Buben ausgeraubt: Rosenheimer Gericht verweist Verfahren gegen 24-Jährigen nach Traunstein

+

Das Jugendschöffengericht Rosenheim verwies jetzt das Verfahren gegen einen 24-jährigen wegen versuchten schweren Raubs, schwerer räuberischer Erpressung, vorsätzlicher Körperverletzung, Diebstahls und fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr nach Traunstein. Die Strafgewalt des Amtsgerichts schien nicht ausreichend.

Von Christa Auer

Rosenheim – Der 24-jährige Deutsche ohne festen Wohnsitz war am frühen Abend des 14. Septembers äußerst rabiat in der Klepperstraße in Rosenheim unterwegs. In räuberischer Absicht bedrohte und attackierte er erst einen 24-jährigen Altenmarkter und machte anschließend auch vor zwei dreizehnjährigen Buben nicht Halt. Dabei zückte er in beiden Fällen nicht nur seine Fäuste sondern auch ein Messer.

Lesen Sie auch: Polizistin ins Gesicht geschlagen – Traunsteiner Gericht lehnt Unterbringung einer 27-Jährigen ab

Nun musste sich der mehrfach vorgeahndete junge Mann vor dem Jugendschöffengericht Rosenheim verantworten. Ihm wurde zu Last gelegt, zuerst den Altenmarkter, der gerade ein Ladengeschäft in der Klepperstraße verlassen hatte, bedroht und attackiert zu haben, um an Bargeld zu kommen. Als er ihm nichts gegeben habe, sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen, bei der ihm der Angeklagte gegen den Hals geschlagen und anschließend den Rucksack entrissen habe, sagte der Zeuge vor Gericht.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Bei dem Versuch, den Rucksack zurückzubekommen sei die Situation eskaliert, denn der Angeklagte habe ein Messer gezückt. Da sei er weggelaufen und habe einen Notruf abgesetzt, sagte der Altenmarkter ohne großen Belastungseifer. Er hatte anschließend beobachtet, wie der Täter zu Fuß in Richtung Bahnhof floh. Wenig später stoppte der Angeklagte, der zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Alkohol und Cannabis stand, zwei dreizehnjährige Fahrradfahrer.

Herausgabe von Bargeld gefordert

Laut polizeilichen Ermittlungen forderte der Angeklagte auch von den beiden Buben gewaltsam die Herausgabe von Bargeld. Als die sich weigerten, versuchte er, einem der beiden eine Kopfnuss zu verpassen. Der Bub konnte ausweichen. Da packte ihn der Angeklagte am Hals und schlug ihm ins Gesicht. Als dessen Freund, den Angeklagten aufforderte, seinen Freund in Ruhe zu lassen, ging der Angeklagte auch auf ihn los, forderte Geld von ihm und verletzte den Dreizehnjährigen mit einem Kopfstoß im Gesicht und einem Faustschlag gegen das rechte Ohr. Der Bub erlitt dadurch eine Schädelprellung, eine Platzwunde und einen Einriss am Trommelfell. Anschließend wandte sich der Angeklagte wieder an den anderen Buben und richtete das Messer auf ihn, um Geld zu bekommen.

Lesen Sie auch: „Ein Nein ist ein Nein“ – Gericht veurteilt 27-jährigen Vergewaltiger aus Grassau zu Haftstrafe

Die beiden Buben ergriffen die Flucht und ließen ein Rad im Wert von 600 Euro zurück. Der Angeklagte konnte wenig später mit dem Fahrrad an einer Tankstelle festgenommen und anschließend in Untersuchungshaft genommen werden.

Vor Gericht zeigte sich der 24-Jährige wenig einsichtig. Den Anklagepunkt eins räumte er halbherzig und mit einigen vermeintlichen Erinnerungslücken ein. Er stellte eine Schmerzensgeldzahlung von 500 Euro im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs in Aussicht, nachdem er seine Haftstrafe verbüßt hat. An den Zwischenfall mit den beiden Buben konnte er sich angeblich gar nicht mehr erinnern.

Erinnerungslücken wenig glaubhaft

Laut dem medizinischen Gutachter war dies wenig glaubhaft, weil die Alkoholisierung mit 1,6 Promille für jemanden, der regelmäßig trinke, kein eminent hoher Wert sei und auch eine mögliche Wechselwirkung mit Cannabis nicht zu einer „ausgestanzt wirkenden Amnesie“ führen könne, stellte der Gutachter fest.

Lesen Sie auch: So ist die bayerische Justiz organisiert

Nach Erörterung der Beweislage beantragte die Anklagevertretung die Verweisung an das Landgericht. Das Schöffengericht folgte dem Antrag, weil allein ein Schuldspruch wegen versuchten besonders schweren Raubs nach Aussagen des Geschädigten und des polizeilichen Sachbearbeiters sehr wahrscheinlich scheine, ebenso wie eine Verurteilung wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung.

Ohne Geständnis stehe allein für die beiden schwersten Fälle eine Gesamtfreiheitsstrafe über vier Jahre im Raum. Trotz Strafmilderung wegen verminderter Schuldfähigkeit und der im Versuchsstadium gebliebenen Raubdelikte, stellte Richter Hans-Peter Kuchenbaur fest. Damit sei der Strafrahmen des Amtsgerichts überschritten.

Kommentare