Studie: Bierfeste relevant für Coronavirus-Ausbreitung – war‘s so auch im Kreis Rosenheim?

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2.000 sollten getestet werden, 2.100 haben letztlich mitgemacht: Die Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts zeigten sich mit der Teilnehmerzahl an der Coronavirus-Antikörper-Studie in Bad Feilnbach hochzufrieden. Erste Ergebnisse aus der Untersuchung erhoffen sich die Wissenschaftler in einigen Wochen.

  • Die Antikörper-Studie in Bad Feilnbach ist abgeschlossen
  • In der Stichprobe wurden 2.100 Menschen freiwillig getestet - mehr, als die Forscher sich erhofft hatten
  • Die Ergebnisse werden in den kommenden Wochen erwartet

Update 15. Juli:

Rosenheim/Bad Feilnbach – Vermutet hatte man es schon seit Anfang der Krise, die Ergebnisse einer Studie des Robert-Koch-Instituts im Landkreis Tirschenreuth aber bestärken den Verdacht: Große Feste und Ski-Tourismus dürften die Ausbreitung des Corona-Virus verhängnisvoll beschleunigt haben. Unter den Befragten in Tirschenreuth war jeder Dritte in Österreich oder Italien Ski gefahren oder hatte ein Bierfest besucht. Eine ähnliche Studie hat das RKI in Bad Feilnbach durchgeführt, Ergebnisse liegen aber noch nicht vor.

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Hypothese Rosenheimer Starkbierfest

Wie in Tirschenreuth werden in Rosenheim und Bad Feilnbach Großereignisse als Beschleuniger beargwöhnt. Stadt und Veranstalter hatten sich gegen den Rat des Gesundheitsamts am 4. März entschieden, das Starkbierfest am 6. März zu starten. Das Fest war dann zwar abgebrochen worden, in den Wochen darauf erwischte die Pandemie Stadt und Region so hart wie sonst kaum ein Gebiet in Deutschland. Dass das Starkbierfest eine fatale Rolle gespielt habe, verweist Stadt-Sprecher Thomas Bugl ins Reich der Hypothese. Der Stadt lägen keine belastbaren Ergebnisse dazu vor, dazu müsste man eine Studie analog zu Tirschenreuth und Bad Feilnbach durchführen.

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In Bad Feilnbach wartet man gespannt auf die Resultate. Bürgermeister Anton Wallner rechnet frühestens Mitte August, „aber eigentlich eher Ende August“ damit. Auch in seiner Gemeinde war eine Großveranstaltung in Verdacht geraten: das Alpen-Brass-Festival Ende Februar, Anfang März. Wallner bestätigt, dass das RKI Probanden nach dem Festival befragte. „Wir warten bis August, dann sind wir ein ganzes Stück schlauer“, sagte Wallner, der sich am 23. Juni zu Beginn der Studie als Erster hatte testen lassen. Ein gutes Ergebnis gibt es schon: Unter den über 2000 Getesteten war nicht einer akut an Covid-19 erkrankt. 

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6. Juli 2020:

Bad Feilnbach – Die Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts haben ihre Labor-Busse zurück nach Berlin gesteuert, die Wissenschaftler gehen nun an die Auswertung der Proben. Und die Menschen Bad Feilnbachs und weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus warten gespannt auf die Ergebnisse der großen Corona-Studie: Wie hoch in Bad Feilnbach der Anteil der Menschen ist, die sich mit Corona infiziert haben, wie viele von ihnen keine oder nur leichte Symptome verspürt haben – das alles hoffen die Berliner in einigen Wochen bekanntgeben zu können.

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Die Wissenschaftler des RKI hatten Bad Feilnbach als einen der besonders hart getroffenen Corona-Hotspots in Deutschland ins Visier genommen. Von den rund 7500 Einwohnern wurden rund die Hälfte angeschrieben und zum Test gebeten, 2.000 sollten getestet werden. Eine Vorgabe, die auf Freiwilligkeit beruhte – und die das RKI in Bad Feilnbach locker erfüllte. „Unsere Aufnahme dort war sehr gut“, sagt Projektleiterin Claudia Santos-Hövener. „Die Menschen haben wirklich gut mitgemacht.“ Insgesamt willigten sogar rund 2100 Bad Feilnbacher ein.

Rollendes Labor

Die Mitarbeiter des RKI testeten in ihren rollenden Labors die Menschen per Rachenabstrich und per Blutprobe, also auf eine akute Erkrankung an Covid-19 ebenso wie auf eine überstandene Corona-Infektion.

„Wir werden wissen, wie viele Menschen in Bad Feilnbach Antikörper gebildet haben“ sagt Claudia Santos-Hövener, „und wir werden Angaben machen können, wie hoch die Dunkelziffer ist.“ Dann könne man auch sagen, wie viele Menschen tatsächlich etwas von ihrer Erkrankung gespürt haben, ebenso können dann Antworten auf die wichtigste Frage gesucht gegeben werden – danach, wie tödlich das neue Virus ist. Als erster hatte sich Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner in den Laborbus begeben. Er hatte auch offensiv für die Teilnahme an der Studie geworben.

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Was Claudia Santos-Hövener mitgenommen hat, sind nicht nur Proben, sondern auch gute Eindrücke von der Region Rosenheim. „Bad Feilnbach und seine Umgebung sind wunderschön“, sagt sie. „Wenn man dann auch noch an einer so spannenden Studie arbeiten kann und so offen aufgenommen wird, dann ist das natürlich super.“

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