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„Berufsbetrüger“ narrt Helfer: Mann (53) muss viereinhalb Jahre hinter Gitter

Ein 53-Jähriger muss viereinhalb Jahre hinter Gitter.

Ein 53-jähriger Mann aus Grassau ist vor dem Landgericht in Traunstein zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Der Mann hatte vier Geschädigten rund 50 000 Euro aus der Tasche gezogen.

Traunstein/Grassau – Einen 53-jährigen „Berufsbetrüger“, wie ihn Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel nannte, verurteilte die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein wegen 33-fachen Betrugs an einem ehrenamtlichen Gefangenenbetreuer und anderen Opfern zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Der mehrfach und einschlägig vorbestrafte Grassauer mit reichlich Hafterfahrung hatte den vier Geschädigten, darunter ein Ehepaar, rund 50 000 Euro mit wüsten Storys aus der Tasche gezogen.

Ehrenamtlichen Betreuer mindestens 20-mal angepumpt

Der Angeklagte mit italienischem Alias-Namen, in Hückelhoven geboren, saß zuletzt bis Ende November 2018 in der Justizvollzugsanstalt Bernau. Während der Haftzeit lernte er einen der späteren Geschädigten kennen. Der ehrenamtlich aktive Betreuer unterstützte ihn nach der Entlassung aus dem Gefängnis, wo er nur konnte. Der 53-Jährige erfand eine fantastische Legende, um den hilfsbereiten Mann und andere Menschen finanziell zu schröpfen. Er spiegelte vor, sich in einem Zeugenschutzprogramm des Bundeskriminalamts Stuttgart und des Bayerischen Landeskriminalamts München zu befinden. Der Grund: Er sei „als Kind von einem Pädophilenring missbraucht und verkauft worden“. Sein deutscher Name sei ein Deckname des BKA. Tatsächlich sei er in Sizilien geboren und heiße Nino Di Salvo. Sein Vermögen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe aus einer Erbschaft seiner Familie in Mainz sei „von der Gerichtskasse eingefroren worden“. Deshalb komme er an das Geld nicht heran.

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Vier gutgläubige und hilfsbereite Geschädigte fielen auf die Geschichte herein. Um dem Betrüger den Weg zurück in ein geordnetes Leben zu ebnen, stellte der Betreuer den Kontakt zu einem Wohnungseigentümer her – der dem 53-Jährige netterweise im Dezember 2018 seine Wohnung in Grassau für 518 Euro Monatsmiete plus 840 Euro Kaution überließ. Auch hier setzte der Betrüger die Masche mit dem Zeugenschutzprogramm ein. Er behauptete, es werde bald aufgehoben. Dann könne er über die Erbschaft verfügen. Der Vermieter blieb auf einem Schaden von mehreren tausend Euro sitzen.

Seinen ehrenamtlichen Betreuer pumpte der Ex-Sträfling mindestens 20-mal um Bargeld in fünfstelliger Höhe an – vorgeblich für Krankenkassenbeiträge und für den Lebensunterhalt einschließlich Kleidung, Handy und Computer. Hier führten das Zeugenschutzprogramm, aber auch das imaginäre Vermögen sowie Schulden beim Finanzamt und der Gerichtskasse zum Erfolg. Dieser Trick zog außerdem beim Kauf von zwei Autos.

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Ein Ehepaar hörte über den ehrenamtlichen Betreuer vom herben „Schicksal“ des Angeklagten und wollte diesen ebenfalls finanziell unterstützen. Binnen vier Monaten griff der 53-Jährige mindestens zehnmal Bargeld zwischen jeweils 700 und 7000 Euro ab. Darüber hinaus übergab das Paar dem Betrüger einen Pkw zum Verkauf, hatte er sich doch gebrüstet, gute Rabatte von bis zu 60 Prozent für den Erwerb eines anderen Fahrzeugs verschaffen zu können. Er gaukelte dazu vor, früher für einen Autohersteller tätig gewesen zu sein. Der 53-Jährige gab den fremden Wagen dann bei einem Autohaus in Kolbermoor für den Kauf eines Fahrzeugs für sich selber in Zahlung. Angesichts des vom Verteidiger angekündigten Geständnisses hörte das Gericht gestern nur den Polizeisachbearbeiter als Zeugen an, dazu noch eines der im Zuhörerbereich anwesenden Opfer kurz zur Schadenshöhe.

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Im Urteil wertete der Vorsitzende Richter den hohen Nettoschaden als strafschärfendes Argument, ebenso die offene Bewährung zu den Tatzeiten. Dr. Jürgen Zenkel fand harsche Worte für das kriminelle Vorgehen des 53-Jährigen: „Sie haben in ganz extremer Weise das Ihnen entgegengebrachte Vertrauen von Menschen missbraucht, die sich aus Nächstenliebe heraus alle Mühe gegeben und eigene Kosten nicht gescheut haben, um Ihnen Gutes zu tun.“ Der Angeklagte habe das „schändlich ausgenutzt mit absurden Geschichten“. Solches Verhalten ziehe sich wie ein roter Faden durch das ganze Leben des 53-Jährigen. Er sei in der Lage, „Grundmisstrauen von Menschen zu zerreden“.

„Nach Bernau werden Sie wohl nicht mehr kommen“

Positiv gesehen habe das Gericht das Geständnis, die Reue, die Einsicht und die zumindest verbal geäußerte Absicht auf Wiedergutmachung. Die laufende Bewährung werde mit Sicherheit widerrufen. Der Vorsitzende Richter kündigte an: „Nach Bernau werden Sie wohl nicht mehr kommen. Dafür ist die Strafe zu hoch.“ Im Urteil ordnete die Sechste Strafkammer weiter einen Wertersatz von etwa 50 000 Euro an.

Staatsanwältin Barbara Dallmayer hatte fünf Jahre Haft beantragt, Verteidiger Benedikt Gschwendner aus Traunstein dreieinhalb Jahre.

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