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Landwirt am Kopf verletzt

Erste Bilanz nach dem Unwetter über dem Kreis Rosenheim: Götting trifft es besonders hart

Unpassierbar: In Götting bei Bruckmühl hat der Starkregen zahlreiche Straßen überflutet.
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Unpassierbar: In Götting bei Bruckmühl hat der Starkregen zahlreiche Straßen überflutet.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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  • Michael Weiser
    Michael Weiser
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Die schweren Unwetter, die am Montagabend über die Region zogen, sorgten vor allem im Mangfalltal für Verwüstungen, überschwemmte Wiesen und vollgelaufene Keller. Ein Landwirt verletzte sich in Götting am Kopf, als sein Traktor vom Wasser fortgerissen wurde.

Bruckmühl/Bad Aibling – Die dramatischsten Szenen spielten sich in Götting (Marktgemeinde Bruckmühl) ab, als vom Irschenberg eine Flutwelle in den Ort stürzte. Glück im Unglück hatte dabei noch der Landwirt Hans Görgmayer. Sein 15 Tonnen schweres Gefährt wurde von den Wassermassen mitgerissen, Görgmayer verletzte sich leicht am Kopf, konnte sich aber in Sicherheit bringen. Sein wirtschaftlicher Schaden aber ist immens. An seiner Biogasanlage konnten die Einsatzkräfte zwar verhindern, dass Gülle, Diesel oder Heizöl austraten. An der Anlage aber entstand Totalschaden. Gleich ihm fürchten weitere Bauern um ihre Existenz.

Gegen die Flut gestemmt

Die Retter stemmten sich in Götting nach Kräften gegen die Flut. Gegen 20 Uhr – unmittelbar nach dem schweren Hagel – rückten die Göttinger Feuerwehrleute an die Kreuzung Irschenberger und Waither Straße aus. „Wir haben versucht, mit Sandsäcken und Hochleistungspumpen die Wassermassen aus dem Gefahrenbereich Götting in die Mangfall zu leiten“, sagt Anatol Guldner von der Feuerwehr Götting.

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Das Technische Hilfswerk (THW) half ebenfalls, es setzte eine DIA-Großpumpe mit einer Förderleistung von 15 000 Litern pro Minute ein. Doch die Fluten waren nicht aufzuhalten. Allein die Göttinger Feuerwehrleute pumpten 50 Keller und Tiefgaragen aus. „Teilweise standen Keller bis zu zwei Meter unter Wasser“, sagt Guldner.

Forellenweg teils unterspült und abgerutscht

Er berichtet von für ihn und seine Kameraden beispiellosen Erfahrungen. „2001 der Orkan, 2003 der schwere Hagel, 2013 das Hochwasser – aber so ein Ausmaß an Überschwemmungen hatten wir hier noch nie.“

Am Tag danach gab es noch keinen Überblick, wie viele Häuser, Höfe und Existenzen von der Katastrophe betroffen sind. Die Feuerwehren der Gemeinde Bruckmühl waren noch am Dienstag im Einsatz, um den Menschen beim Aufräumen zu helfen. Nicht nur in Götting, sondern auch in Ried, Oberstaudhausen, Teilen der Vagener Au und in Mittenkirchen. Dort sei eine „besonders gefährliche Situation“ entstanden, sagte Straßenmeister Martin Göhly. Durch „Verklausungen“ – also Verstopfungen – an den Durchlässen des Hainerbachs sei das Wasser rückgestaut worden. „Der Forellenweg wurde unterspült, ist teilweise abgerutscht.“

Reparaturarbeiten haben begonnen

Gestern begannen Reparaturarbeiten, da in der Straße Versorgungsleitungen liegen – unter anderem eine Hauptwasserleitung, die Bruckmühl mit Trinkwasser versorgt. „Wäre die gebrochen, wäre hier alles geflutet worden“, sagt Göhly.

Vigil Neureither rückte gestern in Götting mit seinem Bagger an, befreite den Kropfbach vom angeschwemmten Geröll und Geäst, stabilisierte die Uferböschungen.

Auch am Tiergnadenhof „Katzentraum“ stehen umfangreiche Aufräumarbeiten ins Haus. Die Flut hat den Neubau unter Wasser gesetzt. Die Mauern des Gnadenhofs müssen voraussichtlich drei Monate trocknen, der Umzug verschiebt sich.

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Kreisbrandrat Richard Schrank war am Montagvormittag zu den Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz abgerückt. An seiner Stelle koordinierte Kreisbrandinspektor Franz Hochhäuser die Einsätze. Dass keine Menschen in den Unwettern zu Schaden kamen, erleichtert ihn. Einerseits habe sich die Wetterlage nicht so extrem entwickelt wie in Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen. „Außerdem sind die Menschen mittlerweile einfach sensibilisiert.“

Aufräumarbeiten in einem Fahrsilo in Götting. Das Futter ist verdorben. Wasser und Schlamm werden von einer Spezialfirma abtransportiert und entsorgt.

Neben Götting waren auch Bad Aibling und Kolbermoor Schwerpunkte im Mangfalltal. In Bad Aibling stand das Wasser an einigen Straßen nach Angaben von Kreisbrandinspektor Max Goldbrunner bis zu 1,50 Meter hoch in den Kellern. Rund 50 Einsätze allein in der Nacht zählte die Feuerwehr.

