Festlegung auf Trasse in wenigen Monaten

Bahn nach erster Entscheidung zu Brenner-Nordzulauf: Trasse könnte bis 2040 in Betrieb gehen

  • Michael Weiser
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Vier Trassen weiterhin im Rennen, eine gestrichen – und die Regierung von Oberbayern drängt auf Tunnellösungen: Das sind die wichtigsten Punkte des Raumordnungsverfahrens zum Brenner-Nordzulauf. Die Bahn geht nach der jüngsten Entscheidung davon aus, dass die Neubaustrecke 2040 in Betrieb gehen kann.

Update 29. Januar

Brenner-Nordzulauf soll 2040 in Betrieb gehen

„Ein Meilenstein“, das sei das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens, sagte Klaus-Dieter Josel als DB-Bevollmächtigter für den Freistaat Bayern. „Vier Trassen gelten als raumverträglich. Das zeigt, dass der Dialog mit der Region Erfolge gebracht hat.“

Das Gutachten der Regierung von Oberbayern belege, dass die Planer gute Arbeit gemacht hätten. Schritt für Schritt soll es nun weitergehen: Kurz nach den Osterferien, auf jeden Fall in den „kommenden drei, vier Monaten“ will die Bahn ihren Trassenfavoriten präsentieren.

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Bis 2023 soll das Bedarfsgutachten für die neuen Trassen vorliegen. Es könnte, so die Hoffnung der Gegner, eine Vorentscheidung darüber fallen, ob die Planungen für den Nordzulauf fortgeführt werden. 2028 soll der Brennerbasistunnel eröffnet werden. Josel geht davon aus, dass die neuen Trassen für den Brenner-Nordzulauf 2040 den Betrieb aufnehmen.

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Der Artikel vom 28. Januar

Rosenheim – Lust zum Feiern dürfte beim Thema Brenner-Nordzulauf bislang kaum jemand bekommen haben. Das änderte sich gestern im Rathaus von Neubeuern. „Wir haben uns ein Glas Sekt gegönnt“, sagte Bürgermeister Christoph Schneider (Unabhängige Neubeurer) nach dem Aus für die „blaue Trasse“, die sein Gemeindegebiet massiv tangiert hätte. Erleichterung auch bei Rohrdorfs Bürgermeister Simon Hausstetter (Bürgerblock). Was seine Gemeinde betrifft, sei er „insgesamt zufrieden“. Allerdings gebe es den Wermutstropfen, dass die violette Trasse noch im Rennen sei.

Und raus ist Blau: Rohrdorf, Neubeuern und Nußdorf können aufatmen.Klinger

Die blaue Variante verläuft eingezwängt zwischen Inn (östlich) und den Gemeinden Rohrdorf, Neubeuern und Nußdorf. Ihre Mängel könnten „auch bei möglichst schonender Planung nicht entscheidend gemindert werden“, sagte Regierungspräsidentin Maria Els bei der Vorstellung des Gutachtens im Kultur- und Kongresszentrum.

Daniela Ludwig zum Raumordnungs-Ergebnis: „Deutlicher Rückenwind“

Die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) begrüßte die Stellungnahme der Regierung in einer ersten Reaktion als „deutlichen Rückenwind“, auch, was die Forderung nach der Prüfung unterirdischer Trassenverläufe betrifft. Dies gilt besonders für die beiden Inn-Unterquerungen, die bereits der Kreistag gefordert hatte.

Auch in anderen Bereichen hat die Regierung von Oberbayern den Planern der Bahn einiges ins Stammbuch geschrieben. So sind auch die Einwände für die Streckenabschnitte nördlich von Rosenheim schwerwiegend. Die Bahn solle diese Maßgaben ohne Zeitdruck prüfen und ausführen, sagte Ludwig.

Die Minister Schreyer und Aiwanger drängen auf den Nachweis des Bedarfs

In Rosenheim äußerten sich auch die bayerischen Staatsminister für Bauen und für Wirtschaft, Kerstin Schreyer (CSU) und Hubert Aiwanger (FW). Und die ließen noch andere Bedenken als die der Landschaftsverträglichkeit anklingen: Beide betonten, dass der Bedarf einer Strecke erst belegt werden müsse. Dass dieser Bedarf in absehbarer Zeit dokumentiert werden kann, scheint fraglich. Besonders nach diesem Satz von Ministerin Schreyer: „Durch Corona wird sich die Verkehrspolitik massiv verändern.“

Otto Lederer: Wollen keine Bürger 2. Klasse sein

Womöglich schon nach den Osterferien will die Bahn ihre favorisierte Trasse vorstellen. Das kündigte Klaus-Dieter Josel an, der Konzernbevollmächtigte der DB für den Freistaat Bayern. An diesem straffen Zeitplan äußerten Landrat Otto Lederer und Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März (beide CSU) gewisse Zweifel.

