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Aus Angst um die Familie Steuern hinterzogen? 49-Jähriger aus dem Chiemgau verurteilt

Auf verschiedenen Geschäftsreisen habe der Angeklagte nach eigenen Angaben den Erpressern das Geld in verschiedenen Tranchen übergeben.
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Auf verschiedenen Geschäftsreisen habe der Angeklagte nach eigenen Angaben den Erpressern das Geld in verschiedenen Tranchen übergeben.
  • vonTheo Auer
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Wegen Steuerhinterziehung musste sich jetzt ein 49-jähriger Unternehmer aus dem Chiemgau vor dem Rosenheimer Schöffengericht verantworten. Vor Gericht gab der Mann an, dass Drohungen gegen seine Familie zu diesen Straftaten geführt hätten.

Rosenheim – Der geschäftsführende Gesellschafter einer GmbH fiel bei einer Betriebsprüfung der Finanzbehörde auf. In einer eigenen besonderen Buchführung hatte er präzise aufgelistet, welche Summen er für „besondere Zwecke“durch Steuerhinterziehung erwirtschaftet hatte und aus dem Geschäft in einem Vorgang der Untreue abzweigte.

Seine Erklärung dafür: Im März 2011 sei er von Erpressern kontaktiert worden, die ihn, seine Familie und die weiteren Gesellschafter der Firma bedroht und 500.000 Euro gefordert hätten. Die Bedrohung mit Zielfoto-Bildern und einer übermittelten Waffe sei ihm derart glaubhaft erschienen, dass er sich bemüht habe, diesen Geldforderungen in mehreren Tranchen zwischen 50.000 und 75.000 Euro beginnend 2011 bis Ende 2015 nachzukommen.

Übergaben in ganz Europa

In verschiedenen Hauptstädten Europas, die er bei Geschäftsreisen besucht habe, sei er zu Übergaben aufgefordert worden. Um diese Summen zu beschaffen, habe er die Mittel durch falsche Steuererklärungen frei gemacht und Gelder aus der Firma abgezogen. Weil diese Zahlungsaufforderungen stets nur telefonisch erfolgten, gäbe es für die Vorgänge keinerlei schriftliche Belege. Die Erpresser hätten ihn nach eigenen Angaben eindringlich davor gewarnt, mit der Polizei Kontakt aufzunehmen. Das habe er aus Angst um sich und seine Familie auch befolgt. Diesbezügliche nachträgliche Ermittlungen der Kriminalpolizei waren jedoch im Sande verlaufen.

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Steuern sind inzwischen nachbezahlt

Die hinterzogenen Steuern sind zwischenzeitig nachbezahlt worden und eine Bestätigung der anderen Gesellschafter belegte, dass die zunächst unrechtmäßig abgezogenen Gelder aus der Firma dem 49-Jährigen nicht zum Vorwurf gemacht würden, er diese auch nicht zurückerstatten müsse. In einem Rechtsgespräch machte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Andreas Kastenbauer, deutlich, dass sein Mandant – mit Ausnahme von Detailpunkten – sich umfassend geständig einlassen würde. Zwar habe der den gesamten Vorgang nachweislich nicht zu seiner eigenen Bereicherung vorgenommen, sehe aber ein, dass er sich im Grunde diesbezüglich schuldig gemacht habe.

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Strafrahmen vereinbart

So wurde eine Verständigung zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht erzielt, die einen Strafrahmen benannte, der zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Staatsanwältin erklärte, dass die berichtete Erpressung sich unter den gegebenen Umständen wohl nicht aufklären lasse. Nachdem aber zu den vorliegenden Anklagen umfassende Geständnisse vorlägen, könne eine Strafe mit 20 Monaten Haft zur Bewährung angemessen sein. Zumal alle Ansprüche abgegolten seien. Dazu müsse aber eine angemessene Geldstrafe kommen.

19 Monate Haft auf Bewährung

Der Verteidiger verwies darauf, dass nicht nur die Steuern nachbezahlt worden seien, sondern sein Mandant auch ohne Vorstrafe sei und nach wie vor das Vertrauen der anderen Gesellschafter genieße. Eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten sei hinreichend, die Geldstrafe mit 16.200 Euro durchaus angemessen. Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat hielt eine Strafe von 19 Monaten Haft, die es zur Bewährung aussetzte, für angemessen. 19.800 Euro Geldstrafe kamen hinzu.

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