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Augenweide für Pferdeliebhaber

Zahlreiche Gespanne und Reiter holten sich gestern den Segen von Pfarrer Guido Seidinger
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Zahlreiche Gespanne und Reiter holten sich gestern den Segen von Pfarrer Guido Seidinger

Stephanskirchen - Mehr als 200 prächtig herausgeputzte Pferde, stolze Reiter, Trachtler in ihren Festtagsgewändern und Kutscher auf mit Blumen geschmückten Gespannen waren beim Leonhardiritt dabei.

Der Nebel hatte Leonhardspfunzen noch fest in seinem Griff, als am gestrigen Vormittag Pferde, Reiter und Kutschen nach einem gemeinsamen musikalischen Frühschoppen zum Festgottesdienst im Freien eintrafen. Unter den rund 200 Huftieren fanden sich auch zwei Esel. Tequila und Sancho waren von ihrer Besitzerin Sabine Deingruber für diesen Anlass mit Blütenkränzen hübsch gemacht worden.

Außerdem stand am Vortag bereits eine ausgiebige Wäsche auf dem Programm. "Die merken ganz genau, wenn sie schön aussehen. Beim Marschieren zeigen sie sich dann bestimmt von ihrer besten Seite", war sich Sabine Deingruber sicher, die mit ihren Tieren schon des öfteren auf Leonhardiritten dabei war.

Kathrin Neugebauer wirkte dagegen zum ersten Mal bei einem Leonhardiritt aktiv mit. "Ich wollte einmal diese ganz besondere Atmosphäre erleben", erzählte die 24-Jährige, die mit ihrem Isländer "Sif" auf den Segen durch Pfarrer Guido Seidenberger wartete.

Mit dabei waren auch kleinere "Gäste"

Bevor der kam, stand aber noch der Festgottesdienst auf dem Programm, der von der Blaskapelle "Am Wasen" musikalisch umrahmt wurde. Pfarrer Seidenberger ging in seiner Predigt auf die Geschichte des Heiligen ein und stellte fest: "Leonhard ist aktueller denn je." Die Landwirte seien heutzutage von anderen "bösen Geistern" bedroht als früher. Als Beispiele nannte er die große BSE-Krise und den Preisverfall landwirtschaftlicher Produkte.

Es gehe aber nicht nur um den Raubbau an der Natur. Auch an sich selbst könne man Raubbau betreiben, wie das immer häufiger auftretende "Burn-Out-Syndrom" zeige. Darum sei es wichtig, sich auch einmal Ruhe zu gönnen und dazu könnten Veranstaltungen wie der Leonhardiritt in Leonhardspfunzen gut dienen.

Ruhe nötig nach einer langen Vorbereitungsphase haben nach der Traditonsveranstaltung sicherlich wieder die rund 180 Mitglieder des Leonhardivereins. Viele Monate haben sie für die Planung gebraucht. "Wir haben alle Besitzer der Gespanne persönlich eingeladen", erzählte Sprecher Thomas Aßbichler.

Doch auch gestern gab es für ihn und die anderen Mitglieder noch jede Menge zu tun, um für einen perfekten Ablauf zu sorgen. "Der Aufwand hat sich aber wieder einmal gelohnt", freute sich Vorstand Günther Weidlich angesichts der rund 1500 Schaulustigen, die sich trotz ungemütlicher Temperaturen zum Leonhardiritt eingefunden hatten.

Zurückzuführen ist die größte jährliche Traditionsveranstaltung in der Region auf eine erstmals im Jahr 1436 urkundlich erwähnte Wallfahrt. Nachdem Traktoren die Pferde als Arbeitskraft in der Landwirtschaft aber immer mehr verdrängten, verlor auch der Leonhardiritt für einige Zeit seine Bedeutung. Mit der Gründung des Leonhardivereins Leonhardspfunzen erfolgte in den 50er-Jahren eine Wiederbelebung des alten Brauchtums.

Im Bereich der Freizeitgestaltung erfreuen sich die Pferde nun seit einigen Jahren wieder zunehmender Beliebtheit. Darum wundert es auch nicht, dass sich heute vor allem die bei den Reitern beliebten Warmblüter den Segen durch den Pfarrer holen. Kaltblüter waren auch gestern wieder deutlich in der Minderheit.

Franz Sykora aus Kiefersfelden gehört zu den ganz wenigen in der Region, die diese Pferderasse noch halten und auch tatsächlich nutzen: "Natürlich könnte auch ich mir Maschinen anschaffen. Doch dann hätten diese Pferde ja keine Arbeit mehr", sagte er.

Auch für ihn gehört der Leonhardiritt fest zum Jahresablauf mit dazu. "Diese schöne Tradition muss doch am Leben erhalten werden", meinte Sykora, kurz bevor er mit seinem Gespann an dem Pfarrer vorbeizog. Genau in diesem Augeblick zeigte sich die Sonne am Himmel.

wu

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