Suggestive Fragestellung?

Brenner-Nordzulauf: Kritiker werfen Bahn manipulative Methode bei Umfrage vor

Ein Güterzug auf dem Weg durchs Inntal.

Wie schon im Jahr 2018 steht die Deutsche Bahn mit einer Umfrage zum Thema Brenner-Nordzulauf in der Kritik. Derzeit führt das Marktforschungsinstitut „forsa“ eine Umfrage in der Region Rosenheim durch. Kritiker erheben den Vorwurf, es würden suggestive Fragen gestellt – was die Bahn zurückweist.

Rosenheim/Landkreis – „Nach der ersten Umfrage im vergangenen Jahr wollten wir sehen, wie sich das Meinungsbild entwickelt hat, zumal wir jetzt die fünf Trassenvorschläge haben. Das war von jeher so geplant“, erläutert Franz Lindemair, Sprecher Großprojekte bei der Deutschen Bahn.

Erste Umfrage ergibt 78 Prozent Zustimmung für Brenner-Nordzulauf

Bei der Umfrage im Sommer 2018 hatten 78 Prozent der Aussage zugestimmt, dass das Bahnprojekt Brenner-Nordzulauf einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Verkehrsprobleme im Inntal leiste. Die Ergebnisse der neuen Umfrage sollen im November vorgestellt werden.

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Das Bürgerforum Inntal, eine der Bürgerinitiativen gegen das Großprojekt, bewertet die Umfrage als Versuch der Bahn, eine nicht vorhandene Akzeptanz in der Bevölkerung abzubilden. „Wie schon beim ersten Mal sind viele Fragen so gestellt, dass man Zustimmung der Befragten erhält. Für uns ist das suggestiv“, sagte Peter Margraf, der zweite Vorsitzende des Bürgerforums Inntal.

Kritik: Befragte auf die "Ja-Schiene" bekommen

Schon der Einstieg in den Fragenkatalog über das Thema Lkw-Verkehr sei in der Absicht gewählt, die Umfrageteilnehmer auf die „Ja-Schiene“ zu bekommen, so Margraf. Es solle der Eindruck erweckt werden, endlich kümmere sich jemand um die hohe Verkehrsbelastung auf der Autobahn A 93.

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Den Vorwurf, man beeinflusse mit der Art der Fragen womöglich die Antworten im Sinne der Bahn, lässt Lindemair nicht gelten. „Wir haben Themen formuliert, zu denen wir ein Meinungsbild haben wollten. Daraus hat ‚forsa‘ gemäß der üblichen Vorgehensweise, die bei jeder Meinungsumfrage angewendet wird, Fragen entwickelt“, so der DB-Sprecher. Die Umfrage 2018 habe schlicht gezeigt, dass es eine schweigende Mehrheit gebe, die den Neubau einer Trasse nicht ablehnt.

Bahn will Brenner-Nordzulauf "so gut wie möglich erklären"

Besonderes Augenmerk habe man darauf gerichtet, das Thema Information eingehend zu beleuchten. „Es ist eines unserer wichtigsten Ziele, dass wir die Bevölkerung so gut wie möglich über das Projekt aufklären“, betont Lindemair. „Wir wollen feststellen, ob die verschiedenen Informationskanäle, und zwar nicht nur die der Bahn, funktionieren und welche Bedeutung sie jeweils für die Menschen in der Region haben.“ Sollten hier Schwachstellen zutage treten, werde man das im weiteren Projektverlauf berücksichtigen.

Detail am Rande: Zu den für die Umfrage zufällig ausgewählten Personen gehört einer der schärfsten Kritiker des Projekts: Thomas Riedrich, Vorsitzender der Bürgerinitiative Brennerdialog, wurde ebenfalls angerufen.

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