Beherbergungsverbot: Rosenheim trotz hoher Corona-Zahlen vorerst nicht auf Liste

Testen hilft – sogar bei der Urlaubsplanung: Gäste aus Risikogebieten dürfen in Bayern übernachten, wenn sie einen negativen Test vorweisen können. Unser Foto zeigt die Teststation an der Loretowiese.
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Testen hilft – sogar bei der Urlaubsplanung: Gäste aus Risikogebieten dürfen in Bayern übernachten, wenn sie einen negativen Test vorweisen können. Unser Foto zeigt die Teststation an der Loretowiese.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Wird’s nun eng für die Region? Kaum hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das Beherbergungsverbot für Gäste aus innerdeutschen Risikogebieten verkündet, reißt Rosenheim die kritische Marke mit Schwung: Die 7-Tage-Inzidenz schoss laut Stadt auf über 66. Das soll vorerst ohne Konsequenzen bleiben.

Rosenheim –Risikogebiete, das sind immer die anderen. Das galt in den vergangenen Wochen. Doch nun muss Rosenheim die Regeln für den öffentlichen Raum wie auch für private Zusammenkünfte deutlich verschärfen. Wegen der hohen 7-Tages-Inzidenz von 66,3.

Ein Beherbergungsverbot für Gäste aus Rosenheim wird es aber so schnell nicht geben. Zumindest vorerst (Stand bis Redaktionsschluss) gab das Gesundheitsministerium den OVB-Heimatzeitungen gegenüber Entwarnung: Es sei nicht beabsichtigt, innerbayerische Risikogebiete auszuweisen.

Künftig werde zweimal in der Woche geprüft, ob Städte und Regionen neu aufzunehmen sind, oder ob sie von der Liste genommen werden können. Bei „außergewöhnlichen Ausbruchsereignissen“ könne man davon aber abweichen, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Nicht nur die Inzidenz entscheidet

Rosenheims Inzidenzzahl ist mit 66,3 höher als die der Berliner Bezirke Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg, die auf der Liste des Freistaats stehen. Die Inzidenzzahl, darauf weist das bayerische Gesundheitsministerium hin, sei aber nicht das einzige Kriterium. Es handele sich bei der Risiko-Einschätzung um Einzelfallentscheidungen.

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Dabei werde zum Beispiel erwogen, ob sich die Neuinfektionen in der Mehrheit in einem leicht zu isolierenden Bereich ereigneten, oder ob die Ansteckungsketten bereits außer Kontrolle seien. Einfach gesagt sind die Kontaktpersonen in einer Gemeinschaftsunterkunft einfacher zu ermitteln als nach einer Feier, deren Gäste sich nach Zapfenstreich in alle Himmelsrichtungen verteilen. Aich insofern muss Rosenheim bangen. „Die Infektionsketten sind teilweise nicht mehr nachvollziehbar“, sagte Oberbürgermeister Andreas März.

Robert-Koch-Institut am Entscheidungsprozess nicht beteiligt

Nicht beteiligt am Entscheidungsprozess ist übrigens das Robert-Koch-Institut. Das RKI weist dafür vielmehr jede Verantwortung von sich. „Das RKI hat weder Kriterien für innerdeutsche Risikogebiete, noch weist es diese aus“, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Schon Gebiete mit einer Inzidenzzahl von höher als 50 auf der Deutschlandkarte rot einzufärben, sei „eine politische Entscheidung, an der das RKI nicht beteiligt war“.

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Wie sich die Inzidenzzahlen entwickeln, wird auch davon abhängen, wie sich die Rosenheimer verhalten. Nicht beeinflussen können sie die allgemeinen Probleme mit dem Beherbergungsverbot. Einige Bundesländer lehnen die Regelung ab oder setzen nur Teile von ihr um. Es ist überhaupt ein großer Flickenteppich: Berliner ist nicht gleich Berliner. Während Gäste des Sonderzugs aus Pankow in Bayern nächtigen dürften, gilt für Kreuzberger oder Neuköllner Übernachtungsverbot.

Nicht jeder Berliner ist ein Risikofaktor

Festzustellen, aus welchem Berliner Stadtteil ein Gast kommt, „könnte schwierig werden“, sagt zum Beispiel Werner Schroller, Chef der Tourist-Info in Kiefersfelden. Auch Christina Pfaffinger von der Chiemsee-Alpenland-Tourismus-GmbH sieht „zunehmende Verunsicherung“ bei Betrieben und Besuchern. Man google bei Gästen, ob die Wohnadresse noch außerhalb der Risiko-Gebiete liege.

Wer kontrollieren soll, ob die Wirte korrekt geprüft haben, ist nicht recht klar. Das Gesundheitsamt? Man habe noch keine Anweisung, heißt es aus dem Landratsamt. Schon für die aktuellen Aufgaben ist, wie frühere Anfragen ergaben, das Personal knapp.

Ohne Tiroler ist’s ein Trauerspiel

Währenddessen steigt allgemein der Ärger über den Corona-Regel-Wald und den Einschränkungen der Reisefreiheit. Seit Tirol hochgestuft wurde, herrschen bekanntlich strenge Quarantäne-Auflagen für die Besucher aus dem österreichischen Bundesland. In Kiefersfelden bleiben daher die Besucher aus Tirol weg, die Geschäftswelt leidet, berichtet zweiter Bürgermeister Ralf Wieser. „Unsere Geschäftswelt und die Gastronomen merken’s“, sagt Wieser und schimpft: „Diese Regelung ist nicht nachvollziehbar.“

Das Gefühl der Nachbarschaft schwindet

60, 70 Prozent Einbußen sieht Werner Schroller in manchen Gasthöfen. Er vermisst die Nachbarn. „Es ist schade, da geht kaputt, was wir in Jahren aufgebaut haben.“ Ein Betrieb zieht Konsequenzen: Das Café Glück verlegt den Betriebsurlaub um vier Wochen vor und macht ab Montag für zwei Wochen dicht, in der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Beschränkung. „Wir merken‘s extrem“, sagt Stephanie Brauneis vom Café-Team, „das ist ein Trauerspiel ohne die Tiroler.“

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