Mancherorts fehlt der Nachschub

Ansturm auf kostenlose FFP2-Masken in Apotheken in der Region Rosenheim und Mühldorf

In der Alten Apotheke am Rosenheimer Ludwigsplatz hat Inhaber Markus Bauer am Dienstag einen großen Ansturm auf die kostenlosen FFP2-Masken erlebt.
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In der Alten Apotheke am Rosenheimer Ludwigsplatz hat Inhaber Markus Bauer am Dienstag einen großen Ansturm auf die kostenlosen FFP2-Masken erlebt.
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  • Markus Honervogt
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Die Apotheken in der Region haben seit Dienstag (15. Dezember) viel zu tun. Der Grund: Über 60-Jährige sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder Risikofaktoren können sich drei FFP2-Schutzmasken kostenlos abholen. Der Ansturm in den Apotheken in der Region Rosenheim und Mühldorf: extrem.

Rosenheim/Mühldorf – Zwölf Personen warteten vor Josef Kugler in der Schlange vor der Apotheke. Lange habe der Vorsitzende des Rosenheimer Seniorenbeirats trotzdem nicht auf seine Masken warten müssen. „Das ist problemlos gelaufen“, sagt er. Mit 83 Jahren gehört er zu der Gruppe, die Anspruch auf das kostenlose Angebot hat. Von der Aktion ist er begeistert. „Es ist eine gute Sache.“

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Dass man für die Masken nichts zahlen muss, scheint auch einer der Gründe für den extremen Ansturm auf die Apotheken zu sein. Markus Bauer, Inhaber der Alten Apotheke am Rosenheimer Ludwigsplatz, hat deshalb schon vor Tagen sein Lager aufgestockt. Sicherheitshalber hat er das Fünffache seines normalen Einkaufskontingents bestellt – also insgesamt 2500 Masken. Die ersten 500 Stück seien gestern schon zwei Stunden nach Ladenöffnung weg gewesen.

Lieferung gegen Ende der Woche

Doch Markus Bauer hat vorgesorgt. „Am Ende der Woche kommen wieder 2000 Masken an.“ Doch was den Apotheker ärgert, seien die Menschen, die „zwischen den Apotheken wandern“. Dass manche mehrmals drei Masken holen, habe er an den Aussagen und an dem Verhalten der Kunden bemerkt, sagt Bauer. Sein Appell: „Jeder soll solidarisch sein und nur einmal welche holen.“

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Dieses Problem scheint Andreas Wolf in der Marien-Apotheke in Oberaudorf kaum zu haben. Zu ihm kämen viele Stammkunden, sagt er. Bei anderen würde er schon am Krankheitsbild erkennen, dass sie Anspruch auf das Angebot haben. Trotzdem müssten die Menschen vor der Ausgabe entweder ihren Ausweis oder ein Rezept vorlegen. Ähnlich wie in der Alten Apotheke in Rosenheim seien in zwei Stunden schon rund 300 Masken vergriffen gewesen. Grund genug für ihn, prophylaktisch 3500 Masken nachzubestellen. „Sie sind auf dem Weg“, sagt er.

Extra Stand auf Parkplatz aufgestellt

Genau wie Andreas Wolf hat auch Ulrike Bayer in der Linden-Apotheke in Bad Aibling einen großen Ansturm auf die kostenlosen Masken erlebt. Um die Versorgung der Kunden mit normalen Rezepten zu gewährleisten, hat sie auf dem Parkplatz vor ihrem Geschäft deshalb einen extra Stand aufgestellt. Dort gibt sie die Masken aus. Ihre Überzeugung: „Es ist die Aufgabe der Apotheken, die Bevölkerung gut zu versorgen.“ Aus diesem Grund habe sie auch ihre 10 000 Masken von der Firma im Norden von München selbst abgeholt.

