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Bandenkrieg endet im Gefängnis

Eine Rauferei zwischen Jugendbanden mitten in Rosenheim: Auf offener Straße verprügeln Rechtsextreme zwei Jugendliche mit ausländischen Wurzeln. Es setzt Fußtritte, ein Schlagstock ist im Spiel. Zwei junge Männer werden festgenommen. Bei der Verhandlung fünf Monate später rechnet das Amtsgericht mit einem Prozessmarathon. Aber es geht schnell: Die Täter gestehen teilweise. Zwei Schläger erhalten Haftstrafen, die Mittäter kommen mit Bewährung davon. Hinter Gittern sitzen inzwischen auch zwei Mitglieder der anderen Bande.

Rosenheim - Zwei Banden von überwiegend Jugendlichen und Heranwachsenden, die sich gegenseitig provozieren, aufeinander los gehen und bekriegen - mit solchen Vorfällen hat es das Rosenheimer Amtsgericht selten zu tun. Weil mit einer schwierigen Beweisführung zu rechnen war, hatte das Gericht sieben Verhandlungstage angesetzt - und es war zu befürchten, dass es auf den Zuhörerplätzen zum Streit zwischen Anhängern beider Lager kommt. Deshalb waren verschärfte Eingangskontrollen aufgeboten worden.

Doch es ging schneller und reibungsloser als erwartet. Ein Prozesstag reichte, Streitereien im Saal blieben aus.

Obwohl es schon vorher zu Prügeleien zwischen Angeklagten und Opfern gekommen war, ging es vor Gericht in erster Linie um eine Auseinandersetzung vom 8. April 2013. Wer im Zuge aller Aufeinandertreffen jeweils Täter und Opfer war, und wer wen wann wozu provoziert hatte - das war nicht mehr zu klären. Fest steht, dass die Jugendbande, deren Mitglieder überwiegend Migrationshintergrund haben, für die Rechtsradikalen eine ständige Herausforderung darstellten - und umgekehrt.

Drei der Angeklagten hatten am 8. April gegen 20.30 Uhr in der Salinstraße verbotene Naziparolen gegrölt. Danach hatten sie sich zusammen mit einem anderen Gesinnungsgenossen in dessen Wohnung "zum Saufen" getroffen. Gegen 22 Uhr ertönten vor dem Fenster "Nazi"-Rufe aus den Reihen der anderen Gruppe. Die Angeklagten rannten hinunter, erwischten zwei der flüchtenden Jugendlichen (14 und 18 Jahre) und verprügelten sie. Passanten alarmierten die Polizei, die im Zuge ihrer Ermittlungen die Täter ausfindig machte.

Wie weit die Prügel gingen, konnten unbeteiligte Zeugen nicht beschreiben. Da sich Täter und Opfer spinnefeind sind, rechnete das Gericht nicht mit wahrheitsgemäßen Aussagen. Die verletzten Opfer wurden im Krankenhaus behandelt. Die rechtsextremen Schläger flüchteten in ein Wohnhaus, wo die Polizei sie nach Zeugenhinweisen in einem Versteck auf dem Dachboden festnahm.

Nach intensiven Beratungen und großem Engagement der Verteidiger waren die Angeklagten bereit, zumindest Teilgeständnisse abzulegen. Weil es sich dabei um die wesentlichsten Vorwürfe handelte, kam es zu einer Verständigung zwischen Jugendgericht unter dem Vorsitz des stellvertretenden Amtsgerichtsdirektors, Richter Hans-Peter Kuchenbaur, Staatsanwalt und Verteidigern. Die Angeklagten stimmten dem zu und gestanden die Fausthiebe und die verbotenen Naziparolen.

Das Gericht stellte fest, dass die Schuld der Angeklagten erwiesen sei, sich der Tatbeitrag aber unterscheide. Die Strafen erfolgten wie in der Verständigung besprochen: Ein Jahr und zwei Monate für den einzigen Volljährigen aus der Gruppe, einen 29-jährigen Bäcker, der bereits 14-mal einschlägig vorbestraft war. Eine ebenso lange Einheitsjugendstrafe erhielt der zweite Haupttäter, ein 20-jähriger Maurerlehrling, der ebenfalls unter offener Bewährung stand und vier Vorstrafen aufzuweisen hatte.

Der Dritte im Bunde, ein 20-jähriger Straßenbauer, kam mit einer Bewährungsstrafe (zehn Monate) davon. Dem Jüngsten, einem 19-jährigen Autopfleger, erteilte das Gericht ebenfalls einen Schuldspruch, der zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Zuvor hatten die Vertreterinnen der Jugendgerichtshilfe erklärt, dass die drei Heranwachsenden wegen deutlicher Reifeverzögerungen nach Jugendrecht abgeurteilt werden sollten.

Der Bäcker hat womöglich eine weitere Reststrafe von zwei Jahren zu verbüßen. Rechtsanwalt Axel Kampf, sein Verteidiger, beantragte eine therapeutische Unterbringung, die auch der Gutachter befürwortet hatte. Beim 20-jährigen Azubi beantragte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel, das Verfahren abzutrennen und mit einer noch ausstehenden Verhandlung, die auf seinen Mandanten zukommt, durchzuführen.

Bezeichnend für den Konflikt: Auch zwei Mitglieder aus der Opfergruppe sitzen zwischenzeitig wegen anderer Gewalt- und Eigentumsdelikte im Gefängnis. au/ls

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