Ja zur Belebung, Nein zu einem „Disneyland“: Am Sudelfeld soll ein „Gamspark“ entstehen

Genug Platz für einen Erlebnisspielplatz bietet das Plateau zwischen Waller- (rechts vorne) und Speckalm (rechts hinten). Hier eine Aufnahme der Örtlichkeiten beim Bau der Beschneiungsanlage 2014.
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Genug Platz für einen Erlebnisspielplatz bietet das Plateau zwischen Waller- (rechts vorne) und Speckalm (rechts hinten). Hier eine Aufnahme der Örtlichkeiten beim Bau der Beschneiungsanlage 2014.

Die Katze ist aus dem Sack – oder besser die Gams: Nach dem in den Alpen beheimateten Tier soll das Sommerkonzept für das Sudelfeld benannt werden. Erste Ideen stehen fest. Belebung ja, aber bloß kein „Disneyland“: In etwa so lautete bislang die Meinung der Gemeinde Bayrischzell zu einem möglichen Sommerkonzept fürs Sudelfeld.

Von Daniel Wegscheider

Brannenburg/Bayrischzell – Jetzt gibt es konkrete Ideen für eine Gestaltung und Vermarktung des Gebiets außerhalb der Skisaison. Vertreter des Tourismus-Kommunalunternehmens Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) haben im Gemeinderat ein detailliertes Bild vorgestellt. Nicht nur der Projektumfang, sondern auch die Kosten fallen alles andere als bescheiden aus: rund eine Million Euro müssten dafür investiert werden. Dennoch hat der Gemeinderat das Konzept einstimmig befürwortet und der ATS grünes Licht für die nächste Planungsphase gegeben.

Fördergelder der Alpenmodellregion

Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU) beschwichtigte: Es handle sich lediglich um einen ersten Entwurf. Diesen müsse man als Masterplan zeitnah einreichen, um Fördergelder der Alpenmodellregion für einzelne Planungen abholen zu können. Zuschüsse von bis zu 75 Prozent seien denkbar, so Kittenrainer. Erst danach würden die Ideen bei Workshops und unter Beteiligung von Bürgern und betroffenen Grundstückseigentümern konkret besprochen. „Die ATS ist zuständig für das Konzept, nicht für die Umsetzung“, sagte Kittenrainer. „Das obliegt dem neuen Gemeinderat.“

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ATS-Vorstand Harald Gmeiner entging bei seiner Marktanalyse nicht, dass das Sudelfeld bereits durch den Skibetrieb komplett erschlossen ist – mit Speicherteich, Liftanlagen und Gastronomien. Gute Voraussetzungen, um auch im Sommer die Lage am Berg für „Bewegung in der Natur erlebbar zu machen“, schilderte Gmeiner. Dafür sind Wandern, Klettern und Radeln das Credo der ATS. Hoch oben kam Gmeiner auch die Idee für den Namen des geplanten Erlebnisparks: „Gamspark Sudelfeld.“

Alpines Tier auf dem Wappen der Gemeinde

Das alpine Tier kommt gelegen: So prangt es auf dem Bayrischzeller Wappen und kann auf Vorgipfeln des Großen Traithen in freier Wildbahn gesichtet werden. Angelehnt ist der Titel ferner an die Gams-Kletterskulptur auf dem Wendelstein und an eine Sage von der „weißen Gams“, die in der Region angeblich über Stock und Stein sprang. Ein Motto, „das familien- und kinderfreundlich ist, um es bestens vermarkten zu können“, erklärte Gmeiner und träumte bereits von Plüschtieren und Malbüchern als Souvenirs.

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Ein möglicher Erlebnisspielplatz auf rund 1000 Quadratmetern könnte in der Nähe der Berggasthöfe Waller- und Speckalm entstehen. Mit Seilgarten, Slackline-Park und einem Kleinkinderbereich mit Rutsche und Sandkasten. Für Klettermaxe sei eine Boulderhütte an der Bergstation des Kitzlahner-Sessellifts sowie im Erlebnispark vorstellbar. Wer es rasanter möchte, könnte laut Gmeiner per Mountaincart vom Oberen zum Mittleren Sudelfeld auf der Teerstraße herunterkurven.

Wanderrouten geplant

Zudem plane die ATS mehrere Wanderrouten: Einfach ist der „Gamskitz-Steig“, der rund um den Sudelfeldkopf führt und flach angelegt ist. Auf diese Weise können auch Rollstuhlfahrer und Kinderwagen problemlos die Tour schaffen. Anspruchsvoller ist dagegen der „Gams-Steig“, der hoch zu einer Aussichtsplattform auf dem Vogelsang führt. Durchs Kanonenrohr soll auch eine Route zurück ins Tal führen.

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All diese „Wege müssen zuerst entstehen, es gibt dort keine“, räumte Gmeiner ein. Angelegt werden müssten auch Pfade für Mountainbiker, die laut ATS-Chef ein wesentlicher Bestanteil des Konzepts sind. Auch hier gelte die Routen-Einteilung in leicht und schwer, ergänzte ATS-Mitarbeiter Lukas Hanrieder. Der „Flowtrail“ auf festem Untergrund sei für Anfänger und Kinder geeignet, während der schmale „Singletrail“ steiler und auf naturbelassenem Grün befahren werde. Hanrieder erachtet das „Einzugsgebiet aus touristischer Sicht als Traum“. Bis zu 34 000 Mountainbiker könnten jährlich das Sudelfeld befahren.

Autofreie Zone ein großer Wunsch

Kittenrainer fand die Projektvorstellung „hochinteressant“. Man könne sie guten Gewissens befürworten. „Das Sudelfeld ist bereits kommerzialisiert. Wäre es die Rotwand, würde ich sturmlaufen.“ Auch den Wunsch, das Sudelfeld autofrei zu machen, will Kittenrainer weiter verfolgen. Allerdings brauche es für ein schlüssiges Sommerkonzept auch den Bau einer Bergbahn vom Tal aus. Vize-Bürgermeister Egid Stadler (CSU) bestätigt das: „Die ist im Sommer sogar wichtiger als im Winter.“

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