LANDGERICHT TRAUNSTEIN

Bei Bad Feilnbach 18 Kilo Haschisch unter dem Tank entdeckt – Haftstrafe für Drogenkurier (54)

Bei einer Polizeikontrolle war der Drogenkurier (54) den Fahndern ins Netz gegangen.
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Bei einer Polizeikontrolle war der Drogenkurier (54) den Fahndern ins Netz gegangen.

Weil ein Schleierfahnder der Grenzpolizei Raubling bei einer Kontrolle in Bad Feilnbach genau hingesehen hatte, musste sich jetzt ein 54-jähriger Mann in Traunstein vor dem Landgericht verantworten. Der Polizeibeamte entdeckte bei der Kontrolle kiloweise Drogen, die unter dem Autotank versteckt waren.

Traunstein/Rosenheim – Als „Mann mit der sagenhaften Nase“ bezeichnete Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler einen Schleierfahnder der Grenzpolizei Raubling, der auf der Autobahn A 8 einen Pkw mit niederländischem Kennzeichen und mehr als 18 Kilogramm Haschisch, eingebaut unter dem Tank, aus dem Verkehr gezogen hatte. Vor der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein erklärte der Zeuge: „Wenn man ein Fahrzeug sieht, die Besatzung, die Uhrzeit, dann sagt man, den schauen wir uns an.“ Den 54-jährigen Drogenkurier verurteilte die Kammer zu vier Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe.

Einschlägig vorbestraft

Der in Holland und Spanien einschlägig wegen Betäubungsmitteln vorbestrafte Mann mit niederländisch-marokkanischer Staatsangehörigkeit ließ seinen Verteidiger, Harald Baumgärtl aus Rosenheim, den kompletten Sachverhalt einräumen. Demnach hatte ein mit europäischem Haftbefehl gesuchter Mann den 54-Jährigen gegen Zahlung von 2000 Euro plus 1200 Euro Spesen mit dem Transport von Rauschgift von Amsterdam nach Foggia in Italien beauftragt.

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Der Angeklagte bekam einen Pkw Honda Zivic, den er auf sich zuließ. In einer Lagerhalle deponierten Leute in seiner Anwesenheit 50 Haschischpackungen in dem Fahrzeug – insgesamt 189 Haschischplatten mit einem Gesamtgewicht von 18,28 Kilogramm. Die Fahrt in den Süden endete am 9. Juli 2020 gegen auf dem Parkplatz Eulenauer Filz bei Bad Feilnbach. Die Haschischpakete waren professionell versteckt. Um an sie zu gelangen, habe der Tank ausgebaut werden müssen, schilderte ein Beamter der Kripo Rosenheim.

Verteidiger verweist auf Kokainsucht seines Mandanten

Verteidiger Harald Baumgärtl verwies auf die Kokainsucht seines Mandanten und daraus resultierenden hohen Schulden. In einem Lokal in Amsterdam habe der 54-Jährige einen „Mostafa“ kennengelernt. Beim Einbau des Haschischs unter dem Benzintank habe der Angeklagte zugeschaut, aber nicht mitgeholfen. In Italien hätte er weitere Anweisungen erhalten sollen zum Ort der Übergabe an einen „Mourad“.

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Aufgrund der Angaben des 54-Jährigen hätten „Mostafa“ und „Mourad“ identifiziert werden können, hob der Verteidiger heraus. Über Google View habe der Angeklagte die Lagerhalle in einem Gewerbegebiet in den Niederlanden benannt. Dafür müsse er eine Strafmilderung bekommen, so Baumgärtl. Die Angaben seien zutreffend und brauchbar gewesen, bestätigte Staatsanwältin Linda Arnótfalvy.

Trotz früherem Kokain- und Alkoholkonsum des 54-Jährigen verneinte der psychiatrische Sachverständge, Dr. Josef Eberl vom Bezirksklinikum in Gabersee, eine verminderte Schuldfähigkeit. Bei der Tat habe es keinen Einfluss von Drogen oder Alkohol gegeben.

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Staatsanwältin Linda Arnótfalvy plädierte auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Angesichts des „höchst professionellen Verstecks“ liege der Verdacht nahe, das Fahrzeug sei schön öfter für Schmuggelfahrten eingesetzt worden. Das Haschisch habe einen Verkaufswert von rund 275 000 Euro gehabt. Verteidiger Harald Baumgärtl forderte nicht mehr als drei Jahre Haft.

Rauschgift hat hohen Marktwert

Die Sechste Strafkammer verurteilte den 54-Jährigen wegen illegaler Einfuhr von und Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln. Einen minderschweren Fall verneinte das Gericht wegen der enormen Menge. Das Geständnis sei von großem Gewicht gewesen, betonte die Vorsitzende Richterin. Unter den negativen Strafzumessungsgründen verwies Frau Aßbichler auf das „603-fache der nicht geringen Menge“ und auf den hohen Marktwert des Rauschgifts.

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