und Feldern des bereits erwähnten Landwirts ab. Ein großes Ärgernis für den Bauern: Das Gras wurde durch die Autos zerdrückt, seine Mäharbeiten musste er verschieben.

Im Notfall wäre es für Retter eng geworden

Außerdem entwickelte sich durch den anhaltenden Zustrom ein Stau, so massiv, dass die Polizei schließlich den Verkehr regelte und die Zufahrt zum Parkplatz sperrte. Hätte ein Unfall am Berg den Einsatz von Rettern nötig gemacht, wären deren Fahrzeuge massiv behindert worden. „Dies war zum Glück nicht der Fall“, sagt Steinmetz erleichtert. Wie schnell sich derlei ändern kann, zeigte sich bei den Nachbarn in Berchtesgaden. Dort bescherte das plötzliche schöne Wetter den Rettern vom Roten Kreuz einen stressigen Sonntag. Die Einsatzkräfte mussten von Bergwacht, Rettungsdienst und Wasserwacht mussten drei verletzte Radfahrer versorgen, vier Menschen aus Bergnot retten und einen Verletzten am Königsbach-Wasserfall mit dem Tau ausfliegen.

Was tun? Die Landschaft des Voralpenlands ist nun einmal schön, was Menschen aus anderen Regionen zur Zeit mehr denn je ausfällt, weil schon Österreich und die Schweiz nicht mehr zu erreichen sind. Und dann die Sehnsucht nach Sonne und frischer Luft nach so vielen Tagen Zurückhaltung: Gerade die Menschen aus der Stadt zieht’s da in die Berge. Manche Hüttenwirte setzen daher auf Fensterverkauf und auf Brotzeit zum Mitnehmen. „Es war richtig viel los“, berichtet Sarah Dienstbeck von der Hochrieshütte über das Treiben am Rosenheimer Hausberg.

Samerberg rüstet sich für Pfingsten

Samerbergs Bürgermeister Georg Huber äußert Verständnis für die Besucher. „Wer will es den Leuten verdenken, die nach den Eisheiligen endlich das schöne Wetter und die Natur genießen wollen?“. Ausflüge auf den Samerberg Ein Patentrezept, der Autolawine an diesen Ausnahmetagen Herr zu werden, gebe es nicht. „Für die kommenden Pfingstferien müssen wir geeignete Ausweichparkplätze finden“, sagt Huber. „Hier sind wir mit dem einen oder anderen Grundstücksbesitzer im Gespräch.“ Samerberg setze die kommunale Parkraumüberwachung gezielt ein, auch die Polizei unterstütze die Gemeinde mit entsprechenden Kontrollen.

Zumindest ein paar Beamte der Polizei hatten nichts zu bemängeln: die Alpine Einsatzgruppe, die in den Höhenlagen weit oberhalb der Parkplätze nach dem Rechten sah. Die Bilanz des Polizeipräsidiums Süd: Die Wanderer seien insgesamt vernünftig gewesen, sagt Sprecher Martin Emig auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen, „die sind auch am Gipfel nicht aufeinander gesessen“:

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