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Bereits um 4 Uhr nach München

Den ersten Halt eines Meridians im Rosenheimer Bahnhof verfolgten auch Geschäftsführer Michael Daum von der Herstellerfirma Stadler Pankow, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Dirk Bartels, Geschäftsführer von Veolia Deutschland, und BOB-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein (von links). Foto Aerzbaeck
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Den ersten Halt eines Meridians im Rosenheimer Bahnhof verfolgten auch Geschäftsführer Michael Daum von der Herstellerfirma Stadler Pankow, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Dirk Bartels, Geschäftsführer von Veolia Deutschland, und BOB-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein (von links). Foto Aerzbaeck

Premiere am Bahnhof Rosenheim! Zum ersten Mal musste die Deutsche Bahn (DB) gestern hier im wahrsten Sinne des Wortes Platz machen für die Bayerische Oberlandbahn (BOB). Auf Gleis 1 fuhr ein fabrikneuer "Meridian" ein. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer verfolgte die Einfahrt des Zuges.

Rosenheim - Monatelang hatten sich die Verhandlungen zwischen Veolia und Deutscher Bahn (DB) hingezogen. Tausende Pendler befürchteten bis zuletzt, deutlich an Flexibilität zu verlieren, wenn die BOB mit dem Fahrplanwechsel im Dezember die Strecken München-Salzburg, Holzkirchen-Rosenheim und Rosenheim-Kufstein bedient. Einige hatten bereits angekündigt, auf das Auto umzusteigen. Doch jetzt steht fest: DB-Tickets im Nah- und Fernverkehr sind künftig auch im "Meridian" gültig. "Alle Verträge liegen unterschriftsreif vor", versicherte gestern Kai Müller-Eberstein, seit einigen Wochen neuer Geschäftsführer der BOB, bei einer Pressekonferenz im Inneren des neuen Zuges.

"Hier ging es um sehr, sehr viel Geld", begründete er die lange Dauer der Debatte. Letztlich sei er aber heilfroh, mit der DB eine Lösung gefunden zu haben. Neben DB-Zeitkarten werden alle Angebote, auch Bayern-Ticket, Schönes-Wochenende-Ticket sowie die Bahncard, anerkannt. Im Bahnhof Rosenheim werden zudem "Meridian"-Kundenschalter eingerichtet und zusätzliche Fahrkartenautomaten aufgestellt.

Nicht ganz so erfreulich sind dagegen die Nachrichten, was die neuen Fahrzeuge des Herstellers Stadler Pankow betrifft. Von den ursprünglich 35 bestellten Flirt-Zügen (davon 28 Sechsteiler und sieben Dreiteiler) werden nur 20 Stück (sechsteilig) zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember fertig. Veolia geht davon aus, dass bis dahin alle notwendigen Zulassungen durch das Eisenbahnbundesamt vorliegen und zumindest diese Fahrzeuge einsatzbereit sind.

Der BOB fehlen vorerst noch Züge

Nichtsdestotrotz fehlen der BOB im Winter auf jeden Fall Züge. Um den Fahrplan einhalten zu können, leiht sich das Unternehmen Fahrzeuge aus. "Zwei Züge von DB Regio, vier von den Österreichischen Bundesbahnen, zwei von der Ostdeutschen Eisenbahn, und einen bekommen wir intern von einem anderen Veolia-Betrieb", schlüsselte Müller-Eberstein die Zusammensetzung der dann insgesamt 29 Fahrzeuge auf. "Es wird auf jeden Fall nichts schlechter, es bleibt vorerst so, wie es ist", ergänzte Veolia Deutschland-Chef Dirk Bartels. Sollten alle Stricke reißen, gebe es ein Ersatzkonzept, so der Veolia-Chef. Dann stünden noch Fahrzeuge der S-Bahn München zur Verfügung.

Der bei der Pressekonferenz geäußerten Befürchtung, es handle sich bei den geliehenen Zügen unter Umständen um ausrangierte "Schrottfahrzeuge", widersprach er. Ein Vertreter des Berchtesgadener Landratsamtes mahnte zudem, diese "fremden" Fahrzeuge gut zu beschildern, um bei den Fahrgästen keine Verwirrung zu stiften. Schließlich könnte ein von den ÖBB geliehener Zug, der im Auftrag der BOB unterwegs ist, genauso gut ein regulärer Korridorzug der ÖBB sein, der einen außerplanmäßigen Halt im Chiemgau einlegt.

Die versprochenen Verbesserungen, beispielsweise der Halbstundentakt auf den Strecken im Inn- und Mangfalltal und in Spitzenzeiten einen 15-Minuten-Takt zwischen Rosenheim und München, können erst dann umgesetzt werden, wenn die restlichen 15 Züge geliefert werden. "Das ist spätestens Ende April der Fall", sagte Müller-Eberstein.

Minister zeigte sich angetan

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zeigte sich sichtlich angetan von diesem "Prachtexemplar eines Zuges". Zugleich rekapitulierte er aber die Probleme bei der Zulassung der neuen Fahrzeuge. Er sei zwar nicht zuständig für den regionalen Schienenverkehr, als sich aber vor einem Dreivierteljahr derartige Probleme abgezeichnet hätten, habe er sich sehr wohl eingeschaltet, um den "Stier bei den Hörnern zu packen" und diesen bundesweiten Prozess zu straffen. Michael Daum, Vorsitzender der Geschäftsführung von Stadler Pankow, dankte ihm dafür. Er erklärte zudem, dass während der Zulassung plötzlich neue Auflagen beim Nachweis der Achsfestigkeit notwendig geworden seien und es deshalb zeitliche Verzögerungen gegeben habe.

Inzwischen stehen auch neue Details für den ab Dezember gültigen Fahrplan fest. Ab Salzburg soll täglich ein zusätzlicher Abendzug um 23 Uhr nach München rollen, in der Früh ist die erste Fahrt nach München bereits um 4 Uhr geplant. Zu den weiteren Verbesserungen gehören die stündliche Anbindung von Großkarolinenfeld, Ostermünchen und Aßling sowie durchgehende Züge aus dem Mangfalltal in Richtung München im Berufsverkehr. Die Zeitersparnis beträgt laut Veolia zwischen Kufstein beziehungsweise Salzburg in Richtung München jeweils zehn Minuten. Der minutengenaue Plan wird jedoch erst im November veröffentlicht. Bartels betonte außerdem, dass der Konzern ausreichend Personal habe, um den Betrieb fristgerecht aufzunehmen. Als Werkstätten dienen der BOB zudem die Standorte Freilassing und Regensburg.

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