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Genauso viele liegen auch in der Apotheke im Ärztezentrum in Bernau und in der St. Jakobs Apotheke in Wasserburg im Lager bereit. In Bernau haben sich laut Apothekerin Heidi Jungbeck lange Schlangen vor dem Eingang gebildet. Tobias Schlosser empfiehlt daher seinen Kunden in Wasserburg, ein paar Tage mit dem Abholen zu warten. Damit im Maskenlager kein Engpass entsteht, setzt er beim Bestellen auf mehrere Lieferanten. Darunter sei auch eine lokale Firma, sagt er.

Keine Masken für Apotheke in Bad Feilnbach

Aber nicht bei allen Apotheken sind die Masken-Lieferungen rechtzeitig angekommen. Bestes Beispiel: die Kur-Apotheke in Bad Feilnbach. Dort ist die Bestellung vom letzten Donnerstag laut Inhaberin Anette Koch noch nicht eingetroffen. „Ich hoffe, dass sie gegen Ende der Woche kommt.“

Schlange vor der Antonius-Apotheke in Waldkraiburg

Ein gutes Dutzend Menschen stand kurz vor 10 Uhr in der Schlange vor der Antonius-Apotheke in Waldkraiburg. „Ich habe Zeit“, sagt Inge Dunkert und schaut auf die Schlange, in der sie sich gerade an Position neun eingereiht hat. Sie sei gleich los, als ihr Sohn sie darauf aufmerksam gemacht habe, erzählt die 81-Jährige. Sie ist überzeugt: Die FFP2-Masken bieten den besten Schutz. Schon im Frühjahr habe sie sich deshalb einige besorgt.

Dass es die Masken jetzt umsonst gibt, begrüßt auch Josef Scholz. „Die Aktion kommt vielleicht ein bisschen spät“, sagt der 84-jährige Waldkraiburger. „Aber die Politiker sind halt auch keine Hellseher.“

Ärger über Maskenverweigerer und Corona-Leugner

Der Ärger in der Schlange richtet sich nicht gegen die Politiker, sondern gegen jene, die sich nicht an Regeln halten oder gar demonstrieren, ohne Abstände und Hygienevorgaben. „Alle, die protestieren und ohne Maske auf die Demos gehen, sind Mörder“, ruft seine Hinterfrau Christa Wittenhagen aus Heldenstein. Scholz gibt ihr Recht: „Ein vernünftiger Mensch kann sich nicht so verhalten.“

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2000 Stück verteilten Susanne Engelmann und ihre Mitarbeiter, je drei an alle Menschen über 60 Jahren und Menschen, die jünger sind, aber an chronischen Krankheiten leiden. „Der Bedarf ist riesig“, sagte die Apothekerin. Sie hatte die Masken direkt bestellt, als am 10. Dezember die Dienstleistung bekannt wurde. „In den nächsten Tagen erwarten wir weiteren Nachschub“.

Manche Apotheken erhalten die Masken nicht rechtzeitig

Auch vor der Stadt-Apotheke in Neumarkt-St. Veit steht Menschen Schlange. Christa Wiesböck geht aber davon aus, dass genügend Masken vorrätig sind. „Unsere Chefin Christina Beckele hat rechtzeitig bestellt.“ Die Apotheker hätten erst letzten Donnerstag erfahren, wie die Verteilung der Masken ablaufen solle, berichtet Thomas Leitermann, Sprecher der Apotheker im Landkreis. Nicht alle hätten deshalb rechtzeitig die Masken erhalten. „Wir haben unsere erste Lieferung am gestrigen Dienstag bereits um 10.30 Uhr komplett an unsere Kunden verteilt.

