Aus einem Angel-Ausflug am Grießenbach in Raubling ist eine Polizei-Ermittlung geworden

Ärger am Gewässer: Seit dem Vorfall am Grießenbach darf Christian Ludwig nicht mehr angeln. Seine Angelausrüstung hatte er nur für das Foto dabei.
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Ärger am Gewässer: Seit dem Vorfall am Grießenbach darf Christian Ludwig nicht mehr angeln. Seine Angelausrüstung hatte er nur für das Foto dabei.
  • vonAnna Hausmann
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Es sollte ein schöner Vormittag mit seiner Familie sein. Christian Ludwig wollte nach eigenen Angaben sein Angelglück versuchen. Stattdessen hat er zwei Anzeigen wegen Fischwilderei und Tierquälerei am Hals. Der Miesbacher ist empört.

Raubling – Weil er am Grießenbach illegal herrenlose Angeln ausgelegt haben soll, muss sich Christian Ludwig (34) zwei Anzeigen wegen Fischwilderei und Tierquälerei stellen. Es steht Aussage gegen Aussage. Doch es gibt ausschlaggebendes Bildmaterial, das den Miesbacher beim Herausziehen der Angeln zeigt. Nun erhebt Christian Ludwig schwere Vorwürfe gegen den Verein.

Alles kam anders als geplant

Eigentlich habe er nur mit seiner Familie einen schönen Vormittag am Gewässer verbringen wollen, erklärt Christian Ludwig. Doch dann sei alles ganz anders gekommen. Ludwig, Filialleiter in einer Metzgerei, war er nach eigenen Aussagen Ende April mit seiner Frau und zwei Kindern am Grießenbach. Etwa 100 Meter seien sie am Bach entlanggegangen, als Ludwig seine Angel auswarf, die er dabeihatte. An dieser Stelle habe er schon öfter geangelt.

Erlaubnisschein gefordert

Doch dann habe sich die Angel in Schnüren verfangen. Er schaut genauer hin: Ein Stock mit Schnur, daneben eine Angel. „Mein erster Gedanke war: Das sind abgerissene Schnüre, die jemand im Wasser gelassen hat.“ Er habe die Angeln aus dem Wasser gezogen, noch eine halbe Stunde weiter geangelt. „Dann wollten wir nach Hause gehen“, schildert Ludwig. Plötzlich seien drei Männer erschienen, wollten seinen Angelschein und seinen Erlaubnisschein sehen. Letzerer befähigt ihn zum Angeln an den Gewässern. „Es war ein diktatorischer Auftritt.“ Die Aufseher hätten ihm mit der Polizei gedroht. „Sie sind sofort davon ausgegangen, dass mir diese Angeln gehören.“ Außerdem hätten sie ihm vorgeworfen, drei statt nur zwei herrenlose Angeln aus dem Wasser gezogen zu haben. Daran wären tote Fische gewesen.

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Eine Kamera filmte den Angler

Eine Kamera, die der Fischereiverein an einem Baum befestigt hat, hat ihn bei der Aktion gefilmt. „Anscheinend haben sie demjenigen eine Falle gestellt, der die Legangeln ausgelegt hat.“ Ludwig und seine Familie hätten umgehend Platzverbot bekommen. „Was ich zu sagen hatte, hat keinen interessiert.“ Zu Hause habe er mehrfach versucht, Kontakt zum Fischereiverein aufzunehmen. Ohne Erfolg. „Keiner wollte mehr mit mir Kontakt haben.“

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Ludwig zahlte 700 Euro, um angeln zu dürfen

Ein paar Wochen später habe er eine Anzeige wegen Fischwilderei und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz erhalten. Bis das Verfahren abgeschlossen ist, dürfe er nicht mehr angeln. Einmalig habe er 400 Euro für die Vereinsmitgliedschaft gezahlt, hinzu kommen jährlich 300 Euro für den Erlaubnisschein. „Warum würde ich denn so viel Geld zahlen, um schwarz zu angeln?“ Mit seiner Geschichte wolle er andere schützen, einen ähnlichen Fehler zu begehen. „Was der Fischereiverein macht, ist schamlos und völlig irrational.“

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Noch ist keine Entscheidung getroffen

Auf Anfrage unserer Zeitung war der Kreisfischereiverein nicht für eine Stellungnahme bereit, da es sich laut Vorsitzenden Rainer Schäfer um ein laufendes Verfahren handelt. Die Polizeiinspektion Brannenburg konnte nur bestätigen, dass zwei Fälle angezeigt wurden, verwies wiederum an die Staatsanwaltschaft Traunstein. Diese wollte sich ebenfalls nicht zu dem Verfahren äußern. Von Seiten des Amtsgericht Rosenheims bestätigte Sprecherin Julia Haager lediglich, in das Verfahren involviert zu sein. Noch sei aber keine Entscheidung getroffen worden. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Richter in diesem Fall entscheiden werden.

Das Problem mit Legangeln: Das rät der Landesfischereiverband

Sebastian Hanfland, Geschäftsführer des Landesfischereiverbands, weiß: Legangeln, unbeaufsichtigte Angeln, sind verboten. Häufig werden sie zum Schwarzfischen verwendet. „Wenn kein Mensch hinter der Angel steht, erübrigt sich die Frage nach der Erlaubnis.“ Grundsätzlich dürfe man nur maximal mit zwei Angeln gleichzeitig fischen. Andernfalls verliere man die Kontrolle.

Hohe Verletzungsgefahr für die Tiere

Bei Legangeln sei die Verletzungsgefahr für die Tiere enorm hoch. „Wenn der Fisch die Angel zu tief schluckt, verletzt er sich stark und leidet.“Das sei Tierquälerei. Fischwilderei ist laut Hanfland früher von den Staatsanwaltschaften wegen zu geringem öffentlichen Interesse oft nicht weiter verfolgt worden. Das habe sich mittlerweile geändert. Wer eine herrenlose Angel beobachte, dem rät der Geschäftsführer: „Im Zweifel immer auf Nummer sicher gehen und die Polizei oder den Fischereiverein informieren.“ Christian Ludwig empfiehlt er, sich einen Anwalt zu nehmen.

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