Ab dem 1. Februar

Berufsschule Bad Aibling: Sichere IHK-Prüfungen in leerer Schule laufen an

Die Abstände der Arbeitsplätze für die Praxis-Abschlussprüfungen passen: Schulleiter Jürgen Ersing (rechts) und Fachoberlehrer Heinz Wuttig mit Maßstab in einer Schul-Werkstatt der Staatlichen Berufsschule Bad Aibling.
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Die Abstände der Arbeitsplätze für die Praxis-Abschlussprüfungen passen: Schulleiter Jürgen Ersing (rechts) und Fachoberlehrer Heinz Wuttig mit Maßstab in einer Schul-Werkstatt der Staatlichen Berufsschule Bad Aibling.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Angehende Gesellen der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnick müssen jetzt ihr Fachwissen beweisen. Trotz Corona-Lockdown sind an der Staatlichen Berufsschule Bad Aibling die praktischen Abschlussprüfungen für Anlagenmechaniker angelaufen.

Bad Aibling – Dreieinhalb Jahre Fachausbildung liegen hinter ihnen, jetzt stehen die praktischen Abschlussprüfungen an: Ab Montag, 1. Februar, müssen auch in der Staatlichen Berufsschule Bad Aiblingin den kommenden Tagen 34 angehende Gesellen beweisen, was sie in ihrer Azubi-Zeit gelernt haben. Ihr zukünftiges Arbeitsfeld als Anlagenmechaniker ist die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik; in diesem Bereich installieren sie ver- und entsorgungstechnische Anlagen und Systeme und halten sie instand…

Aber halt: Prüfungen in einer Berufsschule, obwohl derzeit Corona bedingt alle Schulen geschlossen sein müssen? „Die Berufsschule Bad Aibling ist derzeit zwar außer Betrieb, aber es gibt kein Betretungsverbot“, erklärt Schulleiter Jürgen Ersing auf Anfrage der OVB Heimatzeitungen.

Berufsschulen stellen der IHK die Räume zur Verfügung

„Wir stellen unsere Räumlichkeiten zur Verfügung, und die von der Industrie- und Handelskammer (IHK) angesetzten Praxis-Abschlussprüfungen dürfen unter Einhaltung eines Hygienekonzepts abgehalten werden“, verweist der Oberstudiendirektor auf Paragraf 17 der „Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung“ vom 15. Dezember 2020.

Darin heißt es zum „Prüfungswesen“: „Die Abnahme von Prüfungen ist nur zulässig, wenn zwischen allen Teilnehmern ein Mindestabstand von 1,5 Meter gewahrt ist. Soweit die Einhaltung des Mindestabstands aufgrund der Art der Prüfung nicht möglich ist, sind gleichermaßen wirksame anderweitige Schutzmaßnahmen zu treffen.“

Prüfungen aufgrund der Schulschließung möglich

Dass in der Aiblinger Schule diese Prüfungen durchgezogen werden können, „ist nur aufgrund der Corona bedingten Schulschließung möglich“, betont Ersing. „Weil wir durch den Distanzunterricht hier derzeit keine Schüler haben, können wir die Abstände und die geforderten Hygienevorschriften einhalten“.

Als Schulleiter habe er im Sinne seiner Lehrkräfte außerdem gefordert, „dass wir von jedem Prüfling einen negativen Corona-Test vorliegen haben, der nicht älter als drei Tage sein darf“. Dass alle Beteiligte zudem FFP-2-Masken tragen müssen, sei logischerweise obligatorisch.

IHK hält an Terminplanung fest

Trotz der bundesweit hohen Corona-Infektionszahlen hält die IHK an ihrer Terminplanung fest, wie es auf ihrer Website heißt: „Die vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus mitgeteilte Verschiebung der Abschlussprüfungen 2021 in Gymnasien, Mittel-, Real- und Wirtschaftsschulen hat keine Auswirkungen auf die Prüfungen der IHK für München und Oberbayern. Die Prüfungen der IHK werden also nicht verschoben.“

Der Handwerkskammer spielt die Architektur und wie auch Einrichtung der Schul-Werkstätten der Berufsschule an der Ellmosener Straße in die Karten, wie Fachoberlehrer Heinz Wuttig der Redaktion erläutert. „Die Räume sind etwa 240 Quadratmeter groß und über vier Meter hoch. Bei acht Prüflingen pro Gruppe und zwei Prüfern stehen also über 24 Quadratmeter pro Person zur Verfügung; da können die geforderten Abstände eingehalten werden.“ In dem Prüfungsraum werde normaler Weise auch geschweißt, deshalb sei eine Lüftungsanlage installiert, „die pro Stunde mindestens viermal die Luft ‘raussaugt und Frischluft wieder zuführt“, so Wuttig.

Was wohl bedeutet, nur wenig Chancen für die Ausbreitung von Viren schwangeren Aerosolen.

Stark dimensionierte Abluftanlagen in den Schul-Werkstätten

„Das ist bei uns in allen Fachbereich-Werkstätten so. Die Abluftanlage zum Beispiel bei den Zimmerern ist sehr viel stärker dimensioniert. Aufgrund der maschinellen Holzbearbeitung muss dort der Feinstaub abgesaugt werden, damit unsere Schüler und Lehrkräfte nicht krank werden“, gibt der Schulleiter zu bedenken. Entsprechendes gelte für die Werkstatt der Industriemechaniker, wo die Luft mit Ölgemischen belastet sei.

Für den Berufsschulleiter zählt noch ein weiterer Aspekt, warum die Abschlussprüfungen trotz des Lockdown sein müssen. Ersing: „Die Schüler sind jetzt dreieinhalb Jahre in der Ausbildung und haben ein Recht auf den Abschluss. Solange sie den nicht haben, beziehen sie Ausbildungslohn; der liegt in dem Fachbereich im dritten Lehrjahr bei knapp 1000 Euro. Wenn sie fertige Gesellen sind, verdienen sie etwa 2000 Euro brutto. Das ist viel Geld.“

Umfrage

Schulleiterin Bärbel Marx (OStDin), Staatliche Berufsschule I, Rosenheim: „Unsere dualen Partner, HWK und IHK, organisieren derzeit ihre Abschlussprüfungen für die Auszubildenden verschiedener beruflicher Fachrichtungen im Gebäude der Berufsschule 1. Wir sind sehr froh, dass die Kammern mit ihren überlegten Konzepten unseren Schülerinnen und Schülern den Abschluss ihrer Ausbildung in der Pandemie ermöglichen.“
Schulleiterin Christiane Elgass (OStDin), Staatliche Berufsschule II, Rosenheim: „Bei uns besteht ein Teil der Prüfungen aus praktischen Arbeiten am Computer wie zum Beispiel mit Tabellenkalkulation- oder Textprogrammen für die Kaufleute im Büromanagement. Die Schüler kommen in die Schule, werden auf verschiedene Räume verteilt und absolvieren ihre Prüfungen. Dabei handelt es sich um Veranstaltungen der IHK München-Oberbayern.“
Schulleiter Gerhard Heindl (OStD), Staatliche Berufsschule Wasserburg: „Wir haben die Vorgabe, wenn eine zuständige Stelle wie die Handwerkskammer in den Räumen der Berufsschule Wasserburg die Prüfungen durchführen möchte, dann erlaubt der Landkreis als Sachaufwandsträger in Absprache mit der Schule, dass die Räume zur Verfügung gestellt werden dürfen. Die Verantwortung liegt bei dem Prüfungsausschuss.“

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