URLAUB AUF VERDACHT

Besitzer von Ferienwohnungen im Raum Rosenheim leiden unter coronabedingter Hängepartie

Keine Mieter in der Wohnung: Ann-Kathrin Brückner und Gottfried Garnreiter können den zahlreichen Anfragen aufgrund der Corona-Beschränkungen im Moment nicht nachkommen.
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Keine Mieter in der Wohnung: Ann-Kathrin Brückner und Gottfried Garnreiter können den zahlreichen Anfragen aufgrund der Corona-Beschränkungen im Moment nicht nachkommen.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Sie werden seit Wochen mit Buchungsanfragen aus der ganzen Republik überflutet, wissen aber nicht, was sie ihren möglichen Gästen antworten sollen. Die Besitzer von Ferienwohnungen in der Region leiden unter der coronabedingten Hängepartie. Die Ostereinnahmen haben sie fast schon abgeschrieben.

Rosenheim– Urlaub in Bayern ist in Zeiten von Corona eine naheliegende Option. Vermieter von Ferienwohnungen dürfen allerdings, wie Hotels und Pensionen, nach wie vor keine Gäste aufnehmen. Viele von ihnen hoffen dennoch auf Osterurlauber.

Die letzten Urlaubsgäste sind Anfang November abgereist. Seitdem hatten Ann-Kathrin Brückner und Gottfried Garnreiter in ihren Ferienwohnungen in Bernau ein paar Geschäftsreisende und eine Familie, deren Tochter in einer Klinik in der Nähe behandelt wird. „Natürlich sind Geschäftsreisende willkommen, aber es rentiert sich kaum“, sagt Brückner. „Die bleiben oft nur für eine Nacht.“

Viele Anfragen, wenig Gewissheit

Das Paar hat vor drei Jahren sechs neue Ferienwohnungen gebaut, sie sind auf Urlauber mit Hunden spezialisiert. Auch derzeit kommen viele Buchungsanfragen, „und in die Antwortmails schreiben wir immer den gleichen Satz: Wenn Sie nicht reisen dürfen, stornieren wir die Buchung kostenlos.“. Brückner und Garnreiter verstehen nicht, warum sie immer noch geschlossen haben müssen. „Das Infektionsrisiko in Ferienwohnungen ist verschwindend gering. Und bei uns wären die Gäste registriert unterwegs.“

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Die Region zieht eigentlich das ganze Jahr über Urlauber an. „Überrannt werden wir immer“, sagt Markus Ritter, Geschäftsführer des Verbands der privaten Gastgeber im Chiemgau. „Es gibt eigentlich nichts Sichereres als Ferienwohnungen. Wir sind nicht das Problem, sondern die Lösung.“ Mit jedem Tag Lockdown und Beherbergungsverbot werde die Lage auch für die Vermieter immer schlimmer. Viele private und gewerbliche Gastgeber haben in ihre Ferienwohnungen und Pensionen investiert, so wie es die Politik gefordert hatte. Doch weil es für private Anbieter keine Entschädigungen gibt, stünden einige jetzt vor Riesenproblemen.

Antrag auf staatliche Hilfe abgelehnt

Eine „riesige Sauerei“ nennt es Josef Bogenhauser vom Rieplhof am Samerberg. Da er den Anbau auf seinem Gelände neben seiner Tätigkeit als Bauer privat vermietet, ist sein Antrag auf staatliche Hilfe abgelehnt worden. Die Folge: „Keinerlei Entschädigung und der Verlust unseres zweiten Standbeins.“

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Viele Gäste buchen trotz der aktuellen Unsicherheit auf gut Glück oder sogar schon für das nächste Jahr, wie Philipp Hufschmid vom „Old-Farmhouse“ in Egling bei Wasserburg bestätigt. Je näher jedoch die Osterferien rücken, desto mehr Stornierungen muss der Manager des Familienbetriebs allerdings hinnehmen. Aufgrund der aktuellen Entwicklung hat er daher „sogar Pfingsten schon fast abgeschrieben“.

Auch bei den Verbänden im Landkreis sinkt die Zuversicht. Christina Pfaffinger, Geschäftsführerin des Chiemsee-Alpenland-Tourismusverbands, fehlen die Worte angesichts der derzeitigen Lage der gesamten Tourismus-Branche.

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Aus Sicht von Claudia Kreier, Kommunikationsleiterin des Chiemgau-Tourismus-Vereins, wird es „langsam dramatisch“, wenn für die Vermieter im Landkreis auch noch das Ostergeschäft wegfällt. Sie sei daher mehr und mehr verzweifelt und sieht sich machtlos, die Entscheidungen der Politik zu ändern.

Vermieter können nur abwarten

Für Silvia Hell, Inhaberin der „Ferienwohnungen Rosenheim“ zwischen Stephanskirchen und Prutting, hilft daher aktuell nur ein pragmatischer Ansatz: Wie die anderen Ferienwohnungsbesitzer in der Region hat sie schon zahlreiche Anfragen für die Osterferien bekommen und wartet ab, ob sich bis dahin noch etwas verändert. Bis dahin bleibt Hell jedoch gelassen: „Wenn wir wieder öffnen dürfen, öffnen wir und fertig. Jammern hilft uns allen im Moment auf jeden Fall gar nichts.“

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