Corona-Auflagen lassen zu wenige Besucher zu

Absage jetzt bestätigt: Keine Bayerische Landesausstellung auf Herrenchiemsee im Jahr 2021

Markus Söder und Kanzlerin Angela Merkel laufen Seite an Seite auf Schloss Herrenchiemsee zu.
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Markus Söder und Angela Merkel vor Schloss Herrenchiemsee: Die nächste große Veranstaltung auf der Herreninsel ist gestrichen.
  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Die Bayerische Landesausstellung 2021 sollte auf der Insel Herrenchiemsee stattfinden. Am 18. September wurde zuerst bekannt, dass die Veranstaltung wegen zu erwartender Umstände durch die Corona-Pandemie auf der Kippe steht. Jetzt folgte die Absage.

Update 24. September, 12.53 Uhr

Rosenheim/Herrenchiemsee – Die Landesausstellung „Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen“ findet im kommenden Jahr nicht auf Schloss Herrenchiemsee statt. „Darauf haben sich jetzt alle Beteiligten nach langen und sehr intensiven Gesprächen geeinigt“, schreibt das Landratsamt Rosenheim in einer Pressemitteilung.

Landrat befürchtet Verärgerung und Enttäuschung bei Besuchern

Grund für die Absage ist die Corona-Pandemie und die Ungewissheit, wie sich die Situation bis zur Eröffnung der Landesausstellung 2021 entwickeln wird. „Hygienebeschränkungen wie derzeit würden die Menge der zugelassenen Besucher stark einschränken und damit zu viel Enttäuschung führen“, so das Landratsamt Rosenheim zur Begründung der Absage.

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Wie Landrat Otto Lederer sagte, habe man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. „Die Landesausstellung hat ein tolles Konzept und wir befürchten, dass die Ausstellung darum deutlich mehr Menschen anlockt, als die Ausstellungsräume fassen könnten. 2011 waren rund 570.000 Besucher in der Landesausstellung im Schloss Herrenchiemsee. Unter den aktuellen Corona-Beschränkungen könnten wir nicht einmal ein Viertel der Interessierten ins Schloss lassen“, sagt Lederer. „Wir befürchten, dass das zu sehr viel Verärgerung und Enttäuschung führen würde.“   

Lederer: Chiemseeschifffahrt nicht das Nadelöhr

Bereits jetzt sind oft schon ab Mittag die Eintrittskarten fürs Schloss vergriffen, weil der Gästeandrang die zugelassene Besucherzahl übersteigt. Bei einer Landesausstellung mit zusätzlichem Besucherzustrom würde die Diskrepanz deutlich größer. „Bei einem Besuchermagneten wie der Landesausstellung wäre also ein gesteigerter Unmut vorprogrammiert“, so Lederer.

In diesem Zusammenhang räumt er auch mit Gerüchten auf, die Chiemseeschifffahrt sei ein Nadelöhr und damit ein Grund für die Absage. Davon war zuerst „Die Kapazitäten, um die Besucher mit dem Schiff zur Herreninsel zu bringen, wären durchaus vorhanden.“ In einer ersten Erklärung zum drohenden Aus für die Landesausstellung hatte das bayerische Wissenschaftsministerium geschrieben: „Eine Rolle spielen die derzeit geltenden Corona-Beschränkungen, die Besucherkapazitäten im Schloss und auf den für den Transport notwendigen Schiffen erheblich einschränken.“

Landesausstellung 2021 in Regensburg?

Im Haus der Bayerischen Geschichte laufen die Planungen für die Bayerische Landesausstellung „Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen“ auf Hochtouren. Direktor Dr. Richard Loibl: „Wir sind sehr traurig, dass die Landesausstellung nun nicht im Schloss Herrenchiemsee stattfinden wird. Die Beweggründe unserer Partner aber können wir nachvollziehen.“ so Loibl.       

Auch die Bayerische Schlösserverwaltung kann die Entscheidung verstehen, auch wenn sie es sehr bedauert, dass die Landesausstellung 2021 nicht auf Schloss Herrenchiemsee zu Gast sein wird. Als Alternative ist nun das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg im Gespräch.

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Die Erstmeldung vom 18. September

Herrenchiemsee – „Götterdämmerung II - Die letzten Monarchen“, so sollte der Titel der Bayerischen Landesausstellung 2021 auf Herrenchiemsee lauten. Doch die Veranstaltung steht jetzt auf der Kippe. Die Partner des Hauses der Bayerischen Geschichte, der Landkreis Rosenheim und die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung, ziehen in Erwägung, sich aus dem gemeinschaftlichen Vertrag zurückzuziehen. Entsprechende Gespräche werden dieser Tage geführt. Das bestätigte das bayerische Wissenschaftsministerim auf Anfrage.

Zeitnahe Entscheidung über Austragungsort für Landesausstellung

„Eine Rolle spielen die derzeit geltenden Corona-Beschränkungen, die Besucherkapazitäten im Schloss und auf den für den Transport notwendigen Schiffen erheblich einschränken“, schreibt das Ministerium. Die vorbereitenden Arbeiten für die Bayerische Landesausstellung hinsichtlich Konzeption, Leihverträge und Gestaltung laufen auf Hochtouren und sind sehr weit fortgeschritten. Deshalb wird eine zeitnahe Entscheidung über den Austragungsort angestrebt.

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Sollte das Schloss Herrenchiemsee als Standort tatsächlich ausfallen, bietet sich als die am schnellsten umsetzbare Alternative das Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg an, das erst im Juni 2019 eröffnet wurde und mit dem Donausaal über einen flexibel nutzbaren Sonderausstellungsbereich mit einer Fläche von über 1.000 Quadratmetern verfügt.

Tendenz für Landesausstellung geht Richtung Regensburg

Eine zeitliche Verlegung der Landesausstellung kommt aufgrund des bereits festgelegten Programmes für die Bayerischen Landesausstellungen bis ins Jahr 2025 nicht infrage. Kunstminister Bernd Sibler sagt zum aktuellen Stand der Gespräche: „Die Überlegungen der Partner des Hauses der Bayerischen Geschichte kann ich nachvollziehen. Mir wurde von den Gesprächen vor Ort berichtet. Selbstverständlich wollen wir im kommenden Jahr eine Landesausstellung anbieten. Deshalb werden wir jetzt in intensive Gespräche gehen, um die Lage zu analysieren.“

Sollte die Landesausstellung nicht im Landkreis Rosenheim stattfinden können, gehe die Tendenz in Richtung Regensburg, so Sibler. „Dort hätten wir mit dem Museum der Bayerischen Geschichte bereits eine bestens ausgestattete Spielstätte und könnten entsprechend flexibel reagieren.“ 

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