"Ameise wieder in Garten zurücktragen"

Céline Zerres kocht in ihrer Küche nur vegan. Um über ihre Lebenweise zu informieren, veranstaltet sie bei sich daheim vegane "Mitbring"-Brunches (kleines Bild). Fotos Blauert/SEEHOF
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Céline Zerres kocht in ihrer Küche nur vegan. Um über ihre Lebenweise zu informieren, veranstaltet sie bei sich daheim vegane "Mitbring"-Brunches (kleines Bild). Fotos Blauert/SEEHOF

Eine Ernährung ohne Fleisch, Eier, Milch oder anderen tierischen Produkten: Viele Menschen können sich eine derartige Lebensweise nicht vorstellen - Céline Zerres schon. Die 28-Jährige lebt seit zwei Jahren vegan und versucht mit ihrem Facebook-Blog "Vegan im Chiemgau" einen Raum für Ideen, Freundschaften und Austauschmöglichkeiten rund um das Thema Veganismus zu schaffen.

Einmal im Monat organisiert sie einen kostenlosen veganen Brunch bei sich zu Hause in der Nähe von Seeon, zu dem sowohl Veganer als auch neugierige "Alles-Esser" eingeladen sind.

Obing - "Bevor ich mich entschieden habe, vegan zu leben, habe ich mich schon lange vegetarisch ernährt", erzählt Céline Zerres. Erstmals sei sie durch die Waljagd auf den Färöer-Inseln auf diese Lebensweise aufmerksam geworden. Jährlich werden dort mehrere tausende Wale grausam abgeschlachtet. "Es gibt ein Schiff, die "Sea Shepherd", mit Aktivisten, die sich gegen diese Jagd einsetzen. In der Zeit, in der die Menschen auf diesem Schiff tätig sind, leben alle vegan."

Nachdem die 28-Jährige von zu Hause ausgezogen war, habe sie vom Nachbarhof herüber öfter Mütterkühe nach ihren weggenommenen Kälbern schreien hören: "Diese Schreie gehen einem durch Mark und Bein. Nach diesem Erlebnis sagte ich mir, dass das Leid der Tiere in der Agrarindustrie nicht mit meinem vermeintlichen Genuss zu rechtfertigen ist."

Nach und nach fing sie an, immer mehr tierische Erzeugnisse von ihrem Speiseplan zu streichen, bis sie schließlich komplett vegan lebte. "Für mich ist diese Ernährungsweise kein Verzicht", sagt sie. Sie lehnt die Tötung von Tieren für die Nahrungsmittelproduktion klar ab: "Jedes Lebewesen hat ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Das kann man Tieren auch in der Biohaltung nie bieten. Denn auch dort muss sich ein Tierleben finanziell rechnen und das geht nur auf Kosten der Tiere."

Ihre Entscheidung wurde von ihrem Umfeld meist positiv aufgenommen und auch anfängliche Zweifel konnte Céline aus dem Weg räumen: "Am schwierigsten war es für meine Großeltern. Die haben selber Hühner und konnten das nicht so recht verstehen, dass ich keine Eier mehr esse. Ich habe dann für sie gekocht und vor allem meine Oma war positiv überrascht." Obwohl die Umstellung anfänglich nicht immer leicht war, hat sich die jetzige Veganerin gut damit arrangiert. "Es sind viel mehr neue Türen aufgegangen, als ich dachte, dass sich schließen würden", erzählt sie.

Da das Angebot für Menschen, die diese Ernährungsweise praktizieren, in der Region dünn gesät ist, überlegte Céline, was sie selbst tun könnte, um dieses Angebot zu erweitern. Im Februar diesen Jahres veranstaltete sie ihren ersten veganen "Mitbring"-Brunch. Während Céline Zerres ihr eigenes Heim als Veranstaltungsort zur Verfügung stellt, bringt jeder Gast eine selbst zubereitete vegane Speise mit. "Es geht nicht um meine Person, sondern um den Austausch zwischen Menschen. Ich möchte einen Raum für Veränderungen schaffen. Einen Treffpunkt, an dem einen die Leute verstehen", sagt sie und hat ein Beispiel parat: "Erzählen Sie mal einem Mischköstler, dass Sie die Ameise beim Salatwaschen vorsichtig fangen und wieder an die selbe Stelle im Garten zurücktragen. Derjenige hält Sie für bekloppt, aber als Veganer hat man Empathie für jedes Lebewesen und sei es auch noch so klein."

Positive

Erfahrungen gemacht

Die Resonanzen seien durchaus positiv: "Es läuft immer gut. Ich habe dadurch durchwegs sympathische, rücksichtsvolle, liebevolle Menschen kennengelernt." Auch die Teilnehmerzahl habe sich seit dem ersten Brunch verdoppelt. Das nächste Treffen ist für den 8. August geplant. Alle Veganer sowie Interessenten, die mehr über eine tierleidfreie Lebensweise erfahren möchten und vegane Speisen genießen wollen, können sich unter der E-Mail-Adresse veganerbrunchchiemgau@gmail.com verbindlich anmelden. Nähere Informationen sowie genaue Adressdaten gibt es über die Facebookseite "Vegan im Chiemgau" oder unter der genannten E-Mail-Adresse. Verschiedene Tees und Kaffee sowie ein Ofen und Herd zur Benutzung werden von der Gastgeberin gestellt. Eigenes Geschirr und Besteck sollte selbst mitgebracht werden.

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