Suche nach einem Endlager

Atommüll vor der Haustür Rosenheims? Bald folgt die Info-Runde zur Region am Chiemsee

  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Deutschland sucht die Super-Lagerstätte. Und die Region Rosenheim ist unter den Kandidaten. Die Suche nach einer Endlagerstätte für Atommüll nimmt Fahrt auf. Was Fachleute sagen. Und warum die Landkreise Rosenheim und Mühldorf in der Auswahl sind: unser Überblick vor der nächsten Runde der Suche.

Rosenheim/Mühldorf – Im September wurde der Zwischenbericht mit geeigneten Gebieten veröffentlicht. Am vergangenen Wochenende konnten sich Bürger, Behörden und Gruppen an einer Online-„Fachkonferenz Teilgebiete“ äußern und informieren. Am nächsten Dienstag, 27. Oktober, geht es weiter: In einer regionalen Online-Sprechstunde können Bürger ihre Meinung kundtun und sich über die Situation in Rosenheim und Mühldorf informieren.

Eine Sache für eine Million Jahre

Die CSU stellt seit gefühlten Ewigkeiten die Regierungspartei, länger gibt es die Kirche, und noch viel länger Oberbayerns größten See: Der Chiemsee entstand beim Rückzug der letzten Eiszeitgletscher vor 10.000 Jahren. Was wiederum nur ein Wimpernschlag ist zu der Frist, die für die Endlagerung von Atommüll gelten: Eine Million Jahre lang soll der strahlende Abfall sicher unter der Erde ruhen.

Dagegen schaut der Zeitplan für die Suche erst recht mickrig aus: Schon in zehn Jahren soll klar sein, wo Deutschlands hoch strahlender Müll gelagert werden kann. Ab 2050 wird der Müll eingelagert.

„Sprechstunde“ für jedes Teilgebiet

Die Region Rosenheim hat noch ein paar Worte mitzureden. Nach der „Fachkonferenz“ steht am Dienstag, 27. Oktober, um 17 Uhr eine regionale „Sprechstunde“ im Kalender. Sie findet online statt.

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Eingeladen zur „Fachkonferenz Teilgebiete“ hatte das Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Wissenschaftler der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellten den Zwischenbericht vor und standen Rede und Antwort auf Fragen, die Bürger und Gruppe in einem You-Tube-Chat gestellt hatten.

Rot wie gebrannter Ton: Die Fläche, die nach Meinung der Bundesgesellschaft für Endlagerung für ein Atommüllendlager nicht ausgeschlossen werden kann. Grafik Klinger

Zweck der Übung: „Die Öffentlichkeit mitzunehmen und in das Suchverfahren einzubinden“, wie BASE mitteilt.

Pro und Contra in der Region Rosenheim

Insgesamt ist weniger als die Hälfte des deutschen Staatsgebiets als ungeeignet aussortiert worden – darunter das Versuchsgelände Gorleben. Dringeblieben sind weite Teile des südöstlichen Bayern, darunter ein Fleck östlich Rosenheims und Streifen bei Mühldorf.

Der Grund: Dort finden sich – in ausreichender Tiefe und Dicke – Schichten von Tongestein. Ton, Ablagerungen eines 25 Millionen Jahre alten Ur-Meers, lässt kein Wasser durch und schirmt gut gegen Strahlung ab. Es ist aber anfällig für Störungen, wie sie von Gebirgen ausstrahlen. Und daher „gibt es wahrscheinlich geeignetere Bereiche“, sagt Diplom-Geologe Holger Maurer aus Riedering, Mitautor des Kinderbuchs „Geoloogi“.

Störzone im nahen Inntal könnte eine Rolle spielen

Maurer weist auf die Nähe der Alpen hin, die erst 20, 30 Millionen Jahre alt sind und noch wachsen, im Gegensatz etwa zum viel älteren Bayerischen Wald. Wo aber Gebirge wachsen, walten große Kräfte.

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Maurer weist auf eine Störzone im nahen Inntal hin. Sie sei inaktiv, sagt Maurer. Im Augenblick. „Ich würde bei der Sprechstunde fragen, wie man sicher davon ausgehen kann, dass die Störzone eine Million Jahre lang nicht aktiv wird“, sagt Maurer.

Informationen über Region Rosenheim

Wer sich bei der regionalen Sprechstunde bezüglich der Region Rosenheim und des Landkreises Mühldorf am Dienstag, 27. Oktober, (17 Uhr) informieren möchte, kann sich über das Wann und Wie dieser Online-Veranstaltung auf verschiedenen Wegen informieren. Etwa auf der Homepage der Bundesgesellschaft Übertragen wird die Veranstaltung jedenfalls erneut auf You Tube. Dort kann man über die Chat-Funktion Fragen stellen, man kann sie aber auch vorab unter Angabe der Teilgebietskennung an die Adresse dialog@bge.de schicken – oder einfach unter telefonisch unter der Nummer 05171/5439000 nachfragen.

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