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Brenner-Nordzulauf: Inntalgemeinden fordern Machbarkeitsstudie für „Verknüpfungsstelle Wildbarren“

Eine Verlagerung der Verknüpfungsstelle Niederaudorf/Kirnstein unter den Wildbarren (hier ein Blick vom Gipfelkreuz Richtung Süden) sehen die Inntalgemeinden als optimale Lösung.
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Eine Verlagerung der Verknüpfungsstelle Niederaudorf/Kirnstein unter den Wildbarren (hier ein Blick vom Gipfelkreuz Richtung Süden) sehen die Inntalgemeinden als optimale Lösung.
  • Barbara Forster
    VonBarbara Forster
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Das Raumordnungsverfahren zum Brenner-Nordzulauf ist abgeschlossen. Und die Inntalbürgermeister sind sich einig: Die Trassen sollen unterirdisch laufen. Deshalb fordern sie eine Machbarkeitsstudie für die Verknüpfungsstelle durch den Wildbarren und erhöhen damit den Druck auf die Bundespolitik.

Inntal – Der Streit um den Brenner-Nordzulauf geht in die nächste Runde. Die sieben Inntalgemeinden fordern, dass die neuen Trassen weitgehend unterirdisch geplant werden. Ein Knackpunkt: die Verknüpfungsstelle Niederaudorf/Kirnstein, die nach den Willen der Gemeinden und der Interessengemeinschaft Inntal 2040 möglichst im Wildbarren verlaufen soll. Die Forderung soll durch eine Machbarkeitsstudie untermauert werden. Über die Übernahme der Kosten dafür wird nun gestritten.

Bahn will Vorschlag nicht weiterverfolgen

Schon seit langem beharren die Gemeinden auf dem sogenannten Tiroler Standard, also auf weitgehend unterirdischen Trassen und Inn-Unterquerungen. Seit der Bekanntgabe der Ergebnisse des Raumordnungsverfahrens im Januar in Rosenheim sehen sie sich in ihren Kernforderungen auch durch die Regierung von Oberbayern bestärkt: Die Interessengemeinschaft „Inntal 2040“ – ein loser Zusammenschluss aus interessierten Bürgern und Ingenieuren – hat den Plan für eine unterirdische Verknüpfungsstelle durch den Wildbarren erarbeitet und beantragt, dass diese Variante in die weiteren Planungen der Bahn aufgenommen wird.

Regierung empfiehlt, unterirdische Lösung einzubeziehen

Die Regierung von Oberbayern wies die Vorhabensträgerin, die DB Netz AG, darauf hin, den Planungsvorschlag „Verknüpfungsstelle Wildbarren“ als ernsthaft in Betracht kommende Alternative mit einzubeziehen. Doch die „Deutsche Bahn AG“ möchte diese Variante auch bei einer Wahl der aussichtsreichen „violetten“ Trasse nicht weiter verfolgen.

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Ihre Begründung: Die geltenden Sicherheitsvorschriften könnten nicht eingehalten werden. „Personen- und Güterzüge dürfen sich nicht im Tunnel begegnen. Gleichzeitig darf bei einem Brand kein Rauch in Fluchtwege eindringen. Die Tunnel müssen also eingleisig und voneinander getrennt gebaut werden – dies wäre bei einer Verknüpfung aber nicht möglich“, teilte ein Sprecher der Bahn auf Nachfrage mit. Noch im Frühjahr soll die Trassenauswahl abgeschlossen sein.

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Für die Inntalbürgermeister reicht diese Erklärung nicht aus. Die Stellungnahme lasse „Zweifel an Objektivität“ aufkommen. Persönliche Gespräche mit internationalen Experten für Tunnel- und Eisenbahnbau hätten gezeigt, dass es „durchaus technische Möglichkeiten“ gebe. Die Inntalgemeinden drängen nun auf die Klärung der komplexen Fragen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie. Die unterirdische Verknüpfungsstelle ist in ihren Augen die „raumverträglichste Variante“ einer vonseiten der Bahn geforderten Verknüpfungsstelle im Inntal.

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Ein entscheidender Vorteil dieser Verknüpfung sei, dass sie „grundsätzlich kompatibel zu allen verbliebenen vier Trassenvarianten“ sei. Aus Sicht des Oberaudorfer Bürgermeisters Matthias Bernhardt wäre die Positionierung einer oberirdischen Verknüpfungsstelle im Bereich Kirnstein „äußerst kritisch“. Denn hier würden „an der engsten Stelle des Inntals ein weiterer signifikanter Flächenverbrauch“ stattfinden. Eine Verknüpfungsstelle im Berg würde dagegen die Tür für die Untertunnelung des gesamten Inntals öffnen. Und dies wäre ein „Meilenstein“, sagt Bernhardt gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

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Auch Stefan Lederwascher, Bürgermeister von Flintsbach, sieht eine unterirdische Verknüpfungsstelle als „zielführend“ an: „Wir Inntalbürgermeister sind uns einig, dass dies in einer unabhängigen Machbarkeitsstudie umfassend untersucht werden muss.“ Im Inntal befinde man sich in einem „sehr beengten“ Lebensraum. Das von der Regierung von Oberbayern durchgeführte Raumordnungsverfahren habe bereits ergeben, dass die von der Deutschen Bahn in Auftrag gegebene Planung zu wenig Tunnelanteile enthalte. „Im Kern verlangen wir nur Tiroler Standard. Was dort möglich war, müsste auch in Bayern umsetzbar sein“, so Lederwascher.

Die Frage der Machbarkeit müsse nun „unverzüglich von unabhängiger Seite“ final geklärt werden, machen die Bürgermeister deutlich. Dabei sehen sie klar das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) in der Finanzierungspflicht.

Brenner-Nordzulauf unterirdisch? Klares Bekenntnis der Staatsregierung erforderlich

Auch von der bayerischen Staatsregierung erwarten die Rathauschefs ein „klares Bekenntnis“ und eine „tatkräftige Unterstützung“ für die Region.

Sollte vonseiten der Politik kein Geld fließen, haben die Bürgermeister der Inntalgemeinden beschlossen, die Finanzierung und Beauftragung der Studie selbst in die Hand zu nehmen: Jede Gemeinde wolle jeweils 10 000 Euro auf den Tisch legen, heißt es aus den Rathäusern – auch Neubeuern und Kiefersfelden, die von den Trassenvarianten nicht mehr unmittelbar betroffen sind, ziehen mit.

Dies sei jedoch nur eine „alternative Notlösung“ und kein Einverständnis zu einer Kostenübernahme. Die Machbarkeitsstudie koste etwa 200.000 Euro. Für die erste von drei Stufen wären rund 70 000 Euro fällig.

Was wird Verkehrsminister Scheuer tun?

Der Druck auf die Bundespolitik und vor allem auf Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wächst damit weiter. Bereits vor Wochen hatten die CSU-Landtagsabgeordneten Ilse Aigner und Klaus Stöttner einen Antrag auf den Weg gebracht, eine Machbarkeitsstudie für die unterirdische Konstruktion der Verknüpfungsstelle in Auftrag zu geben. Zahlreiche Abgeordnete der CSU und der Freien Wähler hatten den Antrag unterstützt.

Vor zwei Wochen musste die Beratung vertagt werden, in der Sitzungswoche vom 12. bis zum 18. April aber soll der Antrag im Verkehrsausschuss behandelt werden. Rückenwind erhält dieses Ansinnen auch durch die bayerische Verkehrsministerin: Kerstin Schreyer hat sich nach Informationen der OVB-Heimatzeitungen in einem Brief an ihren Bundeskollegen Scheuer gewandt.

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