Noch keine Lieferung hat Anton Locker in Mühldorf bekommen. „Das hat uns massiv überrascht“, sagt der Apotheker, der zwei Apotheken in Mühldorf betreibt, „Es stärkt zwar gesundheitspolitisch den Schutz, ist aber logistisch eine schwierige Aufgabe.“

Beruhigende Worte für alle, die am ersten Tag leer ausgehen

Locker und seine Mitarbeiter nutzen die Zeit zur Vorbereitung der Verteilung ab Freitag. Denn wenn der Ansturm sehr groß wird, will er Möglichkeiten schaffen, damit der normale Apothekenbetrieb nicht gänzlich zum Erliegen kommt. Apothekensprecher Leitermann beruhigt alle, die derzeit leer ausgehen. „Bis zum 6. Januar wird jeder, der einen Anspruch auf Masken hat, sie auch bekommen.“ Bei Millionen von Masken, sei es nicht verwunderlich, dass es zu Schwierigkeiten bei der Verteilung komme.

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Noch bis Ende April soll die Verteilung weitergehen. Zum Sinn der Aktion gibt es verschiedene Meinungen, die Masken sind nur kurzzeitig einsetzbar. Denn die Empfehlung lautet: Nur einmal tragen. Susanne Engelmann weist darauf hin, dass manche die die Maske nach einer Erhitzung im Backofen oder der Mikrowelle bis zu 20 Stunden tragen, Kollege Anton Locker sagt, wenn man sie trocknen lässt, könne man sie vielleicht ein zweites oder drittes Mal tragen.

Keine Kontrolle, wer wie oft Masken abholt

Locker weist darauf hin, dass es die Masken, die etwa fünf bis sechs Euro kosten, auch schon vorher gegeben habe. Die Nachfrage sei aber überschaubar gewesen. Jetzt, wo es sie kostenlos gebe, schalteten viele Menschen in den „Geier-Gier-Modus“ und spricht von einem gesellschaftlichen Problem. Einen Kontrollmechanismus gibt es übrigens nicht: Wer das Angebot missbrauchen will, kann alle Apotheken abklappern und sich Masken abholen.

Unter diesen Voraussetzungen bekommt man kostenlose FFP2-Masken:

Menschen, die das 60 Lebensjahr vollendet haben, können sich noch bis zum 6. Januar drei FFP2-Masken in einer Apotheke abholen. Dazu sind außerdem Personen berechtigt, die folgende Krankheiten oder Risikofaktoren haben: Lungenerkrankung oder Asthma, Herz- oder Nierenleiden, Diabetes mellitus Typ 2, Demenz oder Schlaganfall, Krebsleiden, Organ- oder Stammzellentransplantation, Trisomie 21 oder Risikoschwangerschaft. Jeder muss in der Apotheke seinen Personalausweis vorlegen oder den Mitarbeitern seine Krankheit erklären.

Ab Januar sollen berechtigte Patienten in einem zweiten Schritt mit weiteren Masken versorgt werden. Laut eines Sprechers des Bundesgesundheitsministeriums erhalten sie vorher zwei Coupons für jeweils sechs Masken von der Krankenkasse oder der privaten Krankenversicherung. Diese können sie in den Zeiträumen von 1. Januar bis 28. Februar sowie von 16. Februar bis 15. April einlösen. Pro Coupon muss man einen Eigenanteil von zwei Euro zahlen. Zur Abholung kann jeder auch eine andere Person bevollmächtigen. Die Apotheken beschaffen die Masken selbst und erhalten dafür eine Vergütung. In Deutschland haben 27,3 Millionen Personen einen Anspruch auf das Angebot von insgesamt 15 kostenlosen Masken. Für den Bund entstehen Kosten in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro.

So verwendet man FFP2-Masken:

Die Bundesgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege empfiehlt: Masken ohne Ausatemventil, also FFP1 und FFP2, sollen bei mittelschwerer körperlicher Arbeit maximal 75 Minuten getragen werden. Danach soll man sie 30 Minuten lang nicht mehr aufsetzen. Diese Angaben beruhen auf den Regeln zur Benutzung von Atemschutzgeräten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Für den privaten Gebrauch von FFP2-Masken gibt es bislang keine konkreten Vorgaben hinsichtlich der Verwendungsdauer.

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