Pressesprecherin großer Prozesse

Richterin Andrea Titz wieder am Landgericht Traunstein: „Wie nach Hause zu kommen“

Gefragte Frau: Andrea Titz, 2014 noch Sprecherin am Landgerichts München II, gibt während des Steuerprozesses gegen Uli Hoeneß eine Erklärung ab. dpa
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Gefragte Frau: Andrea Titz, 2014 noch Sprecherin am Landgerichts München II, gibt während des Steuerprozesses gegen Uli Hoeneß eine Erklärung ab.

Traunstein – Aufsehen erregte Andrea Titz als Sprecherin des Oberlandesgerichts München beim Steuerprozess gegen Uli Hoeneß oder beim NSU-Prozess – heute ist sie Vizepräsidentin des Landgerichts Traunstein. Im Gespräch blickt die 51-Jährige, die in Rosenheim lebt, auf ihr erstes Jahr dort zurück.

Von Karlheinz Kas

Die Corona-Krise lief ja parallel zu ihrem ersten Jahr als Vizepräsidentin am Landgericht. Wie sehr hat sie diese in Ihrer Arbeit eingeschränkt?

Andrea Titz: „Es gab in der Tat ganz unerwartete Facetten bei meinem Start in Traunstein. Im März, in der Phase des ersten Lockdowns, war der Umgang mit der Pandemie für die ganze Justiz Neuland. Teilweise stand sogar im Raum, dass Gerichte komplett geschlossen werden müssen. Wir mussten daher Konzepte entwerfen, wie wir im Ernstfall zumindest eine Notbesetzung aufrecht erhalten können und wie wir unter Pandemie-Bedingungen so sicher wie möglich verhandeln können. Es war eine sehr herausfordernde Zeit. Auch in meiner Arbeit als Richterin war ich gefordert. Ich leite hier eine Berufungskammer in Strafsachen. Hier hatten wir wochenlang nur in sehr wenigen eiligen Verfahren Sitzungen. Da ist natürlich etwas liegengeblieben.“

Wieviel ist liegengeblieben im Jahr 2020, wieviel muss aufgearbeitet werden?

Titz: „Schon einiges, auch wenn die Kolleginnen und Kollegen nach besten Kräften und Möglichkeiten versucht, haben alles aufzuarbeiten. Aber natürlich schieben wir eine gewisse Bugwelle an Verfahren vor uns her. Alles in allem gesehen haben wir die Arbeit aber wieder ganz gut in den Griff bekommen.“

Wann glauben Sie läuft der Betrieb bei Ihnen wieder ganz normal?

Titz: „Einen Termin dafür kann im Moment niemand vorhersagen. Es sind viele Maßnahmen getroffen worden, die sicher noch lange Bestand haben müssen. In den Sitzungen haben wir Trennscheiben zwischen Richtern und allen Verfahrensbeteiligten installiert, der Abstand muss eingehalten werden, in manchen Fällen wird mit Masken verhandelt. Das sind ja alles keine normale Umstände. Wann das zurückgefahren wird, kann heute niemand beantworten.“

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Hatten Sie in Ihrer Familie oder in Ihrem näheren privaten Umfeld Covid-19-Fälle?

Titz: „In meinem unmittelbaren Umfeld zum Glück nicht. Hier ist alles gesund. Da kann man sich wirklich nur glücklich schätzen.“

Beschäftigte Frau: Aktenberge türmen sich auf dem Schreibtisch von Andrea Titz in ihrem Büro im zweiten Stock des Landgerichts.

Als Sie vor einem Jahr hier in Traunstein in Ihrem Büro einzogen, war es ja kein Neuland für Sie. Es war mehr eine Rückkehr nach Traunstein nach 15 Jahren.

Titz: „Richtig, ich kannte noch viele Kolleginnen und Kollegen, die schon da waren, als ich gegangen war und immer noch da sind, wenn auch teilweise natürlich in anderen Funktionen. Das ganze Umfeld war mir auch noch sehr vertraut, ich war ja fast zehn Jahre lang in Traunstein. Es hat sich tatsächlich so ein bisschen angefühlt, wie nach Hause zu kommen.“

Wie sind Sie denn aufgenommen worden? Sie kamen ja als Chefin zurück.

Titz: „Die Resonanz war sehr freundlich. Ich bin mit einigen Kolleginnen und Kollegen seit Jahren freundschaftlich verbunden. Die nehmen mich als Freundin wahr und nicht als Chefin, die ich ja ihnen gegenüber auch nicht bin. Alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mich sehr herzlich aufgenommen. Es war von Anfang an eine sehr freundliche und kollegiale Atmosphäre.“

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Hat sich seit 2005 viel verändert in Traunstein?

Titz: „Sehr viel verändert hat sich, was die baulichen Gegebenheiten anbelangt. Es gab damals, als ich gegangen bin, zwar schon den Neubau für die Staatsanwaltschaft, aber im Bereich des Amtsgerichts und Landgerichts ist seitdem viel dazugekommen und modernisiert worden. Natürlich hat sich auch die technische- und IT-Infrastruktur parallel zu allen anderen Justizbehörden in Bayern sehr verbessert. Komplett neu ist jetzt natürlich die Eingangs-Situation mit dem Sicherheits-Check, den es damals noch nicht gab. Auch personell hat sich etwas getan, aber trotzdem war das Gefühl bei mir so, als wäre ich nie weg gewesen.“

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Europaweit bekannt geworden sind Sie ab 2013 als Sprecherin des Oberlandesgerichts München, weil sie hier viele Fernsehauftritte hatten. Wie sind Sie damit umgegangen?

Titz: „Ich war in München lange Jahre bei der Staatsanwaltschaft, zuletzt als Abteilungsleiterin. Der damalige Präsident des Oberlandesgerichts fragte mich 2012, ob ich Interesse an einem Wechsel an das Oberlandesgericht hätte. Ich habe dort erst in einem Bausenat angefangen und bin ein paar Monate später zur Unterstützung der damaligen Pressesprecherin in die Pressearbeit eingebunden worden. Kurze Zeit später startete schon der NSU-Prozess, und da bin ich dann mehr oder weniger in die Pressearbeit hineingestolpert. Das war eine Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe und auch sehr schnell lernen musste. Insgesamt war es eine sehr spannende Zeit. Was die Medienarbeit angeht, habe aber nicht nur ich, sondern auch die Justiz als Ganzes in dieser Zeit sehr viel dazugelernt.“

Ist Ihnen der Umgang mit den Opfer-Angehörigen im NSU-Prozess damals nahe gegangen?

Titz: „Ja, natürlich fühlt man mit den Angehörigen mit. Es wäre auch schlimm, wenn es bei so grausamen Verbrechen nicht so wäre. Einige Angehörige von Ermordeten haben sich in ihren Zeugenaussagen ja sehr berührend und emotional geäußert. Das hat sicher keinen kaltgelassen, der da im Gerichtssaal anwesend war.“

Ihre öffentlichen Auftritte, gerade beim Hoeneß-Prozess, waren immer ein Blickfang wegen Ihrer Outfits. War das von Ihnen bewusst so geplant?

Titz: „Das ist meine Art, wie ich mich kleide. So bin ich eben. Ich bin noch nie in einem grauen Hosenanzug erschienen, und jeder, der mich kennt, wird bestätigen, dass ich jeden Tag so angezogen bin, wie man mich auch in Interviews gesehen hat.“

Werden Sie dabei beraten, zum Beispiel von Ihrem Ehemann?

Titz:(lacht) „Nein! Er hat mir noch nie gesagt, was ich heute oder morgen oder bei dem oder jenem Anlass anziehen soll.“

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