Neidvoller Blick nach Tirol

Bauern in der Region Rosenheim sorgen sich - nicht nur wegen Wolf und Brenner-Nordzulauf

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  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Die Bauern in der Region klagen über mangelnde Wertschätzung und sinkende Erlöse und fürchten die Folgen neuer Eisenbahntrassen für den Brenner-Nordzulauf. Und sie reagieren auf eine neue Bedrohung: Wegen der Corona-Pandemie ging der Kreisbauerntag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) erstmals online über die Bühne.

Rosenheim – Ohne Blasmusik, auch ohne die traditionelle Geselligkeit, dafür erstmals mit einer Online-Zusammenkunft. Wegen der Corona-Pandemie ging der Kreisbauerntag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) erstmals online über die Bühne. Über einhundert Bäuerinnen, Bauern und Ehrengäste fanden sich via Internet zusammen, um sich am Bauernfeiertag Maria Lichtmeß über die Situation der Landwirtschaft auszutauschen.

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BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier äußerte sich auch zum Brenner-Basistunnel. Er berichtete, dass Geschäftsführer Josef Steingraber für das Raumordnungsverfahren der Regierung von Oberbayern in enger Abstimmung mit dem Amt für Landwirtschaft eine 33 Seiten starke Stellungnahme verfasst hat. „Wenn in Tirol alles unterirdisch gebaut wird und bei uns nicht, dann sind die Rosenheimer Bauern Bürger zweiter Wahl.“ Viele Bauern im Inntal fürchten um ihre Existenz, sollten die Neubaupläne Wirklichkeit werden.

Corona ändert für die Bauern in der Region vieles

Ein großes Thema auch beim Kreisbauerntag war Corona. Die Pandemie ändere alles, beim Verbraucherverhalten ebenso wie für die Zusammenkünfte der Bauern, sagte Bodmaier. Aber auch in Zeiten von Corona arbeite der Bauernverband in die Öffentlichkeit hinein. Man setze auf Dialog, zum Beispiel mit dem Bund Naturschutz und mit den Grünen. Bodmaier betonte, dass „wir stets ergebnisorientiert und nicht auf Konfrontation aus waren“. Was die zum Teil katastrophale Preis- und Einkommens-Situation der Landwirte betrifft, nannte er die Aktion „Bauern mit Bauern“ als gute Signal. Auf diesem Wege wurden bislang 177 Schweine zu einem vernünftigen Preis vermittelt.

Was die deutsche und bayerische Düngeverordnung betrifft, so bat er darum, keine Verweigerungshaltung an den Tag zu legen, sondern die BBV-Lösungsansätze zu beachten. „Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Bauern das eigene Trinkwasser schützen wollen.“ Die Verordnung brauche mehr Praxis-Bezogenheit, aber ein repräsentativeres Meßstellennetz sei wichtig.

Josef Bodmaier

„Der Beutegreifer Wolf passt nicht in unsere Landschaft“

Zur Anbindehaltung zeigt sich Bodmaier kritisch: „Hier suchen der Lebensmittel-Einzelhandel und die Molkereien Wettbewerbs- und Markt-Vorteile, nicht immer ist hierbei der Verbraucher-Wunsch zu erkennen.“ Gleichwohl sei es schon immer so gewesen, dass sich die Landwirte an neue Gegebenheiten anpassen mussten. Weitere Themen, seien Tierschutz und Tierwohl, insbesondere das Thema Wolf.

Dazu sagte Josef Steingraber: „Der Beutegreifer Wolf passt nicht in unsere Kulturlandschaft, wir brauchen Tierschutz für unsere eigenen Tiere, und eine Einzäunung im Berggebiet geht nur theoretisch.“ Abschließend bat der Kreisobmann alle Akteure, der Landwirtschaft Wertschätzung und Planungssicherzeit zu gewähren. Er plädierte für eine selbstbewusste Öffentlichkeitsarbeit. Aus diesem Grunde hielt beim Online-Kreisbauerntag Dr. Willi Kremer-Schillings, bekannt als Bauer Willi, einen Vortrag mit dem Titel. „Unruhige Zeiten – mehr Mut zur kreativen Kommunikation“.

Auf die Menschen zugehen

„Wie geht es uns Landwirten?“ fragte er und antwortete gleich selbst: „Wir fühlen uns unwohl!“. Bauern seien fleißig, tierlieb,. Sie tragen unternehmerisches Risiko, doch Gesellschaft und Medien?diskutierten lediglich über negative Begriffe wie Massentierhaltung, Bienensterben, Gentechnik oder Grundwasserverseuchung. Deswegen müssten sich Landwirte Verbrauchern und Medien stellen und sie informieren. Denn „einfache Lügen haben es leichter als komplizierte Wahrheiten, und landwirtschaftliche Erzeugung ist komplex“.

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Bauer Willi mahnte, das Jammern zu lassen und eigene Stärken zu betonen. „Wir Bauern sind Unternehmer, also unternehmen wir was.“ Er empfahl Hof-Einladungen für Kindergärten oder Schulen, außerdem sei es ratsam, sich in Kommunikations-Techniken schulen zu lassen. Für den Vortrag bedankten sich im Anschluss der stellvertretende BBV-Kreisobmann Klaus Gschwendtner und Kreisbäuerin Katharina Kern.

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