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Das örtliche Reha-Zentrum n der BfA-Klinik wurde daher von den Mitarbeitern evakuiert, nachdem die Stromversorgung ausgeschaltet worden war. Wie viele Patienten von der Evakuierung betroffen waren, konnte die BfA gestern nicht beantworten.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“

Besonders betroffen: die Ghersburgstraße. Mit Schlamm überschwemmt wurde außerdem das Freibad Harthausen. Die Feuerwehr reinige die Einrichtung mit großem Aufwand, sagte Bürgermeister Stefan Schlier, „aber diese Woche werden wir das Bad womöglich nicht mehr öffnen können“. Ein Überblick über Schäden sei noch nicht zu gewinnen, sagte Schlier, „aber wir sind wohl mit einem blauen Auge davongekommen.“

Das sagte auch sein Amtskollege Peter Kloo in Kolbermoor. Dennoch hielt das Unwetter die Helfer auch dort auf Trab. Zu knapp 70 Einsätzen wurde die Kolbermoorer Feuerwehr gerufen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Kommandant Franz Wudy.

Neue Unterführung unter Wasser

Überflutet war die Tonwerkunterführung, die erst vor Kurzem in 13-monatiger Bauzeit verbreitert worden war. Bis zu 1,20 Meter stand das Wasser zudem in der Garage der Mangfallschule. Hausmeister Alfred Lax machte gestern Morgen Ordnung. Und die Schüler bekamen von alledem nichts mit.

Die neu gebaute Tonwerkunterführung in Kolbermoor stand komplett unter Wasser.

Auffällig: Es waren kleine Bäche, die für großen Ärger sorgten – so wie der Goldbach. Tobias Hafner, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, bestätigt: „Je kleiner die Bäche sind, desto giftiger reagieren sie auf kurze, schlagartige Duscherer.“

Das Unwetter in der Region im Überblick

Hunderte Einsätze

Nach Auskunft des Landratsamts Rosenheim rückten Feuerwehr und Technisches Hilfswerk im Landkreis Rosenheim zu 310 Einsätzen aus. In der Stadt Rosenheim waren es zwischen Montag, 19 Uhr, und Dienstag, 12 Uhr, 162 Einsätze in Zusammenhang mit dem Unwetter. Rund 1000 Einsatzkräfte, darunter über 70 Helfer vom THW-Ortsverband Rosenheim und dem Ortsverband Bad Aibling, waren darum bemüht, die Schäden so gering wie möglich zu halten. Einige von ihnen ruhten nur kurz, bevor sie sich am Dienstag auf den Weg in Richtung des Katastrophengebiets in Rheinland-Pfalz machten (siehe Seite 12).

Keller vollgelaufen

In Bad Endorf allein zählte die Feuerwehr 80 vollgelaufene Keller, darunter auch der Keller des neuen Kindergartens. Vollgelaufen mit 7000 Kubikmetern Wasser war zudem die Tiefgarage der Raiffeisenbank. Zu 32 Einsätzen, meist wegen vollgelaufener Keller, musste auch die Feuerwehr in Stephanskirchen ausrücken.

ICE muss halten

Auf Höhe der Gemeinde Rimsting musste ein ICE der Deutschen Bahn anhalten. Bäume waren in diesem Bereich auf die Gleise gestürzt und verhinderten eine Weiterfahrt. Eine Stunde später konnte das Landratsamt Rosenheim Entwarnung geben, die Strecke war geräumt. Am nächsten Bahnhof konnten nach Auskunft eines Bahnsprechers die Reisenden in einen Anschluss-IC umsteigen.

Oberleitung beschädigt

Nach Thansau bei Rohrdorf rückte die Feuerwehr aus, weil ein Ast an der Zugstrecke Rohrdorf – Rosenheim die Oberleitung der Bahntrasse beschädigt hatte. Ein Zugführer hatte Alarm geschlagen. Bis die Hochspannungsleitung abgeschaltet war, herrschte Stillstand an der Strecke. Nachdem die Feuerwehr die Oberleitung vom Ast befreit hatte, konnte der Güterzug nach Informationen unserer Zeitung seine Fahrt fortsetzen.

Überstunden im Landratsamt

Der Krisenstab im Landratsamt Rosenheim war während des Unwetters über die Region ständig am Geschehen. Die letzte Lagebesprechung fand nach Angaben der Behörde am Dienstagmorgen um gegen 1.30 Uhr statt.

Riesige Hagelkörner

Mit Hagelkörner in der Größe von Tischtennisbällen sahen sich die Bürger der Gemeinde Breitbrunn konfrontiert. Verletzt wurde durch die gefährlichen Geschosse niemand.

OP-Programm auf der Kippe

Das Unwetter beschäftigte auch die Mitarbeiter im Romed-Klinikum in Rosenheim. Wasser drang ein. Weil unter anderem die Zentralsterilisation stark betroffen war, mussten die Verantwortlichen bangen, ob das OP-Programm am Folgetag zu halten sei. Der Stresstest brachte aber auch positive Aufschlüsse. „Die Alarmierungskette hat hervorragend funktioniert“, sagte Dr. Max von Holleben, Kaufmännischer Leiter des Klinikums. Auch der Teamgeist sei hervorragend. Kollegen seien sogar aus dem Urlaub an den Schauplatz des Geschehens geeilt.

Heimspiel für die Feuerwehr

In Stephanskirchen musste die Feuerwehr ihren ersten Einsatz in puncto Unwetter gewissermaßen daheim absolvieren. Im eigenen Gerätehaus stand das Wasser rund einen halben Meter hoch. Anschließend waren die Einsatzkräfte dann auch in der Nachbarschaft gefordert. So war ein Baum bei Scheiberloh auf ein Auto gestürzt, dass mit zwei Personen besetzt war. Die Insassen blieben unverletzt.

Wasser im Rathauskeller

Gut, dass wichtige Akten in den oberen Stockwerken untergebracht sind: In Bad Endorf ist durch Hagel und Starkregen Wasser in den Rathauskeller eingedrungen. „Es gab keine großen Schäden“, zeigte sich Martin Mühlnickel, geschäftsführender Beamter der Marktgemeinde, erleichert.we/syl

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