Stellungnahmen ab 17. Oktober

Atommüll-Endlager zwischen Rosenheim und Chiemsee? Nun beginnt Diskussion über Standorte

  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Die Region zwischen Rosenheim und Chiemsee kommt für ein Atommüll-Endlager nach einer ersten, groben Einschätzung grundsätzlich in Frage. Das ging aus einem „Zwischenbericht“ hervor, der die Region alarmierte. Nun steht der nächste Schritt bevor: In einer Fachkonferenz können sich ab 17. Oktober Bürger äußern.

Rosenheim – Der „Zwischenbericht“ der Bundesgesellschaft für Endlagerung alarmierte die Region Rosenheim: Weite Teile des Landkreises werden demnach grundsätzlich für geeignet gehalten, ein Atommüllendlager aufzunehmen. Die Bürger können am nächsten Wochenende mitreden und sich informieren. Und zwar bei der so genannten „Fachkonferenz“.

Es geht bei dieser Konferenz um eine Ewigkeit. Um ein Endlager für eine Million Jahre. Doch nicht ohne ganz aktuelle Probleme: Wegen der Corona-Pandemie findet am nächsten Wochenende die „Fachkonferenz“ zur Atommüll-Endlagersuche ausschließlich online statt.

Lager gesucht: Auch die Region Rosenheim ist in einer ersten Stufe als geeignet gekennzeichnet worden.

Der Vorteil daran: Nicht nur die Fachleute, sondern Jeder Interessierte darf mitreden, ohne zu einem Konferenzsaal reisen zu müssen. „Fragen, Anregungen und Kritik können von allen Interessierten vorgebracht werden, egal ob Laie oder Experte“, sagt Ina Stelljes vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung. Beginn dieser Runde ist am nächsten Wochenende. Im nächsten halben Jahr wird es drei weitere Termine geben.

Am Anfang eines langen Weges

Die Suche nach einer Endlagerstätte wird sich mindestens über die nächsten zehn Jahre hinziehen. Die Aufgabe ist anspruchsvoll: Mindestens eine Million Jahre lang soll in der Endlagerstätte hoch radioaktiver Abfall ohne Gefahr für die Menschen gelagert werden können. In einem ersten Schritt wurden lediglich vorhandene Daten ausgewertet. Die Region zwischen Rosenheim und dem Chiemsee empfiehlt sich in den Augen der Daten-Sichter des BGE durch ihr Tongestein.

Älter als die Alpen, jünger als die Dinos

Damit rührt die BGE an die tiefe Vergangenheit der Region. Das Tongestein ist tertiär, also aus einer Epoche der Erdgeschichte, die vor rund 66 Millionen Jahren begann und vor 2,5 Millionen Jahren endete. In der Gegend von Rosenheim erstreckte sich damals eingroßes Gewässer. Aus der Sediment-Schicht auf dem Grund dieses Gewässers bildeten sich vor 28 bis 35 Millionen Jahren die Tongesteine, die jetzt für ein Endlager sprechen, wie der Geologe Daniel Trojuk vom Büro Ohin aus Rohrdorf erläutert. Sie sind damit älter als die Alpen, die sich erst vor gut 20 Millionen Jahren auffalteten. Aber jünger als die Dinos, die der Lokschuppen in Rosenheim gerade präsentiert.

Diese Tongesteine besitzen tatsächlich geringe Durchlässigkeit, und die Schicht sei östlich von Rosenheim in erforderlicher Dicke und Tiefe zu finden, sagt Trojuk. Aber: Wegen der „gebirgsmechanischen Eigenschaften“ kommt die Gegend für ihn eher weniger in Frage. Weil Tongesteine eher weicher seien und womöglich auch großen Spannungen ausgesetzt seien. Das aber könnte nur eine teuere Untersuchung klären.

Atommüll vor Rosenheims Haustür? Das wird Diskussionen geben

Bevor es dazu kommt, steht die Bürgerbeteiligung an. Sie beginnt damit, dass die BGE den „Zwischenbericht“ vorstellt und erläutert. Danach soll sich eine Diskussion anschließen.

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Wer den Live-Stream am Wochenende, 17. und 18. Oktober, im Internet verfolgen und über eine Chat-Funktion mitdiskutieren will, muss sich auf den Seiten des Bundesamtes für die Sicherheit der atomaren Entsorgung online registrieren. Fragen kann man auch über E-Mail an das BASE schicken, und zwar an die Addresse fachkonferenz@bfe.bund.de. Die Runde startet am Samstag um 10 Uhr (Ende gegen 10.30 Uhr) und am Sonntag um 9.30 Uhr (Ende 15.30 Uhr) . Die gesamte Veranstaltung wird live im Internet übertragen und später abrufbar gespeichert.

Seismische Wellen durch das Erdreich

Die Einwände und Anregungen von Bürgern, Gruppen, Kommunalpolitik und Experten sollen in einen weiteren Bericht einfließen, in dem die BGE Gebiete für eine übertägige Begehung vorschlägt. Dabei werden seismische Wellen durchs Erdreich geschickt – eine Art Radar, mit der sich ein Modell des Untergrunds errechnen lässt.

Doch auch bis dahin fließt noch viel Wasser den Inn hinunter. Der nächste Bericht werde allerfrühestens in zwei Jahren vorgelegt, heißt es seitens der BGE.

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