„Viele Schnittstellen“

Beauftragte für Senioren und Behinderte im Landkreis Rosenheim intensivieren Zusammenarbeit

Senioren tun sich aufgrund körperlicher Einschränkungen oft schwer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch Menschen mit Behinderungen jüngeren Alters benötigen Barrierefreiheit. Ein Thema, das die Beauftragten im Landkreis für betagte Menschen und Bürger mit Beeinträchtigungen gemeinsam haben. 
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Senioren tun sich aufgrund körperlicher Einschränkungen oft schwer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch Menschen mit Behinderungen jüngeren Alters benötigen Barrierefreiheit. Ein Thema, das die Beauftragten im Landkreis für betagte Menschen und Bürger mit Beeinträchtigungen gemeinsam haben. 
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Mobilität, barrierefreies Wohnen: Es gibt Themen, die Menschen mit Behinderungen ebenso betreffen wie viele Senioren. Auf Landkreisebene wollen die Beauftragten für die beiden Bevölkerungsgruppen deshalb in Zukunft enger zusammenarbeiten. Das Ziel: Gemeinsam noch stärker werden, wie der neue Seniorenbeauftragte des Landkreises, Thomas Waldvogel, betont.

Rosenheim – „Es gibt viele Schnittstellen bei unserer Arbeit“, ist Waldvogel überzeugt. Das sehen auch Irene Oberst und Christiane Grotz, die Beauftragten für Menschen mit Behinderungen im Landkreis, so. Waldvogel nennt ein Beispiel: Ein Senior muss nach einem Schlaganfall ebenso seine Wohnung barrierefrei umbauen lassen wie ein jüngerer Rollstuhlfahrer nach einem Unfall. Beide Gruppen benötigen dabei Unterstützung, die zuständigen Beauftragten im Landkreis können mit ihrem Know-how und ihren Kontakten helfen, sind Waldvogel, Oberst und Grotz überzeugt. „Wenn wir unser Wissen bündeln und mehr zusammenarbeiten, ist das für alle gut“, betont Oberst.

Thomas Waldvogel ist neuer Beauftragter für Senioren im Landkreis.

Trotzdem gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Ein Mensch mit Behinderung, der am Arbeitsleben teilnimmt, bekommt beim Umbau seines Autos finanzielle Unterstützung anderer Art als beispielsweise ein betagter Mensch, der sich bereits in Rente befindet.

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Schwierigkeiten für Wohnprojekte für Senioren

Basis für die Arbeit des Seniorenbeauftragten und der beiden Beauftragten für Menschen mit Behinderung sind das seniorenpolitische Gesamtkonzept und der Teilhabeplan des Landkreises. Auch hier stehen schwarz auf weiß Themen, die beide Gruppen interessieren. Ein Beispiel: die Forderung nach mehr bezahlbarem Wohnraum. Ansätze gibt es sowohl bei älteren Menschen wie auch in der Behindertenarbeit – etwa über eine WG.

Doch Projekte wie das gemeinsame Wohnen von Studenten und Senioren unter einem Dach, angestoßen in der Hochschulstadt Rosenheim, haben es schwer, bedauert Waldvogel. Generationenübergreifende Hausgemeinschaften seien nach wie vor selten, auch weil Investoren eher zurückhaltend auf solche Konzepte reagieren würden. Zu diesem Thema gibt es bei den Behindertenbeauftragten schon Erfahrungen. Menschen mit Behinderungen leben im Landkreis schon in Modell-Gemeinschaften mit Bürgern zusammen, die nicht beeinträchtigt sind.

Schwierigkeiten im Alltag

Weiteres Thema, das Senioren oft ebenso beschäftigt wie Menschen mit Behinderungen: Körperliche Beeinträchtigungen wie Seh- und Hörschwächen erschweren das tägliche Leben – etwa bei der Nutzung von Bahn und Bus. Hinweisschilder lesen, Durchsagen hören, Stolperfallen erkennen: Das fällt nicht nur vielen Menschen mit Behinderungen schwer, sondern auch vielen älteren Bürgern, deren Hör- und Sehfähigkeit nachlässt. An diese Betroffenheit wird nach Erfahrungen der Beauftragten nach wie vor nicht so intensiv gedacht wie etwa an Hilfen für Rollstuhlfahrer. „Diese Behinderung ist schließlich deutlich sichtbar“, so Oberst.

Irene Oberst ist Beauftragte für Menschen mit Behinderungen.

Grotz sieht auch noch viel Handlungsbedarf bei der Inklusion von Menschen mit seelischen Einschränkungen. Bei den Senioren gehören vor allem demenzielle Erkrankungen noch zu den Tabus, berichtet Waldvogel. Betroffene würde nach wie vor zum Teil stigmatisiert. „Wer keinen Gips trägt, ist gesund“, bringt der Seniorenbeauftragte die gängige Meinung auf den Punkt.

Rosenheim hat Bewusstsein für barrierefreies Bauen

Beim barrierefreien Bauen müssen nach Meinung der drei Beauftragten also nicht nur eine Rampe am Eingang sowie ein Aufzug berücksichtigt werden, sondern auch, dass Menschen mit unsichtbaren Beeinträchtigungen zu Gast sind und ebenfalls Unterstützung benötigen. Grundsätzlich stellt Grotz fest: „Im Landkreis Rosenheim ist das Bewusstsein für die Barrierefreiheit groß.“ Flächendeckend seien hier Beauftragte benannt worden – schon sehr früh. Auch auf Bürgermeisterebene sei großes Bemühen um Inklusion zu spüren, so auch Oberst..

Ein weiteres Problem, das Senioren ebenso angeht wie Menschen mit Behinderungen, eigentlich sogar alle Bürger: die Folgen der Pandemie. Sie hat nicht nur die Zusammenarbeit in der Senioren- sowie Behindertenarbeit deutlich erschwert, weil Präsenzveranstaltungen ausfielen und Projekte aufgeschoben werden mussten, sondern belastet die betroffenen Menschen besonders intensiv. „Einsamkeit und Isolation“ setze den älteren Bürgern zu, berichtet Waldvogel.

Einsamkeit unter Senioren

Oberst und Grotz bedauern, dass vielen Menschen mit Behinderungen aufgrund geschlossener Werk- und Förderstätten die Alltagsstruktur fehle. „Keine Ausflüge, keine Treffen, keine Feiern: Viele sind verunsichert.“ Stark belastet sind auch die Angehörigen Stark belastet seien auch die betreuenden und pflegenden Angehörigen, berichten Waldvogel, Oberst und Grotz. Derzeit kämen viele aufgrund wegbrechender Entlastungsangebote an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit, bedauern sie.

Auch im Kampf gegen die Einsamkeit wollen die drei Beauftragten in Zukunft verstärkt gemeinsam auf das gleiche Pferd setzen: Fortbildungen sollen Älteren und Menschen mit Behinderungen den Anschluss an die Kommunikationswelt im Onlinebereich ermöglichen.

BU: Senioren tun sich aufgrund körperlicher Einschränkungen oft schwer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch Menschen mit Behinderungen jüngeren Alters benötigen Barrierefreiheit. Ein Thema, das die Beauftragten im Landkreis für betagte Menschen und Bürger mit Beeinträchtigungen gemeinsam haben. Foto DPA/Arno Burgi

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