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Wie es nun weitergeht

Vor dem „Jahrhundertprojekt“ Brenner-Nordzulauf liegen noch Jahre der Planung und der Prüfung

Ein Projekt von internationalen Dimensionen: Welche Abschnitte der Verbindung
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Ein Projekt von internationalen Dimensionen: Auf der europäischen Verbindung zwischen West und Ost ist die Region Rosenheim nur ein kleiner Abschnitt. Doch es liegt noch viel Arbeit vor seiner Umsetzung.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die Bahn hat gesprochen, sie setzt auf die Vorzugstrasse Violett - östlich des Inns. Dort stehen nun die Vorplanungen an. Und die Prüfung, ob die Trasse so überhaupt wirtschaftlich ist. Dann soll der Bundestag nochmals beraten. Über die Zukunft eines europäischen Verkehrsprojekts.

Rosenheim Irgendwann im Laufe der Präsentation der violetten Vorzugstrasse der Bahn fühlte sich Jürgen Benitz-Wildenburg an einen hemdsärmeligen Auftritt von Kanzler Gerhard Schröder erinnert. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) war gerade nach dem Bedarf für eine Neubautrasse für den Brenner-Nordzulauf befragt worden. Er gab eine kurze Antwort. Zu kurz für viele, die da lauschten. Es gehe nicht mehr ums Ob, sondern nur noch ums Wie, sagte Scheuer.

Er befolge den Auftrag des „höchsten Parlaments“, des Bundestages also, der den Brenner-Nordzulauf mit dem Etikett „dringlicher Bedarf“ versehen habe, vor fast fünf Jahren schon. Damit, so sagte Scheuer kurz und bündig, habe sich eine Bedarfsprüfung erldigt.

Manchem geht es nicht schnell genug

„Das klang für mich nach ,Basta!‘“, sagt von Benitz-Wildenburg, der sich gegen den Brenner-Nordzulauf engagiert und auch für den Initiativen-Dachverband Brennerdialog spricht.

„Das war nicht gut“, sagt auch ein Experte aus der Region Rosenheim, der beim Brenner-Nordzulauf sonst eigentlich anderer Meinung ist als Jürgen von Benitz-Wildenburg. Karl Fischer, Geschäftsführer vom Logistik-Kompetenzzentrum Prien (LKZ), befürwortet die neuen Gleise sogar.

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Gründe für den Brenner-Nordzulauf

Ausdrücklich. Und das aus einer Vielzahl von Gründen. Zum Beispiel, weil die Wirtschaft wachse, weil man keine grüne Zukunft einläuten könne, ohne möglichst viel Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, aber auch, weil man auch gebunden sei. „Der Güterverkehr hat Vorrang“, stellt Fischer fest, das sei vertraglich festgelegt. Was an Transport-Ressourcen fehle, werde daher am Personenverkehr eingespart.

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Ihm geht es mit dem Brenner-Nordzulauf sogar viel zu langsam, sogar nach dem von der Planungsspitze am Dienstag bekräftigten Marke von 2040. „Das ist nicht akzeptabel“, sagt Fischer. Wichtig wäre ihm, dass die Politik für Transparenz sorgt. Und auch die internationalen Aspekte erläutert. Italien sei schließlich einer der wichtigsten Handelspartner.

Wo die Planung nachzubessern ist

Auf die Tube drücken will auch Daniela Ludwig. Wie ihr Landtagskollege Klaus Stöttner, wie Landrat Otto Lederer, wie auch die Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die im Stimmkreis Rosenheim West verwurzelt ist, mahnt die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete zahlreiche Nachbesserungen an. Natürlich im Bereich der Verknüpfungsstelle Niederaudorf, die nicht nur nach dem Willen der Bürgermeister im Inntal im Wildbarren in einem Tunnel verschwinden soll. Ob das geht, wird bereits geprüft. Das Deutsche Zentrum für Schienenforschung (DZSF) hat nach den Worten eines Sprechers bereits die Arbeit aufgenommen. Man untersuche, ob diese Lösung technisch machbar sei, zugelasen werden könne und für den Bahnbetrieb tauglich sei.

Besonders groß sind die Irritationen aber nördlich von Rosenheim, etwa in Tuntenhausen. Dort hat Daniela Ludwig noch einige weitere Baustellen vor sich, soll das Projekt für die Region halbwegs akzeptabel werden, wie sie weiß.

Planungen und Prüfungen

54 Kilometern lang ist die Neubautasse, fast 32 Kilometer sollen im Tunnel verlaufen. Zwei Tunnel – der Tunnel Steinkirchen zwischen Rohrdorf und Niederaudorf und der Tunnel Laiming zwischen Oberaudorf und Schaftenau in Tirol – sind gut 13 Kilometer lang. Deutscher Rekord! Und wahrscheinlich so teuer, dass die Bahn an billigere Ausführungen denken könnte, mutmaßen nicht nur Skeptiker in den Bürgerinitiativen. Da aber beruhigt Daniela Ludwig: Die Bahn habe die Trasse bewusst gewählt. Die gewählte Trasse sei wirtschaftlich, „weil sie weniger Flächen verbraucht und langfristig mit mehr Umwelt- und Naturschutz punktet.“

Wenn auch das Trassenauswahlverfahren im nördlichen Planungsraum zwischen Grafing und Großkarolinenfeld abgeschlossen ist, werde die violette Gesamtvorzugstrasse auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft. Das teilte ein Sprecher des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit.

Das wiederum heißt: Die Deutsche Bahn will die Maßnahmein den nächsten vier, fünf Jahren im Detail ausarbeiten und planen. Dabei werde sich auch abzeichnen, was die Maßnahme koste. Diese Kosten dürfen, so heißt es in der Antwort weiter, nicht höher sein, als der „gesamtwirtschaftliche Nutzen“.

Die Bahn prüft in den kommenden Jahren, ob die Trasse wirtschaftlich ist

Als Grundlage dienen Prognosen zur Entwicklung des Transitverkehrs über die Alpen. Dabei sollen sich auch keine Hintertürchen für Kostensenkungen durch Tunneleinsparungen öffnen, heißt es aus dem Ministerium. Die Berechnungen gelten für die violette Trasse insgesamt und nicht für einzelne Bauabschnitte, versichert der Ministeriumssprecher, die Bahn plane die Trasse Violett, so wie sie am Dienstag vorgestellt wurde.

Von Ostermünchen Richtung Großkarolinenfeld, von dort nördlich von Rosenheim über den Inn, unterirdisch um Stephanskirchen herum, dann hart und womöglich oberirdisch an Riedering vorbei, schließlich wieder im Tunnel zwischen Rohrdorf und Samerrberg hindurch, unter dem Inn hindurch nach Niederaudorf, dann von Oberaudorf an wieder im Tunnel bis nach Österreich – so lautet grob skizziert diese Planung.

Kein Wunder, dass man aus der westlichen Hälfte des Landkreises Aufatmen hört. Nicht zuletzt der Rosenheimer Seeton ließ die Gegend als ungeeignet erscheinen und erweist sich so als Bodenschatz besonderer Qualität. Anton Wallner, Bürgermeister von Bad Feilnbach, sagt zwar: „Ich leide mit den Kollegen“, sagt Wallner. Aber er spürt auch Erleichterung. „Es ist gut, dass wir zu unseren dringenden Angelegenheiten zurückkehren können“, sagt er.

Darum zum Beispiel, wie man dem darniederliegenden Tourismus wieder auf die Beine helfen kann. Oder darum, wie man anstehende Vorhaben stemmen kann, da die Einnahmen durch die Corona-Krise einzubrechen drohen.

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