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„Außer Betrieb“: Fahrgäste verzweifeln an den Aufzugsanlagen am Kiefersfeldener Bahnhof

Fährt er – oder fährt er nicht?Für Josef Aschauer ist die Aufzugssituation am Bahnhof Kiefersfelden ein echtes Problem. Hoffmann

Seit einem Motorradunfall ist Josef Aschauer auf den Rollstuhl angewiesen. Mobilität ist für den 64-Jährigen Luxus. Die Bahn ist eine der wenigen Möglichkeiten für ihn, weitere Strecken zurückzulegen – wenn die Fahrt nicht am Bahnhofsaufzug scheitert.

Von Franz Hoffmann

Kiefersfelden – Seit einem unverschuldeten Motorradunfall ist Josef Aschauer aus Kolbermoor auf den Rollstuhl angewiesen. Mobilität ist für den 64-Jährigen, der mittlerweile in einem Pflege- und Therapiezentrum lebt, daher zum Luxus geworden. So ist die Bahn für ihn eine der wenigen Möglichkeiten, weitere Strecken zurückzulegen. Aber nur, wenn die Bahnfahrt nicht bereits am Aufzug am Bahnhof scheitert.

Es gleicht schon fast einem Horrorszenario, was sich in den vergangenen Jahren am Bahnhof Kiefersfelden in regelmäßigen und gefühlt immer kürzeren Abständen abspielt. Immer öfter befindet sich einer der beiden Personenaufzüge an den Bahnsteigen außer Betrieb, immer wieder bleiben Personen darin stecken – und müssen stundenlang auf Hilfe warten. Auch aktuell ziert wieder ein großer Zettel mit der Aufschrift „Außer Betrieb“ den Lift.

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Vor allem für behinderte Menschen ist dieser Zustand eine extreme Einschränkung der Lebensqualität. Eine Erfahrung, die Aschauer mehrmals bereits am eigenen Leib machen musste. Wie beispielsweise im vergangenen Winter, als der Rollstuhlfahrer, der mit dem Zug aus Rosenheim nach Kiefersfelden gefahren war, nicht mehr weiter in Richtung Bahnhofsausgang gekommen war.

Aktuell ist der Aufzug „Außer Betrieb“. Gruber

Beinprothese musste geliefert werden

Denn der Aufzug war – wieder einmal – defekt. „Da habe ich dann in meiner Not in den Pflege- und Therapiezentrum, in dem ich wohne, angerufen. Von dort haben mir Pfleger dann meine Beinprothese gebracht, damit ich das Bahnhofsgelände verlassen konnte“, erinnert sich der 64-Jährige. Währenddessen trugen die Pfleger den schweren, elektronischen Rollstuhl über die Treppen zum Auto. Rund 90 Minuten Zeit habe dieser Einsatz in Anspruch genommen – von den Kosten, die der Einrichtung dadurch entstanden sind, ganz zu schweigen.

Keine Hilfe unter der Notrufnummer

Erst im September hatte der Kolbermoorer ein ähnliches Erlebnis am Kiefersfeldener Bahnhof. Der Lift war erneut defekt. Daher wählte er die dort angegebenen Notrufnummer und schilderte sein Problem. Die Antwort am Ende der Leitung: „Ich solle mir doch möglichst selbst helfen, denn ein Techniker kann sich erst nach einiger Zeit um das Problem kümmern“. Also mussten erneut die Pfleger der Einrichtung einspringen, um ihn aus der Misere zu befreien. „Da habe ich zum wiederholten Male bei der Bahn angerufen, die sich um die Angelegenheit kümmern wollte, aber es hat sich nichts geändert“, beklagt Aschauer.

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Immer wieder Feuerwehr-Einsätze

Und der Kolbermoorer ist nicht der einzige Fahrgast, der derartige Erlebnisse schildern kann. Mitte Oktober steckte ein Kind in den Aufzug fest. Erst die Feuerwehr Kiefersfelden konnte den Buben nach rund 45 Minuten aus dem „Gefängnis“ befreien. „Das Kind war total verängstigt“, erinnert sich Feuerwehrmann Werner Schroller, der am Einsatz beteiligt war. Zugleich bestätigte er auch, „dass sich in letzter Zeit die Einsätze am Bahnhof wegen der defekten Aufzüge häufen“.

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Wie bei Alexandra Helmstreit aus Kiefersfelden, die vor rund einem Jahr in einem der Aufzüge gefangen war. Über eine Stunde sei sie dort gefangen gewesen, nachdem der Aufzug im Untergeschoss stehen geblieben war, sich die Türen aber nicht mehr öffnen ließen. Hilfe des Stördienstes, der über einen Alarmknopf in der Aufzugkabine erreichbar ist – so gut wie Fehlanzeige. „Dem kurz nach 7 Uhr eingetroffene Mitarbeiter gelang es nicht, mich aus dem Aufzug zu befreien“, erinnert sich Helmstreit. „Glücklicherweise trafen zur gleichen Zeit Mitglieder der Feuerwehr Kiefersfelden, ein Notdienst des Roten-Kreuzes und ein Rettungswagen ein, die mich durch Aufhebeln der Tür befreien konnten.“

Alexandra Helmstreit saß auch schon fest.

Doch was sagt die Sicherheitszentrale in München, deren Telefonnummer auf der Glaswand der Aufzüge angegeben ist, zu den Vorwürfen? Die Notrufe würden „an den zuständigen Techniker mit der Bitte um zeitnahe Erledigung“ weitergegeben, so die knappe Auskunft. Die Zentrale erfährt nach eigener Auskunft in der Regel nicht, wann diese Reparatur „erledigt“ werde. Die Bahn, die für den Betrieb der Aufzüge verantwortlich zeichnet, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bürgermeister will eine neue Anlage

Für Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber, selbst auf den Rollstuhl angewiesen, ist die Aufzugssituation am Bahnhof Kiefersfelden „einfach skandalös“. „Wir haben, wie auch schon einige andere, sehr lange versucht, diese Situation durch die Deutsche Bahn beheben zu lassen, doch bisher alles ohne Erfolg“, sagt der Rathauschef gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Er fordert den Einbau einer „völlig neuen Fahrstuhlanlage“ und zeitgleich den barrierefreien Ausbau des Gleises Eins am Bahnhof. Gruber: „Dann können die Menschen mit Handicap ihre Züge auch ohne Lift erreichen.“

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Ein Wunsch, den Josef Aschauer nur unterstreichen kann. Doch bis dieser Traum von mehr Mobilität für den 64-Jährigen in Erfüllung geht, versucht er, pragmatisch mit der Situation umzugehen. Auch wenn es ihn viel Mühe und Zeit kostet.

Wie vor rund zwei Wochen, als er einen Termin in Rosenheim hatte. Natürlich war der Aufzug wieder einmal defekt. „So musste ich wegen der Wichtigkeit meines Termins mit meinem Rollstuhl vom Gleis, dass für mich erreichbar war, erst einmal ins etwa acht Kilometer entfernte österreichische Kufstein fahren, um von dort nach Rosenheim zu gelangen“, erzählt der 64-Jährige.

Mit dem Rollstuhl zurück nach Hause

„Auf der Rückfahrt bin ich sicherheitshalber wieder in Kufstein ausgestiegen und habe im Rollstuhl dann den langen Heimweg nach Kiefersfelden angetreten. Das hat mich alles in allem rund zwei Stunden mehr an Zeit gekostet.“

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