Biber grausam mit Schlagfalle getötet: Rosenheimer muss Strafe zahlen – aber behält Jagdschein

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Der Mann hatte eine tödliche Schlagfalle aufgestellt. Darin verendete das Tier. 
  • Rosi Gantner
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  • Elisabeth Kirchner
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Wie viel ist das Leid eines Bibers wert, der grausam in einer Schlagfalle verendet ist? 1500 Euro – zu dieser Strafzahlung verurteilte das Amtsgericht Rosenheim einen 34-jährigen Jäger. Seinen Jagdschein darf er behalten. Unerhört, befindet Südbayerns Biber-Experte Gerhard Schwab.

Rosenheim – Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Rosenheim sorgte für Aufsehen bei Naturschützern und Biber-Experten: Am Happinger See war im Frühjahr 2018 ein Biber in einer Schlagfalle verendet – nun musste sich ein 34-jähriger Rosenheimer, der Jäger und zugleich Jagdpächter für dieses Gebiet ist, vor Gericht verantworten. Denn: Biber sind streng geschützt – und dürfen laut Bundesnaturschutzgesetz weder gejagt noch getötet werden. 

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Das Gericht sah es im aktuellen Fall als erwiesen an, dass der 34-Jährige die Falle aufgestellt hatte. Das Urteil: eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 30 Euro. Summa summarum: 1500 Euro. Und dennoch: Der Jäger kommt gewissermaßen mit einem blauen Auge davon. Denn ab 60 Tagessätzen wäre der Jagdschein in Gefahr gewesen. 

Biber-Experte höchst verärgert 

Eine Tatsache, die den Biber-Experten für Südbayern vom Bund Naturschutz, Gerhard Schwab (Mariaposching), der die Verhandlung selbst verfolgt hat, über alle Maßen ärgert. „Ich hätte mir erwartet, dass er zumindest den Jagdschein los ist“, sagt Schwab. Auch in Hinblick auf die verwendete Falle, im Übrigen illegal, in der das Tier eingeklemmt und getötet wurde.

„Eine Totschlagfalle, die den Brustkorb des Bibers umschließt und ihm die Lunge zerdrückt“, erklärt der Wildbiologe. „Das Tier dürfte zumindest relativ schnell tot gewesen sein.“ 

Täter lassen sich nur schwer ermitteln 

Dass der Fall in Rosenheim überhaupt vor Gericht gelandet ist, das begrüßt der Biber-Experte, der für Ober- und Niederbayern sowie Schwaben zuständig ist, ausdrücklich: „Das ist in Bayern leider sehr selten, weil es oftmals schwer nachzuweisen ist, von wem ein Biber getötet wurde.“ 

Ein Biber knabbert die Rinde von Weidenästen ab. Foto:dpa

Denn: In den meisten Fällen würden zwar tote Biber entdeckt, oft auch mit Einschusslöchern, weiß Schwab. Doch ein Täter ließe sich selten ermitteln. „In diesem Fall ist es richtig gut gelaufen.“ 

Zeuge belastet den Angeklagten schwer 

Zurück zu Verhandlung vor dem Amtsgericht: Ein Zeuge hatte den 34-Jährigen schwer belastet – und vor Gericht mit jeder Menge Fotomaterial aufgewartet. Der Zeuge hatte festgehalten, wie der 34-Jährige am frühen Abend des 11. März 2018 das tote Tier aus der Falle holen wollte. Er alarmierte die Polizei – und trotz Flucht konnte der Rosenheimer ermittelt werden.

Im Blitzlicht-Gewitter die Flucht ergriffen 

Der Zeuge, ein 45-jähriger Raublinger, hatte den toten Biber zusammen mit seiner Frau entdeckt, sich später auf die Lauer gelegt und so den vermeintlichen Täter auf frischer Tat ertappt. Ausführlich schilderte er vor Gericht den Ablauf. Er habe sofort nach dem Fund des Bibers am Nachmittag die Polizei verständigt, die aber mangels Transportmöglichkeiten nur den Vorfall vor Ort aufgenommen habe. Er habe sich später dann erneut zum Tatort begeben und gesehen, wie der vermeintliche Täter „ohne Licht“ herangefahren sei, „ohne zu zögern in der Dämmerung“ zur Falle gegangen sei, um dort mittels einer Fallenzange den toten Biber aus der Falle herauszuschneiden. 

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Durch das Foto-Blitzlicht des Zeugen gestört, sei der Angeklagte dann mit dem toten Biber durch den Bachlauf davongelaufen. Auch zwei Polizeibeamte waren als Zeugen geladen. Einer war zur Bestandsaufnahme vor Ort gewesen, der Zweite hatte sich um das weitere Ermittlungsverfahren gekümmert. 

So habe er sich beispielsweise schriftlich mit der Jagdbehörde ausgetauscht. Demnach ist der Angeklagte Mitpächter im Jagdrevier Happinger See, ihm seien vier Biberfallen erlaubt worden. Amtsrichter Dombrowski hielt daraufhin zusätzlich fest, dass es zwei Bescheide von Stadt und Landkreis Rosenheim gebe, wonach dem Angeklagten eine Biberentnahme, allerdings an anderer Stelle, im gleichen Zeitraum zugestanden worden war. 

Fischer: Hier gibt’s seit Jahren Biber 

Zu Wort kam vor Gericht auch ein Fischer, der den toten Biber schon in den Morgenstunden bemerkt – und den 34-Jährigen in seiner Eigenschaft als Jagdpächter informiert hatte. Auf Nachfragen des Amtsrichters erklärte der Zeuge, dass Biber in diesem Bereich schon seit rund zehn Jahren beheimatet seien. „Wenn einer weg ist, dann kommt der nächste.“ 

Für die Staatsanwaltschaft schien die Sachlage klar: Sie plädierte auf schuldig. Dieser sei in der Dämmerung zielgenau zur Falle gegangen und habe sich durch sein Weglaufen verdächtig verhalten. 

Dem Zeugen, der den Angeklagten beobachtet und fotografiert habe, bescheinigte er wiederum „Belastungseifer.“

Staatsanwalt fordert hohe Geldstrafe 

Trotz eines fehlenden Geständnisses sei der Angeklagte wegen der Gefährlichkeit der Biberfalle zu verurteilen, wenngleich sich strafmildernd auswirke, dass er anderer Stelle zu einer Biberentnahme berechtigt gewesen sei. Der Staatsanwalt forderte deshalb 70 Tagessätze à 50 Euro. 

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Matthias Schütrumpf, plädierte indes auf Freispruch. Sein Mandant habe sich insofern richtig verhalten, als er sich vom vermeintlichen Tatort entfernt habe, da der Zeuge, der den Fall ins Rollen brachte, „sehr emotional und mit großem Engagement“ den Täter dingfest habe machen wollen. Den Biber aus der Falle zu entnehmen, sei seine Pflicht als Jäger im Jagdrevier. Richter bleibt bei 50 Tagessätzen Einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz, das das Jagen der streng geschützten Biber untersagt, sah auch Richter Dirk Dombrowski. Deshalb sein Urteil: 50 Tagessätze à 30 Euro. 

Augenfällig sei es gewesen, wie der Beklagte die Falle aufgefunden habe. Dass er eine Fallenzange mitgeführt habe, sei ebenfalls ein Anzeichen, dass er die Falle aufgestellt habe, zeigte sich der Richter überzeugt. Dass mit dem Fang des Bibers der Bereich am Happinger See nun frei von den Nagern ist, das bezweifelt zumindest Biber-Experte Schwab: „Ist ein Biber weg, übernimmt der nächste das Revier. Das geht schnell.“

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