Experten sehen Vorkrisenniveau noch nicht erreicht - Warnung vor Fachkräftemangel

"Aufholprozess kommt gut voran"

Rosenheim - Deutlich optimistischer als noch vor einem halben Jahr zeigt sich die Metall- und Elektroindustrie. "Der Aufholprozess nach der Krise kommt gut voran", lautete die Einschätzung der Lage von Professor Dr. Anton Kathrein, Vorsitzender des Bayerischen Unternehmensverbandes Metall und Elektro (BayMe) und des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM) für die Region Südostbayern bei einer Pressekonferenz im Restaurant "Zur historischen Weinlände" in Rosenheim. Kathrein sprach dabei auch über die derzeitige Situation in seiner eigenen Firma. Außerdem hatte er drei weitere Unternehmer aus der Region eingeladen, die ebenfalls schilderten, wie sie die derzeitige konjunkturelle Lage aus eigener Sicht heraus bewerten.

Die Stimmung in den Unternehmen ist gut: Das ist das Ergebnis der halbjährlichen Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber unter ihren Mitgliedsbetrieben in Südost-Bayern. Trotzdem warnte Professor Dr. Anton Kathrein bei der Pressekonferenz vor zu großer Euphorie. Die Metall- und Elektro-Industrie in der Region hole zwar auf, aber das Vorkrisenniveau sei im Moment noch nicht erreicht. "Wir erwarten, dass wir zum Jahresende 2011 wieder dort sein werden, wo wir vor Beginn der Rezession waren", so Kathrein. Er erwartet allerdings in den kommenden Monaten eine deutliche Verlangsamung des Aufholprozesses. Die positive Entwicklung sei bei Weitem nicht ohne Risiken. Hohe Rohstoffpreise und extrem schwankende Wechselkurse würden den Unternehmern das Geschäft deutlich erschweren.

Trotzdem blickt der Umfrage zufolge die Mehrheit der Betriebe aus der Metall- und Elektro-Industrie optimistisch in die Zukunft. 68 Prozent der Befragten gaben das gegenwärtige Inlandsgeschäft als gut an. Das aktuelle Exportgeschäft wird sogar noch besser bewertet. Hier kamen rund 70 Prozent der Betriebe zu einem positiven Ergebnis.

Für das erste Halbjahr 2011 erwarten knapp 71 Prozent eine Verbesserung des Inlandsgeschäfts. Bei der Bewertung des Auslandgeschäfts geben sich die Unternehmen aber deutlich weniger zuversichtlich. In diesem Bereich rechnet nur ein gutes Drittel mit einer weiteren Belebung. Die überwiegende Mehrheit, knapp 58 Prozent, erwartet, dass sich das Auslandsgeschäft im ersten Halbjahr 2011 auf hohem Niveau stabilisiert.

Für Arbeitnehmer sieht es der Umfrage zufolge in diesem Jahr ebenfalls gut aus. Dem Ergebnis ist ein deutlicher Beschäftigungsanstieg zu entnehmen. Knapp 58 Prozent der befragten Firmen wollen in der ersten Jahreshälfte zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Kathrein dazu: "Seit Beginn der Umfrage vor zehn Jahren gab es noch nie so positive Beschäftigungspläne." Man rechne damit, dass im kommenden Jahr gut 20000 zusätzliche Arbeitplätze in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie entstehen. Rund 5000 davon würden auf Oberbayern entfallen.

Trotz dieser vielen positiven Zeichen für die Zukunft ist die Ertragslage bei den meisten befragten Unternehmen zumindest im Moment noch angespannt. Fast 17 Prozent der Firmen gaben an, im letzten Jahr Verluste gemacht zu haben. Weitere 22 Prozent kamen über eine schwarze Null nicht hinaus. Damit weist nach den Worten von Kathrein rund die Hälfte der Unternehmen in der Region Nettoumsatzrenditen auf, die im internationalen Vergleich problematisch seien. Schuld an dieser Entwicklung ist nach Einschätzung des erfolgreichen Rosenheimer Unternehmens der Anstieg sowohl bei den Rohstoffkosten als bei den Lohnstückkosten.

Bei der Einschätzung seiner eigenen Firma kam Kathrein zu ähnlichen Ergebnissen wie die drei weiteren zur Pressekonferenz eingeladenen Unternehmer. Alle zeigten sich zwar zufrieden mit dem derzeitigen wirtschaftlichen Stand. Doch alle berichteten auch über Probleme.

So etwa werde es zunehmend schwieriger, Fachkräfte zu finden. "Das ist eigentlich meine Hauptsorge für die Zukunft. In den kommenden Jahren werden in unserem Unternehmen viele langjährige Angestellte den Ruhestand antreten und ich weiß nicht, wie diese dann ersetzt werden können", meinte dazu Helmut Schenk von der Firma "KWS-Elektronik" in Großkarolinenfeld.

Ähnliche Schwierigkeiten schilderte auch Klaus Rutz, Geschäftsführer des Unternehmens "Ecolab Engineering" in Siegsdorf. Besonders im Bereich der Zeitarbeit entbrenne mittlerweile ein harter Wettbewerb.

Dr. Wolfgang Friedrich, Geschäftsführer der Firma "MBM Maschinenbau" in Mühldorf, schilderte zuletzt die Zeit nach der Krise aus seiner Sicht heraus: "Die Stimmungslage ist gut. Wir hatten uns darauf eingestellt, dass es viele Jahre dauert, bis man diesen wirtschaftlichen Einbruch wieder aufholen kann. Jetzt geht es aber wesentlich schneller voran, als gedacht". wu

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