Prozess in Traunstein

Bei Bad Feilnbach erwischt: 50-Jähriger schmuggelt kiloweise Kokain – lange Haftstrafe

Bereits am Irschenberg war der Polizei der Drogenkurier aufgefallen. An einem Autobahnrastplatz bei Bad Feilnbach hatten die Einsatzkräfte den Fahrer (50) aus Marokko dann herausgewunken.
+
Bereits am Irschenberg war der Polizei der Drogenkurier aufgefallen. An einem Autobahnrastplatz bei Bad Feilnbach hatten die Einsatzkräfte den Fahrer (50) aus Marokko dann herausgewunken.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
    schließen

Über 12 Kilogramm Kokaingemisch hatte ein 50-jähriger Marokkaner im Auto versteckt, als er im Oktober 2019 von Schleierfahndern bei Bad Feilnbach angehalten wurde. In Traunstein musste sich der Drogenkurier jetzt vor Gericht verantworten.

Traunstein/Rosenheim – Im Kardantunnel eines Pkw Range Rover transportierte ein 50-jähriger Marokkaner aus Düsseldorf elf Pakete mit zusammen 12,6 Kilogramm Kokaingemisch oder 9,2 Kilogramm reines Kokain, als ihn Schleierfahnder auf der Fahrt Richtung Italien an der A 8 München-Salzburg bei Bad Feilnbach kontrollierten. Die sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler verhängte gegen den Drogenkurier gestern wegen Besitzes von und Beihilfe zum Handeltreiben Betäubungsmitteln, beides in nicht geringer Menge, eine Freiheitsstrafe von acht Jahren.

Professionelles Versteck

Am Irschenberg wurde eine Polizeistreife am 18. Oktober 2019 vormittags auf das Fahrzeug aufmerksam und lotste es auf den Parkplatz Eulenauer Filz. Ein professionelles Schmuggelversteck unter dem Beifahrersitz im Kardantunnel enthielt elf in Plastik gehüllte Pakete mit Kokain. Für den Transport zu den unbekannten Hintermännern hätte der 50-Jährige laut Anklage von Staatsanwältin Andrea Litzlbauer 5000 Euro Kurierlohn bekommen sollen. Die Spesenkosten von 1000 Euro hatte er schon in der Tasche. Dieses Geld und die Betäubungsmittel wurden sichergestellt, der Fahrer landete in Untersuchungshaft.

Lesen Sie auch:

Mit 8,8 Kilo Kokain bei Bad Feilnbach erwischt: Drogenkurier (49) muss 7 Jahre in Haft

Der Marokkaner bestätigte gestern die Anklage von Staatsanwältin Andrea Litzlbauer weitestgehend. Dass er Kokain im Auto hatte, wollte er jedoch nicht gewusst haben. Er sei von „marokkanischem Haschisch“ ausgegangen. Der Angeklagte unterschied zwischen „Haschisch“ und „Drogen wie Kokain und Heroin“. Haschisch sei für ihn als Marokkaner nichts Ungewöhnliches. Er habe es auch selbst konsumiert. „Drogen“ lehne er ab, so der 50-Jährige.

Angeklagten drückten 60.000 Euro Schulden

Zur Vorgeschichte erklärte der Autohändler, er habe 60.000 Euro Schulden. Ein ihm seit Jahren bekannter „Kunde“ namens „Khalib“ aus Belgien, von dem er weder den Familiennamen noch die Wohnanschrift wisse, habe ihn angesprochen, er wolle Haschisch kaufen. Er brauche außerdem einen Fahrer.

Der Angeklagte bat um den Auftrag, weil er das Geld dringend benötigt habe. Über das Internet wurde ein Pkw Range Rover für 20.000 Euro gekauft, das der 50-Jährige auf den Namen seines Geschäftspartners zuließ. Der mutmaßliche tatsächliche Eigner „Khalib“ holte den Wagen später ab, „um ein Versteck einzubauen“ und brachte das Auto kurz darauf wieder zurück.

Lesen Sie auch:

Messerangriff auf Frasdorfer Parkplatz: 19-Jähriger laut Gutachten schuldunfähig

Der Angeklagte wollte das „Haschisch“ sehen. Der „Kunde“ zeigte ihm die elf Päckchen, baute sie anschließend allein in den Kardantunnel ein. Später übergab er dem Angeklagten ein Handy und die 1000 Euro für die Fahrtkosten – um nach Innsbruck zu fahren und dort weitere Anweisungen abzuwarten. Der Marokkaner beteuerte: „Meine einzige Aufgabe sollte sein, das Zeug zu fahren.“ Anschließend hätte er nach Düsseldorf zurückkehren sollen. Zu bei ihm aufgefundenen Quittungen aus mehreren Ländern meinte der 50-Jährige, er habe einen „ganz normalen Autohandel“. Die Belege benötige er für die Buchhaltung.

Anhand der Belege seien zwei weitere Fahrten vor der angeklagten Tat herauszufiltern gewesen, berichtete gestern der Sachbearbeiter vom Bayerischen Landeskriminalamt. Beim Durchsuchen des Range Rovers in der Grenzpolizeidienststelle Raubling stießen die Beamten damals aufgrund ihrer Erfahrung schnell auf das Versteck mit elektronischem und zusätzlich mechanischem Verschluss, wie ein Zeuge schilderte.

Gutachter bescheinigt volle Schuldfähigkeit

Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Josef Eberl vom Bezirksklinikum in Gabersee, bescheinigte dem seit über 25 Jahren legal in Deutschland lebenden Marokkaner volle Schuldfähigkeit zur Tatzeit. Auch die Voraussetzungen für eine Unterbringung, ob in der Psychiatrie oder zum Entzug, lägen nicht vor.

Lesen Sie auch:

JVA Bernau: Drogen im Mund ins Gefängnis geschmuggelt

Der 50-Jährige habe von dem Kokain gewusst beziehungsweise es billigend in Kauf genommen, unterstrich Staatsanwältin Andrea Litzlbauer im Plädoyer auf eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Trotz Geständnis scheide ein „minderschwerer Fall“ aus wegen der enormen Menge. Dass eine hohe Freiheitsstrafe im Raum stehe, sei klar, stellte der Verteidiger, Manfred Gregorius aus Essen, fest. Doch die geforderte Strafe werde dem Angeklagten und seiner Rolle nicht gerecht: „Er war nur Gehilfe. Er ist getäuscht worden.“ Der Verteidiger verzichtete auf einen konkreten Antrag zur Strafhöhe.

„Riesige“ Menge an Kokain

Im Urteil führte Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler aus, bei näheren Angaben zu „Khalil“ hätte das Gericht vielleicht an einen „minderschweren Fall“ denken können. Ohne derartige Angaben weiche der Fall nicht von einem Normalfall ab. Die Menge Kokain sei riesig gewesen. „Einmal fünf Gramm Kokain rechtfertigen bereits eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren“, rief Aßbichler ins Gedächtnis. Ein „Kurier“ sei ein wichtiger Teil des Systems.

Kommentare