Fehlende Ausrüstung im Corona-Kampf

Appell an den Kultusminister: Stiftung Attl sieht sich beim Infektionsschutz alleingelassen

Das kann doch nicht alles sein? Die beiden Vorsitzenden der Stiftung Attl in Wasserburg, Jonas Glonnegger (links) und Franz Hartl, können nicht glauben, dass ihr Schulbetrieb mit so wenig FFP2-Masken auskommen soll.
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Das kann doch nicht alles sein? Die beiden Vorsitzenden der Stiftung Attl in Wasserburg, Jonas Glonnegger (links) und Franz Hartl, können nicht glauben, dass ihr Schulbetrieb mit so wenig FFP2-Masken auskommen soll.
  • vonPetra Maier
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Ein „homöopathischer Tropfen auf den heißen Stein“ – so bewertet der Vorstand der Stiftung Attl die Bereitstellung an Schutzausrüstung durch das bayerische Schulministerium. Die Verantwortlichen haben daher jetzt einen eindringlichen Appell an Kultusminister Piazolo gerichtet.

Wasserburg– Wenn Lehrerin Karin Erhard in der Makarius-Wiedemann-Schule der Stiftung Attl morgens ihren Unterricht beginnt, dann schauen nicht nur viele Kinderaugen auf sie, sondern auch ihre Schulbegleiter und Assistenzkräfte. Die einen werden vom Bezirk bezahlt, die anderen von der Stiftung Attl und die Lehrerin selbst vom Staat. Je nach Arbeitgeber gelten für jeden andere Vorgaben zum Infektionsschutz, obwohl sie alle im selben Klassenzimmer sind. Erschwerend kommt noch hinzu: Die Kinder, die fast alle hohen Assistenzbedarf haben, verstehen oft nicht, dass sie Masken aufsetzen müssen und brauchen zudem fast alle auch die körperliche Nähe einer Bezugsperson, um überhaupt am Unterricht teilnehmen zu können. Die Stiftung Attl versucht, allen Beteiligten größtmögliche Sicherheit zu bieten.

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Was das Bayerische Schulministerium aktuell jedoch an Schutzausrüstung gewährt, sei ein „homöopathischer Tropfen auf den heißen Stein“, betont Jonas Glonnegger, Vorstand der Stiftung Attl. Zumindest was den Einsatz von FFP2-Masken im Unterricht und in der Betreuung in Förderschulen privater Träger betrifft: Die Schule der Stiftung erhielt von der Regierung für die 28 Mitarbeitenden 43 Masken zum einmaligen Gebrauch. Das reiche nicht einmal für zwei normale Schultage. „Wir wollen unserer Aufgabe gerecht werden und das Pandemie-Geschehen eindämmen“, betont auch Vorstandskollege Franz Hartl. „Gleichzeitig müssen wir den Arbeitsschutz für unsere Mitarbeitenden sicherstellen, können den Aufwand dafür allerdings nicht als Schulaufwand abrechnen. Allen privaten Trägern von Förderzentren für geistige Entwicklung werden damit Kosten zugeschoben, die sie auf Dauer nicht stemmen können.“

Besser als Homeschooling

Beide fordern, dass sich das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultur endlich seiner Verantwortung stellt. „Es muss allen Schulen die benötigte Schutzausrüstung bereitstellen oder bezahlen. Dies ist für die Schüler immer noch besser als ins Homeschooling zu wechseln, was für die meisten unserer Kinder und Jugendlichen gar nicht funktioniert.“

Auf Nachfrage unserer Heimatzeitung antwortete eine Sprecherin des Kultusministeriums: „Die Maskenpflicht gilt für alle Schulen gleichermaßen. Vorgeschrieben ist dabei das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Über die bestehende Verpflichtung zum Tragen einer MNB hinaus besteht aber grundsätzlich keine Notwendigkeit zum Tragen von FFP2-Masken an Schulen und Förderschulen.“

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Mit dem kostenlosen Verteilen von FFP2- und KN95-Masken sei dem Wunsch der Lehrerverbände Rechnung getragen worden, den Schulen einen Bestand an FFP2-Masken zur Verfügung zu stellen, damit Schulpersonal das aufgrund einer persönlichen Entscheidung gegebenenfalls auch in bestimmten Situationen eine solche Maske tragen möchte, in gewissem Umfang auch eine solche Maske kostenlos zur Verfügung gestellt werden kann. „Das Staatsministerium setzt sich bei der Staatsregierung dafür ein, Lehrkräften und Schulen weitere FFP2-Masken beziehungsweise Masken in FFP2-Qualität zur Verfügung stellen zu können“, so die Sprecherin.

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