"Ausbau liegt im Zeitplan"

Blick auf die Baustelle zwischen Mühldorf und Töging: Die Baumaßnahmen auf der Strecke nach Tüßling sollen bis 2017 abgeschlossen sein. Foto ober
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Blick auf die Baustelle zwischen Mühldorf und Töging: Die Baumaßnahmen auf der Strecke nach Tüßling sollen bis 2017 abgeschlossen sein. Foto ober

Auf einer Länge von 141 Kilometern wird die Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing durchgehend elektrifiziert und in weiten Teilen zweigleisig ausgebaut. Nicht nur für den Personenverkehr, auch für die heimische Wirtschaft ist die ABS 38 - die Abkürzung steht für Ausbaustrecke - von Bedeutung.

Im Gespräch ist die Strecke auch als Entlastung für den Brennerzulauf.

Burghausen/Mühldorf/Rosenheim - Der Ausbau der ABS 38 - der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing - hat für die wirtschaftliche Entwicklung der Region Inn-Salzach eine entscheidende Bedeutung. Zu dem Ergebnis kommt eine Konzeptstudie, die der Städtebund Inn-Salzach und die Landkreise Mühldorf und Altötting sowie die Wirtschaftsförderung Burghausen in Auftrag gegeben haben. Eine kosteneffiziente und zeitnahe Erreichbarkeit der Beschaffungs- und Zielmärkte ist ein wesentlicher Standortfaktor für die chemische Industrie, die direkt 25 000 Beschäftigten einen Arbeitsplatz bietet: Hinzu kommen 50 000 Beschäftigte in Zuliefererbetrieben. Doch die Strecke stößt an ihre Grenzen.

Zum aktuellen Stand des Streckenausbaus und der Bedeutung der Ausbaustrecke für die Region hatten der Städtebund Inn-Salzach, der Bezirk Inn-Salzach und der Wirtschaftsbeirat Bayern am Donnerstagabend zu einer gemeinsamen Veranstaltung eingeladen. Während Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG, Region Bayern, über den Stand der Planungen referierte, stellte Anton Steinberger, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Burghausen, die Bedeutung für die regionale Wirtschaft in den Vordergrund.

Allein im Chemiedreieck werden insgesamt 7,6 Millionen Tonnen Güter transportiert - 3,5 Millionen davon auf der Schiene. Und nicht nur die Industrie, auch der Mittelstand habe in Bezug auf den Ausbau der ABS 38 Bedarf, ergänzte Jochen Englmeier, Geschäftsführer des Städtebunds Inn-Salzach, der die "Magistrale für Europa" vorstellte.

Steinberger berichtete auch über die erfolgreiche Inbetriebnahme des neuen Burghauser Kombigüterterminals, das derzeit hauptsächlich den Umschlag für die Wacker-Chemie durchführt. Auch aus Kapazitätsgründen, so Steinberger, ist ein Ausbau bereits in Planung. "Nach nur sechs Monaten fahren wir Volllast. Geplant war dies in drei Jahren." Insgesamt sei die Stadt Burghausen auf der Landkarte der Güterverkehrswege immer weiter ins Zentrum gerückt. "Aber die Strecke ist erschöpft", so Steinberger. Auch das Güterterminal habe bereits Züge nicht fahren können, weil es die Streckenlast nicht zulässt. Interessant für die weitere Entwicklung sei für das Terminal und den Standort Burghausen auch ein Ausbau in Richtung Süden, eine leistungsfähige Schienenanbindung an die Adriahäfen Triest und Koper.

"Es ist interessant, dass vom Markt eine Strecke in Richtung Süden gefragt ist", sagte Klaus-Dieter Josel in der anschließenden Diskussion. Diese Erkenntnis wolle er mitnehmen und weitergeben. Bezüglich des Streckenausbaus der ABS 38 habe er keine "Hurra-Nachricht" mitgebracht. "Wir liegen im Zeitplan."

Der Abschnitt zwischen Ampfing und Altmühldorf ist bereits zweigleisig ausgebaut, die Strecke zwischen Altmühldorf und Tüßling ist derzeit im Bau. Insgesamt sollen die Baumaßnahmen zwischen Mühldorf und Tüßling bis 2017 abgeschlossen werden. "Danach ist ein Nadelöhr aufgeweitet", so Josel.

In den anderen Teilbereichen wie dem Streckenabschnitt zwischen Markt Schwaben und Ampfing laufen derzeit die Vorplanungen. "Im Herbst sind wir fertig und werden die Ergebnisse dem Bund präsentieren", so Josel. Dabei hoffe die Bahn auf positive Signale für den Ausbau des gesamten Streckenabschnitts der ABS 38. "Denn wenn Baurecht geschaffen ist, ist dieses nur zehn Jahre gültig. Wir brauchen die Sicherheit der Finanzmittel, um bauen zu können." Im kommenden Jahr stimmt dann der Bundestag über den Bundesverkehrswegeplan ab.

Die nächsten Planungsschritte könnten direkt im Anschluss fortgeführt werden, sagte Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer am Donnerstagabend. Vom Verkehrsministerium habe er die schriftliche Zusage, dass die Finanzierung der Phase 3 und 4 auch gesichert seien und es somit keine zeitliche Verzögerung gebe. Sowohl Landtagsabgeordneter Günter Knoblauch als auch Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer relativierten dies. "Die Bedeutungseinschätzung der Strecke ist noch kein Go", betonte Schurer. Sie sei eine wichtige Grundlage für die Investitionsplanung des Bundes, aber "die Finanzierung ist erst dann gesichert, wenn sie durch ist".

Für Schurer (SPD) gewinnt die ABS 38 mit dem Bau des Brennerbasistunnels eine noch größere Bedeutung - als mögliche Entlastung der Zulaufstrecke. Momentan, so Klaus-Dieter Josel, habe die Strecke genug Kapazität, um den zusätzlichen Verkehr schultern zu können. "Wir haben derzeit 180 Züge. Bis 2025 sollen es 300 werden. 260 schaffen wir ohne Handlungsbedarf."

ABS 38 kann 47 Züge der Strecke München- Salzburg übernehmen

Das belegt auch die vom Städtebund in Auftrag gegebene Konzeptstudie. 47 Güterzüge der Strecke München-Salzburg könne die ABS 38 bei Vollauslastung übernehmen, so die Schlussfolgerung. Dazu müsse die Strecke jedoch leistungsfähig ausgebaut werden. Für das Burghauser Güterterminal ist der Brennerbasistunnel aufgrund der Gewichtsbegrenzung nicht von Bedeutung, so Steinberger.

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