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Beim Thema Brenner-Nordzulauf: Die Grünen im Schraubstock

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Grünen-Größen wie Anton Hofreiter oder Cem Özdemir wollen den Bau neuer Gleise für den Brenner-Nordzulauf keineswegs ausschließen – ganz im Gegensatz zur grünen Basis im Raum Rosenheim. Diese Zwickmühle bewertet Norbert Kotter, Chef vom Dienst der OVB-Heimatzeitungen, in einem Kommentar.

Von Norbert Kotter

Kommentar – Aus strategischer Sicht durften sich die Grünen lange insgeheim ein wenig darüber freuen, dass sich die Planung einer Neubautrasse für den Brenner-Nordzulauf vor allem für die CSU-Mandatsträger vor Ort wie ein Klotz am Bein anfühlt. Während sich die in Berlin in der Regierungsmitverantwortung stehende Mutterpartei hinter dieses bedeutende europäische Verkehrsprojekt stellt, beziehen ihre Repräsentanten in der Region hierfür kräftig Prügel von den Trassengegnern.

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Mittlerweile kennt auch die grüne Basis in Stadt und Land die Gefühlslage im politischen Schraubstock. Das begann im Frühjahr bei einer Wahlveranstaltung mit Cem Özdemir. Der prominente Vertreter der Ökopartei, zugleich Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag, redete den Kritikern einer Neubaustrecke nicht nach dem Mund und schloss die Notwendigkeit von zwei zusätzlichen Gleisen nicht aus. Dass dies auch Toni Hofreiter als Fraktionsvorsitzender der Partei im Parlament nicht tut, erhöht den Leidensdruck für die Parteibasis.

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Wenig Spielraum

Mag das Duo Özdemir/Hofreiter mit dieser Haltung auch im Moment keine Pluspunkte vor Ort erzielen, einen Vorwurf kann man ihm nicht machen: auf billigen politischen Populismus zu setzen. Freilich wäre dessen Langzeitwirkung auch begrenzt. Wer nämlich eine solch radikale Verkehrswende wie die Grünen fordert und möglichst viele Kapazitäten von der Straße auf die Schiene verlagern will, kann sich gar nicht glaubhaft gegen einen Brenner-Nordzulauf mit maximaler Leistungsfähigkeit stellen. Auch wenn er einer Neubautrasse bedürfte.

Wollen sie ernstgenommen werden, haben die Kommunalpolitiker der Grünen wenig Spielraum. Auf keinen Fall dürfen sie sich von denen vereinnahmen lassen, die eine rigorose Verweigerungshaltung an den Tag legen. Sie müssen vielmehr fest im Verbund mit der Phalanx jener politischen Kräfte stehen, die sich mit Kreativität, dem Blick für Realitäten und Pragmatismus im laufenden Planungsdialog und den noch folgenden Verfahren für Lösungen einsetzen, die ökonomische und ökologische Interessen bestmöglich miteinander in Einklang bringen. Nur so ist der größtmögliche Schutz unserer Heimat und für das Wohl der am Nordzulauf wohnenden Menschen zu erzielen.

Schreiben Sie dem Autor: norbert.kotter@ovb-online.de

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