Brannenburg: Waldfrevlern am Brünnstein drohen hohe Kosten

So sieht es nach dem Kahlschlag am Brünnstein aus.
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So sieht es nach dem Kahlschlag am Brünnstein aus.

Diese Aktion entsetzte im vergangenen Herbst die Naturfreunde in der Region: Ein alter Lärchenwald nahe der Seeon-Alm wurde abgeholzt. Justiz- und Umweltbehörden schalteten sich daraufhin ein, noch immer laufen die Verfahren.

von Micheal Weiser

Brannenburg – Wanderer hatten im November 2019 entdeckt, dass sich das Landschaftsschutzgebiet nahe der Seeonalm in eine Mondlandschaft verwandelt hatte. So viel scheint absehbar: Die Aktion kann die Verursacher, zwei Waldbauern, teuer zu stehen kommen. Es droht ein Bußgeld, zudem müssen die Eigentümer für die Wiederaufforstung eines Teils des Baumbestandes aufkommen. Das geht auch aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage des forstpolitischen Sprechers der Grünen im Landtag, Hans Urban, hervor: Knapp vier Hektar, so heißt es in der Antwort des bayerischen Umweltministeriums, müssten wieder aufgeforstet werden.

Ein Jahrhundert Zeit zum Wachsen

Die Mühlen der Verwaltung mahlen sorgfältig und langwierig. Dennoch dürfte die Verfahrensdauer ein Wimpernschlag sein gegen die Zeit, die einst das Wachstums des Lärchenbestands hinter der Seeon-Alm in Anspruch nahm: Wohl über hundert Jahre waren die Bäume alt, als sie der Motorsäge zum Opfer fielen. Für viele Menschen in der Region war’s ein Schock. Wanderer liebten den Anblick, der sich nach den ersten frostigen Nächten des Herbstes bot. In feurigem Orange leuchteten dann die Lärchen im Schatten des Brünnsteins. Es waren gepflanzte Bäume, ein von Menschen gemachtes Idyll, das vor einigen Monaten Menschen ruinierten. Indem sie die Bäume fällten und mit schwerem Gerät abtransportierten. Das Gelände sah nach der Fällaktion aus wie ein Truppenübungsplatz: zerwühlt, mit Fahrspuren durchzogen.

Ein Umweltdesaster, und das auf stattlichen zehn Hektar Fläche. So sehen‘s die meisten Wanderer. Allerdings nicht Forstfachleute und Juristen. So einfach ist der Fall am Brünnstein nicht gelagert. Schließlich ist nicht jede Fläche, auf der Bäume stehen, gleich Wald.

6,4 Hektar Almgelände betroffen

Im Fall des Terrains nahe der Seeon-Alm handelt es sich teilweise um landwirtschafliche Fläche, heißt: um Almgelände. 6,4 Hektar, die Fläche von neun Fußballfeldern, sind – als ursprüngliches Weidegelände – der Almwirtschaft zuzurechnen. Da Almen als besonders wertvoll für die Artenvielfalt und als schutzwürdig angesehen werden, gibt es dafür Geld. Wenn der Eigentümer oder Pächter die Fläche weitgehend freihält, kann er 900 Euro pro Hektar an Förderung erhalten. Dafür, dass er sie von Bäumen oder Büschen weitgehend freihält.

3,8 Hektar kahlgeschlagen

Nur 3,8 Hektar der kahl geschlagenen Fläche gelten als Wald. Ein Kahlschlag oder eine Rodung wurden dort nie genehmigt, also muss wieder aufgeforstet werden. Und zwar innerhalb von drei Jahren. Das gilt auch für die ebenfalls abgeholzten 0,1 Hektar Schutzwald, der als Gürtel gegen Lawinen und Muren vorgesehen war. Auf 5000 bis 10000 Euro pro Hektar, je nach Gelände, schätzen Fachleute die Kosten einer solchen Wiedergutmachung. Wie stark die Vegetation, wie stark auch geschützte Arten durch den Waldfrevel betroffen sind, hat nun ein Gutachter zu ermitteln. Die Kosten dafür tragen die Verursache, der Gutachten sei bereits bestellt, berichtet Michael Fischer vom Landratsamt Rosenheim, das nun ermittelt, ob die Waldbesitzer eine Ordnungswidrigkeit begangen haben.

Keine Straftat

In einem Punkt sind die beiden Waldbesitzer aus dem Schneider: Der Kahlhieb wird nicht als Straftat verfolgt. Die Staatsanwaltschaft Traunstein hatte Nachforschungen angestellt, die Ermittlungen jedoch schließlich eingestellt. „Aus Rechtsgründen“, das teilte sie auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit.

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Dass streng geschützte Pflanzen von der Abholzung betroffen waren, „konnte nicht sicher nachgewiesen werden“. Die Lärche jedenfalls, so schön sie im Herbst leuchten mag, gehört nach dem Schluss der Juristen nicht zu diesen Arten.

Mitten im Wanderparadies: Das Gebiet, in dem die Lärchen geschlagen wurden. Klinger

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