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Blockabfertigung

21 Mal Chaos an der Inntal-Autobahn: Tirols Liste der Grausamkeiten lässt Ärger wachsen

Stau an der A8 aufgrund der Blockabfertigung. Tirol hat nun die Termine für das Jahr 2022 bekannt gegeben.
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Stau an der A8 aufgrund der Blockabfertigung. Tirol hat nun die Termine für das Jahr 2022 bekannt gegeben.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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An drei Tagen in Folge ließen die Tiroler die Lastwagen auf der Inntal-Autobahn nur blockweise passieren. In der Region wächst der Ärger - und zugleich das Grausen vorm kommenden Jahr. 21 Mal allein in den ersten sechs Monaten gibt‘s Blockabfertigung. Wirklich nur, um den Verkehr zu steuern?

Raubling – Die Österreicher reden von „Dosieren“, vielen Autofahrern aber versalzen die Maßnahmen den Tag gründlich: Aufgrund der Blockabfertigung jenseits der Grenze staute sich am Donnerstag (23. September) wie schon in den vergangenen Tagen der Verkehr auf der A 93, aber auch noch auf der A 8 auf Dutzenden von Kilometern.

Derweil stellt Österreich das Menue der Zumutungen für die erste Hälfte von 2022 vor. An 21 Tagen allein der ersten Jahreshälfte werden Lastwagen nur noch schubweise über die Grenze gelassen. Vor allem im Juni werden die Autofahrer und allgemein die Menschen in den Inntal-Gemeinden auf eine Probe gestellt: In der ersten Hälfte des Monats mit den Pfingstferien drosseln die Österreicher den Verkehr achtmal.

Staus von Dutzenden Kilometern Länge

Wie hart das die Autofahrer trifft, das lassen auch die Meldungen der Polizei ermessen. Zum Beispiel für Mittwoch (22. September). Der Rückstau habe gegen 10.40 Uhr seine Höchstlänge erreicht und dabei die komplette A93 sowie rund elf Kilometer auf der A8 aus München umfasst, mit einer Gesamtlänge von ungefähr 36 Kilometern. Auch am Donnerstag staute sich der Verkehr auf der A 8 bis zur Ausfahrt Bad Aibling zurück.

Eine Verzögerung, die für Reisende ärgerlich ist, den Reisenden aber den Beruf sauer macht. Georg Dettendorfer von der Johann Dettendorfer Spedition Ferntrans bringt die Berichte seiner Fahrer auf den Punkt. „Die melden große Probleme, weil Blockabfertigung sehr lange in den Tag hinein geht“, sagt er. „Die Wochenplanung für die LKW ist obsolet und belastet die Logistikketten aufs äußerste.“ Freilich gab‘s auch schon viel längere Staus, wie im Dezember 2020, als sich ein Blechwurm von über 80 Kilometern aufstaute.

Im Inntal brodelt‘s. Von „Willkür“ der Österreicher spricht etwa Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger. „Ich weiß auch nicht, was die sich als nächstes einfallen lassen, ob‘s eine Woche lang Blockabfertigung machen oder gleich einen Monat.“

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Das Land Tirol hingegen, verantwortlich für die Blockabfertigung, spricht von einer wohlüberlegten Maßnahme, die „nur im unbedingt notwendigen zeitlichen Ausmaß“ zur Anwendung komme. So heißt es in einer Antwort auf eine frühere Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Denn: „Ohne Dosiersystem könnte die Autobahn den gesamten Verkehrsfluss nicht mehr aufnehmen.“

Für die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig eine vorgeschobene Begründung. „Eine Blockabfertigung ist nicht zielführend, und zwar für niemanden“, sagt Ludwig. „Die bayerische Seite leidet unter der Verkehrsbelastung, und auch die Tiroler Seite weiß, dass selbst mit der Blockabfertigung keine Reduzierung des Gesamtaufkommens zu erreichen ist.“ Reine Schaufenster-Politik, so sagt es die Bundestagsabgeordnete, die seit längerem auf eine Lösung drängt.

Tiroler drängen auf den Brenner-Nordzulauf

Die Tiroler begründen ihre Drosselungen unterschiedlich. Mal ist‘s das Sonntagsfahrverbot, mal sind es Baumaßnahmen, die als Anlass dienen. Zuletzt seien es Reparaturmaßnahmen an der Brennerautobahn gewesen, hat Georg Dettendorfer erfahren, „circa 100 Kilometer entfernt“.

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So viel zu den Anlässen. Der Grund freilich ist woanders zu finden – im Brenner-Nordzulauf. Die zwischenstaatlichen Verträge zum Brenner Basistunnel und den Zulaufstrecken seien von bereits vor über zehn Jahren unterschrieben worden, mahnt Tirol. „Der Umsetzungsstand der einzelnen Maßnahmen ist unterschiedlich.“ Weit vorangeschritten in Österreich, will das sagen, weniger weit in Deutschland.

Die Nachbarn im Norden, so heißt es seitens Tirols, sollten „die Ausschöpfung aller vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten zur Planungsbeschleunigung des Nordzulaufs“ prüfen.

Bürgermeister Kalsperger kann es nicht fassen. Man komme doch eh voran mit den Planungen. Und schließlich bedeute der Nordzulauf von der Größenordnung her eben doch ein wenig mehr Aufwand als ein Einfamilienhaus.

Die Liste der Grausamkeiten: Termine für die Blockabfertigung

Ganze 21 Mal wollen die österreichischen Nachbarn den Schwerverkehr Richtung Innsbruck so verlangsamen, dass pro Stunde nur 300 Lkw von Deutschland kommend auf der A 12 unterwegs sind.

Ein Blick in die Statistik beweist, dass Tirol den Druck auf der Straße damit weiter massiv erhöht. Im Jahr 2018 hatte es im gesamten Jahr 25 Termine für Blockabfertigungen gegeben. 2022 sind es 21 alleine schon im ersten Halbjahr, und zwar am:

• Freitag, 7. Januar (nach Dreikönigstag)

• alle Montage im Februar sowie die ersten beiden im März

• Dienstag, 26. April (nach Tag der Befreiung Italiens)

• 23., 24., 25. und 27. Mai (Woche mit Christ Himmelfahrt)

• Freitag, 3. Juni (nach Tag der Republik);

• 4., 7., 8., 9., 13., 14., 15. und 17. Juni (Pfingstferien/ Tage um Pfingsten und Fronleichnam)

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