Die vier größten Gebäude stehen schon

„Dahoam im Inntal“ - das Mega-Wohnprojekt im Brannenburg nimmt erste Formen an

Für alle so viel Lebensqualität wie möglich: Hier entsteht ein wegweisendes Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Thomas Bacher, Christine Altmann und Nina Jenewein-Lipp vom KJSW (stehend von links) freuen sich schon drauf.
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Für alle so viel Lebensqualität wie möglich: Hier entsteht ein wegweisendes Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Thomas Bacher, Christine Altmann und Nina Jenewein-Lipp vom KJSW (stehend von links) freuen sich schon drauf.
  • Ludwig Simeth
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520 Wohneinheiten, 56 Einfamilienhäuser und 440 Arbeitsplätze: „Dahoam im Inntal“ auf dem ehemaligen Kasernengelände in Brannenburg ist ein Megaprojekt.

Brannenburg – Dabei nimmt im nördlichen Teil des 16 Hektar großen Areals – das entspricht etwa der Fläche von 23 Fußballfeldern – ein einzigartiges generationenübergreifendes Wohnprojekt für Menschen mit Beeinträchtigung und Hilfebedarf Formen an. Die vier großen Gebäude hierfür stehen schon. Sie sollen alten und jungen Menschen nicht nur Platz bieten, sondern auch ein Höchstmaß an Lebensqualität und Inklusion.

Gleich drei soziale Dienstleister beteiligt

„Pflege und Betreuung sind keine Fragen des Alters“, betont Thomas Bacher, Leiter des Katholischen Jugendsozialwerks (KJSW) in Rosenheim. Das Brannenburger Projekt soll speziell den jungen Menschen zu mehr Eigenständigkeit verhelfen: Frauen und Männer Anfang 20 mit geistigen Beeinträchtigungen, die soeben mit der Schule fertig sind und „frei sein“ wollen.

In einem WG-Verbund können sie mit Mittvierzigern und Rentnern, die im gleichen Haus wohnen, einen großen Schritt machen und von deren Erfahrungen lernen – wie auch die älteren Semester von den Jungen profitieren, etwa im Umgang mit neuen Medien und dem Smartphone. „Man ergänzt sich, und jeder lernt von jedem“, setzt Bacher große Hoffnungen in das Projekt.

WG-Bewohner und Mitarbeiter gesucht

Um ihre Betreuungs- und Pflegemodelle zu bündeln, haben sich dabei drei soziale Dienstleister zur Dachmarke „Sägmühle Innklusiv“ zusammengeschlossen: das KJSW, die Anthojo-Gruppe und das Christliche Sozialwerk Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach.

Im neuen Anthojo-Senioren-Wohnpark am Wendelstein entstehen neben 122 Betten, davon ein Drittel für Demenzkranke, Räume für sozialtherapeutisches Wohnen, geförderten Wohnraum sowie für betreutes Wohnen.

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Ein möglichst aktives und selbstbestimmtes Leben mit hohem Wohlfühlfaktor in den eigenen vier Wänden führen – diesen Wunsch möchte den Menschen im Quartier „Sägmühle“ auch das Christliche Sozialwerk Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach erfüllen, das 2015 von der OVB-Weihnachtsaktion unterstützt und 2016 mit dem Sozialpreis des Landkreises Rosenheim ausgezeichnet wurde. Großzügige Begegnungsflächen im betreuten Wohnen sollen das erleichtern.

Das KJSW, dem unter anderem die OVB-Aktion 2019 gewidmet war, wird ab Mai oder Juni 2021 drei Wohngemeinschaften begleiten, in denen jeweils acht Menschen mit Beeinträchtigung leben. Die 24 Bewohner – eine möglichst bunte Mischung aus jung und alt – sind dann Mieter der Innzeit Bau GmbH, Träger des Großprojekts „Dahoam im Inntal“.

Das neue Bundesteilhabegesetz, das Menschen mit Einschränkungen zu mehr Selbstbestimmung verhelfen soll, komme dabei voll zur Geltung, erklären Christine Altmann, Mitglied des Arbeitskreis Idee der KJSW-Wohngruppen, und Nina Jenewein-Lipp, KJSW-Fachabteilungsleiterin für Offene Wohnformen. Leute, die Sozialhilfehilfe beziehen, haben nun finanziell einen besseren Spielraum. Die Bewerbungsphase hat schon begonnen. „Wer gern in die WG ziehen möchte, kann sich schon bei Nina Jenewein-Lipp melden“, ergänzt Bacher. „Ganz besonders würde sich das KJSW über Bewerbungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern freuen, die an diesem neuen Projekt mitwirken wollen.

Inklusionsgedanken umsetzen

Auf die Zusammenarbeit mit dem Christlichen Sozialwerk und KJSW freut sich auch Anthojo-Geschäftsführer Georg Anagnostopoulos: „So lässt sich der Inklusionsgedanke perfekt umsetzen.“ Im unmittelbaren Wohnumfeld sollen den Menschen zahlreiche Grün- und Begegnungsflächen mit Sitzbänken, Spiel- und Grillplätzen das Zusammenkommen erleichtern.

Weiteres KJSW-Projekt in Rosenheim

Nicht zu verwechseln ist das KJSW-Wohnprojekt in Brannenburg mit dem Modell, das dank der OVB-Weihnachtsaktion 2019 in Rosenheim Schule machen soll: Dort sollen schon bald Rosenheimer TH-StudentenundMenschen mit Einschränkungenin einerWG leben. Die Suche nach einer geeigneten Immobilie läuft auf Hochtouren. Nicht zuletzt die coronabedingten Kontaktbeschränkungen haben das KJSW dabei ausgebremst.

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