Fotos von der Pressekonferenz zum Raumordnungsverfahren Brenner-Nordzulauf & Proteste

Fotos von der Pressekonferenz zum Raumordnungsverfahren zum Brenner-Nordzulauf in Rosenheim mit Hubert Aiwanger
Fotos von der Pressekonferenz zum Raumordnungsverfahren zum Brenner-Nordzulauf in Rosenheim mit Hubert Aiwanger
Fotos von der Pressekonferenz zum Raumordnungsverfahren zum Brenner-Nordzulauf in Rosenheim mit Hubert Aiwanger
Fotos von der Pressekonferenz zum Raumordnungsverfahren zum Brenner-Nordzulauf in Rosenheim mit Hubert Aiwanger
Fotos von der Pressekonferenz zum Raumordnungsverfahren Brenner-Nordzulauf & Proteste

„Eine beinharte Hausaufgabe“ habe die Regierung der Bahn aufgegeben, sagte März. Lederer kündigte zudem an, „den Finger weiter in die Wunde zu legen“. In Österreich verliefen zum Beispiel 80 Prozent der Gleise für den Nordzulauf unter der Erde. Gleiches müsse dann auch für die Strecke im Landkreis Rosenheim gelten. „Wir wollen keine EU-Bürger zweiter Klasse sein“, sagte Lederer.

Machen die Tunnel die violette Strecke zum Favoriten?

Ein so hoher Prozentsatz an Tunnelstrecke wäre vermutlich nur bei der violetten Trasse zu erreichen, die besonders nah an Stephanskirchen vorbeiführt. Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) zeigt sich gelassen. Die landesplanerische Beurteilung bedeute schließlich keine Vorentscheidung. Außerdem sei eine Stephanskirchen stark betreffende Trasse bereits aus dem Rennen. Mair ergänzt: „Spannend wird bei den weiteren Untersuchungen der violetten Trasse, wie der mit 28 Kilometern längste Bahntunnel Deutschlands technisch und finanziell realisierbar wäre.“

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Die Regierung von Oberbayern rückte eine Idee der Initiative Inntal 2040 erneut in den Mittelpunkt: eine Verlegung der Verknüpfungsstelle in den Berg bei Niederaudorf. Bestands- und Neustrecke würden dann ohne schwerere Beeinträchtigungen in einem Tunnel zusammengeführt werden. Ein Vorstoß, dem allerdings die Deutsche Bahn eine Absage erteilt – da aus Gründen der Sicherheitsvorschriften nicht realisierbar. Die Bahn führt das sogenannte „Begegnungsverbot“ an, das für unterirdische Gleise jeweils eigene Tunnels vorschreibe.

Verärgerung über Verknüpfungsstellen

Dass die Bahn sich abweisend verhält, will Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger (CSU) indes nicht auf sich beruhen lassen. „Nur weil das die Bahn für gesetzlich nicht möglich hält, heißt das nicht, dass es nicht möglich ist“, sagt er.

Viel Arbeit: Regierungspräsidentin Maria Els übergibt an Klaus-Dieter Josel von der Deutschen Bahn 180 Seiten Gutachten, flankiert von Bauministerin Schreyer und Wirtschaftsminister Aiwanger.

Für Kalsperger und seine Gemeinde wäre die Berg-Lösung eine Erlösung – eine Planungsvariante sieht eine Verknüpfungsstelle am Südrand von Raubling vor. „Eine Katastrophe“, sagt Kalsperger. Daniela Ludwig verspricht Hilfe in Sachen Verknüpfungspunkt im Gebirge: „Ich habe bereits Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gebeten, dazu eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen.“

Bürgerinitiativen: Gutachten eine „Klatsche“ für die Bahn

Eingeladen waren sie nicht, hineingebeten wurden sie dann doch: Vertreter der Bürgerinitiativen gegen die Trassenplanungen konnten sich schließlich mit den Staatsministern Hubert Aiwanger (FW) und Kerstin Schreyer sowie Regierungspräsidentin Maria Els über das Trassen-Gutachten der Regierung austauschen. Zuvor hatten die beiden AfD-Landtagsabgeordneten Franz Bergmüller und Andreas Winhart die Nichteinladung kritisiert.

„Damit hatten wir nicht mehr gerechnet“, sagte Thomas Riedrich vom Brennerdialog zu der improvisierten Zusammenkunft im Kuko. Er äußerte sich insgesamt zufrieden. Die „massiven“ Nachbesserungsaufgaben bezeichnete er als „Klatsche“ für die Bahn. Beide Minister hätten zudem versichert, dass nur bei Bedarf gebaut werde.

Vor dem Kuko harrten gut 25 Vertreter der Bürgerinitiativen mit Schildern im Regen aus. Auf der Münchener und der Kufsteiner Straße protestierten nach Angaben der Polizei etwa 20 Landwirte im Traktorkorso gegen die Trassenplanungen.

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